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    Sublimierter Selbstbetrug

    Über die Kampagnefähigkeit der rosa Lobby in der katholischen Kirche darf man staunen: Kaum hatte sich der ehemalige Herausgeber der Zeitschrift „Theologisches“ und Religionslehrer David Berger mit einem Paukenschlag in der „Frankfurter Rundschau“ als homosexuell geoutet, zieht der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff im selben Blatt die Brandmauer zwischen Schwulen und katholischem Lehramt atemberaubend hoch: Er bezweifelt, dass es das letzte Wort der Kirche sein könne, alle homosexuellen Handlungen gleich zu beurteilen. Wenn homosexuell empfindende Menschen eine feste, auf Solidarität und Dauer angelegte Beziehung eingehen, dann sei das ethisch wertvoll.

    Über die Kampagnefähigkeit der rosa Lobby in der katholischen Kirche darf man staunen: Kaum hatte sich der ehemalige Herausgeber der Zeitschrift „Theologisches“ und Religionslehrer David Berger mit einem Paukenschlag in der „Frankfurter Rundschau“ als homosexuell geoutet, zieht der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff im selben Blatt die Brandmauer zwischen Schwulen und katholischem Lehramt atemberaubend hoch: Er bezweifelt, dass es das letzte Wort der Kirche sein könne, alle homosexuellen Handlungen gleich zu beurteilen. Wenn homosexuell empfindende Menschen eine feste, auf Solidarität und Dauer angelegte Beziehung eingehen, dann sei das ethisch wertvoll.

    Zieht man die Linien des Schockenhoffschen Wertegefüges aus, so wäre die Zustimmung des katholischen Lehramtes zu gleichgeschlechtlichen Verbindungen geradezu ein Gebot der Sittlichkeit und Nächstenliebe. Das wirft ein erhellendes Licht auf das von Berger monierte „Programm der Unehrlichkeit“ in der Kirche, in deren Auftrag Berger und Schockenhoff seit Jahren freiwillig und äußerlich unangefochten lehren. Der ehemalige Hobbyherausgeber von „Theologisches“ klagt sogar über Heuchelei, Bigotterie und subtilen Druck auf Schwule. Doch wer zwingt die beiden, ihre private und gesellschaftliche Existenz durch die Institution Kirche abzusichern? Larmoyanz und rosa Pathos verdichten sich zum sublimierten Selbstbetrug. Alles fest in männlicher Hand?

    Es sind die schweigenden Vorgesetzten, die diesen Surfgang auf den Zeitgeistwellen auch bei hoher Windstärke möglich machen. Im medial inszenierten Wortfluss gehen die dürren Zeilen der Missio canonica und des Nihil obstat unter und versanden schließlich irgendwo im breiten Strom der Meinungen, im Mainstream eben. reg