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    Studie sieht Anstieg der Kinderarmut

    Gütersloh (DT/KNA) Mehr Kinder in Deutschland sind nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung von Armut betroffen. Fast zwei Millionen Kinder hätten im Jahr 2015 von staatlicher Grundsicherung gelebt, heißt es in der am Montag in Gütersloh veröffentlichten Studie. Damit sei der Anteil der auf Hartz IV angewiesenen unter 18-Jährigen von 14,3 Prozent im Jahr 2011 auf 14,7 Prozent gestiegen.

    Gütersloh (DT/KNA) Mehr Kinder in Deutschland sind nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung von Armut betroffen. Fast zwei Millionen Kinder hätten im Jahr 2015 von staatlicher Grundsicherung gelebt, heißt es in der am Montag in Gütersloh veröffentlichten Studie. Damit sei der Anteil der auf Hartz IV angewiesenen unter 18-Jährigen von 14,3 Prozent im Jahr 2011 auf 14,7 Prozent gestiegen.

    Zahlreiche Sozialverbände zeigten sich alarmiert und forderten ein Umdenken der deutschen Politik. Besonders betroffen sind laut der Studie Kinder von Alleinerziehenden und aus Familien mit drei und mehr Kindern. Von den betroffenen 7- bis 14-Jährigen seien fast 60 Prozent drei und mehr Jahre lange von Hartz-IV-Leistungen abhängig gewesen. In Ostdeutschland liege die Armutsquote bei 21,6 Prozent. Den Angaben zufolge stieg in neun Bundesländern zwischen 2011 und 2015 der Anteil von Kindern in staatlicher Grundsicherung, am stärksten in Bremen (plus 2,8 Prozentpunkte), im Saarland (plus 2,6) sowie in Nordrhein-Westfalen (plus 1,6).

    Aber auch in den Bundesländern mit den niedrigsten Quoten habe die Kinderarmut zugenommen, so in Bayern (plus 0,4 Prozentpunkte), Baden-Württemberg (plus 0,5) und Rheinland-Pfalz (plus 0,9).

    Höchste Quoten in den Städten

    Die höchsten Quoten seien in Städten zu beobachten, etwa in Bremerhaven (40,5 Prozent), Gelsenkirchen (38,5), Offenbach (34,5), Halle (33,4), Essen (32,6) und Berlin (32,2).

    Laut der Stiftung sind viele der betroffenen Kinder in ihrer Entwicklung und in ihren Bildungschancen eingeschränkt. Sie hätten häufig kein eigenes Zimmer, keinen Rückzugsort für Schularbeiten und nähmen kaum oder gar kein Obst oder Gemüse zu sich. Verglichen mit Kindern in gesicherten Einkommensverhältnissen seien arme Kinder häufiger sozial isoliert, gesundheitlich beeinträchtigt und in ihrer gesamten Bildungsbiografie deutlich belasteter.

    Stiftungsvorstand Jörg Dräger forderte mehr politische Aufmerksamkeit für das Thema. „Bisher werden die Folgen von Einkommensarmut für Kinder in Deutschland weder systematisch noch regelmäßig untersucht“, so Dräger. Die Stiftung bezieht sich auf „die sozialstaatlich definierte Armutsgrenze, nach der diejenigen Kinder als arm gelten, die in einer Bedarfsgemeinschaft leben“ und Hartz-IV- Leistungen beziehen.

    Sozialverbände nahmen die Studie zum Anlass, ein Umdenken der deutschen Politik zu fordern. Die Diakonie Deutschland forderte eine „eigenständige und einheitliche Geldleistung für alle Kinder und Jugendlichen, die den grundlegenden finanziellen Bedarf für die Existenz und gesellschaftliche Teilhabe absichert“. Das Zukunftsforum Familie sprach sich für die Einführung einer Kindergrundsicherung in Höhe von 564 Euro für jedes Kind aus, welche mit steigendem Familieneinkommen sinke. Der Verband kinderreicher Familien Deutschland erinnerte an das hohe Armutsrisiko, dem Familien mit drei und mehr Kindern ausgesetzt seien. Die Gefahr, dass solche Familien in Armut abrutschten, müsse genauso energisch bekämpft werden wie die Kinderarmut, forderte die Verbandsvorsitzende Elisabeth Müller.

    kna