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    Syrien-Krieg rückt näher

    Damaskus (DT/dpa/kap) Gegen Krieg und für eine Lösung des Dialogs in Syrien hat Papst Franziskus beim Angelus am Sonntag die Stimme erhoben: „Ich richte einen Appell an die internationale Gemeinschaft, dass sie sich gegenüber dieser tragischen Situation sensibler verhält. Ich appelliere, dass sie alles in ihrer Kraft Stehende tut, damit die geliebte syrische Nation eine Lösung in einem Krieg findet, der Zerstörung und Tod sät.“ Nicht der Kampf, „sondern die Fähigkeit zu Begegnung und Dialog“ eröffne Perspektiven für eine Lösung. Der Vatikan hatte angesichts der Videos von Opfern eines Giftgas-Angriffs vor einer vorschnellen Schuldzuweisung an die syrische Regierung gewarnt und eine unabhängige Untersuchung gefordert. Die Regierung in Damaskus bestreitet den Einsatz chemischer Kampfstoffe und beschuldigt die Rebellen, Giftgas eingesetzt zu haben.

    Während UN-Inspektoren in Syrien die Giftgas-Vorwürfe untersuchen, zogen die USA am Montag im östlichen Mittelmeer mit M... Foto: dpa

    Damaskus (DT/dpa/kap) Gegen Krieg und für eine Lösung des Dialogs in Syrien hat Papst Franziskus beim Angelus am Sonntag die Stimme erhoben: „Ich richte einen Appell an die internationale Gemeinschaft, dass sie sich gegenüber dieser tragischen Situation sensibler verhält. Ich appelliere, dass sie alles in ihrer Kraft Stehende tut, damit die geliebte syrische Nation eine Lösung in einem Krieg findet, der Zerstörung und Tod sät.“ Nicht der Kampf, „sondern die Fähigkeit zu Begegnung und Dialog“ eröffne Perspektiven für eine Lösung. Der Vatikan hatte angesichts der Videos von Opfern eines Giftgas-Angriffs vor einer vorschnellen Schuldzuweisung an die syrische Regierung gewarnt und eine unabhängige Untersuchung gefordert. Die Regierung in Damaskus bestreitet den Einsatz chemischer Kampfstoffe und beschuldigt die Rebellen, Giftgas eingesetzt zu haben.

    Mehrere NATO-Staaten bereiten sich unterdessen auf einen Militärschlag vor. Die USA haben offiziell noch keine Entscheidung gefällt. Das Weiße Haus habe „kaum Zweifel“ daran, dass das Assad-Regime Chemiewaffen eingesetzt hat, berichteten US-Medien. Großbritanniens Außenminister William Hague sagte, ein militärisches Eingreifen in Syrien wäre auch ohne einstimmiges Votum des Weltsicherheitsrates legitim. Premierminister David Cameron bricht wegen der Krise seinen Urlaub ab. Die französische Regierung rechnet mit einer raschen Einigung über mögliche Aktionen gegen Syrien. „Alles wird sich in dieser Woche abspielen“, sagte Präsident François Hollande am Montag. Es seien „mehrere Optionen auf dem Tisch, von einer Verstärkung der Sanktionen über Luftangriffe bis zur Bewaffnung der Rebellen“. Die Türkei ist bereit, sich an einer militärischen Koalition für ein internationales Vorgehen gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu beteiligen. Sein Land sei zwar dafür, auf Grundlage von UN-Entscheidungen zu handeln, zitierten türkische Medien Außenminister Ahmet Davutoglu. Wenn es im Weltsicherheitsrat aber keine Entscheidung gebe, kämen Alternativen auf den Tisch. „Derzeit diskutieren 36 oder 37 Staaten diese Alternativen. Falls in diesem Prozess eine Koalition gegen Syrien entsteht, würde die Türkei in dieser Koalition ihren Platz einnehmen“, sagte Davutoglu.

    Russland warnte die USA vor einer militärischen Einmischung. Eine Intervention würde die Friedensbemühungen zerstören, sagte Außenminister Sergej Lawrow in einem Telefonat mit seinem US-Amtskollegen John Kerry. Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonierte am Sonntag mit Hollande und Cameron über eine internationale und geschlossene Reaktion. Außenminister Guido Westerwelle sagte in Berlin: „Wenn sich ein solcher Einsatz bestätigen sollte, muss die Weltgemeinschaft handeln. Dann wird Deutschland zu denen gehören, die Konsequenzen für richtig halten.“

    Syriens Präsident Assad warnte, eine Militärintervention werde islamistische Terrorgruppen stärken. In einem Interview mit der russischen Zeitung „Iswestija“ sagte er: „Terrorismus ist wie ein Skorpion, er kann Dich jederzeit und unerwartet stechen, deshalb kann man den Terrorismus nicht gleichzeitig in Syrien unterstützen und in Mali bekämpfen.“ Die Giftgas-Vorwürfe wies er zurück: „Das ist Nonsens!“ In Moskau wurde Assad mit den Worten zitiert: „Auf die USA wartet ein Fehlschlag wie in allen von ihnen entfesselten Kriegen seit dem Vietnam-Krieg bis heute.“

    Ein Wagen der UN-Chemiewaffenexperten, die in Syrien die Giftgas-Vorwürfe untersuchen, ist am Montag von Heckenschützen angegriffen worden. Das Team sei aber in Sicherheit, teilten die Vereinten Nationen mit. Regimegegner behaupteten, regierungstreue Milizen hätten vom Messe-Militärflughafen aus das Feuer auf das UN-Team eröffnet. „Sie wollen verhindern, dass die Inspekteure zu uns kommen“, sagte ein Revolutionär, der am Ortseingang von Moadhamijat al-Scham wartete.

    Der Patriarch der Maroniten, Kardinal Bechara Boutros Rai, sagte zu „Radio Vatikan“, er befürchte dramatische Auswirkungen der Entwicklungen in Syrien, Ägypten und dem Irak auf die Präsenz des Christentums in seinen Ursprungsgebieten. „Im Irak und in Syrien geht es um Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten, in Ägypten handelt es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Fundamentalisten der Muslimbrüder und den sogenannten Moderaten. Es gibt aber ausländische Kräfte, sei es im Westen, aber auch im Nahen Osten, die diese Konflikte schüren.“