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    Stille Rückkehr in den Vatikan

    Rom (DT) Benedikt XVI. ist nicht schwer erkrankt. Vatikansprecher Federico Lombardi hat das erneut klargestellt, weil sich das Gerücht hält, der emeritierte Papst leide an einer Krankheit. Er sei eben, wie Lombardi formulierte, „ein alter Mann, der aufgrund seines Alters geschwächt ist, aber er hat keine Krankheit“. Gleiches hatte schon der Bruder, Georg Ratzinger, gegenüber mehreren Zeitungen erklärt, der bereits bei Benedikt in Castel Gandolfo war und eine schwere Erkrankung des emeritierten Papstes verneinte. Die wenigen Bilder, die es von Benedikt XVI. in seiner Zeit als emeritierter Papst gibt, zeigen allerdings, dass ihn das Alter zunehmend zeichnet – auch schwächer und kraftloser macht. Ein Wunder ist das nicht. Ansonsten wäre er ja nicht zurückgetreten.

    Historische Aufnahme: Papst Franziskus begrüßt seinen Vorgänger an dessen neuem Wohnsitz im Kloster „Mater Ecclesia“. Foto: dpa

    Rom (DT) Benedikt XVI. ist nicht schwer erkrankt. Vatikansprecher Federico Lombardi hat das erneut klargestellt, weil sich das Gerücht hält, der emeritierte Papst leide an einer Krankheit. Er sei eben, wie Lombardi formulierte, „ein alter Mann, der aufgrund seines Alters geschwächt ist, aber er hat keine Krankheit“. Gleiches hatte schon der Bruder, Georg Ratzinger, gegenüber mehreren Zeitungen erklärt, der bereits bei Benedikt in Castel Gandolfo war und eine schwere Erkrankung des emeritierten Papstes verneinte. Die wenigen Bilder, die es von Benedikt XVI. in seiner Zeit als emeritierter Papst gibt, zeigen allerdings, dass ihn das Alter zunehmend zeichnet – auch schwächer und kraftloser macht. Ein Wunder ist das nicht. Ansonsten wäre er ja nicht zurückgetreten.

    Mit einem kurzen Hubschrauberflug ist Benedikt XVI. am Donnerstagnachmittag in den Vatikan zurückgekehrt. Er wurde begleitet von Erzbischof Georg Gänswein, dem Privatsekretär und Präfekten des Päpstlichen Hauses. Eine Gruppe von Kardinälen und Bischöfen, angeführt von Angelo Sodano, dem Dekan des Kardinalskollegiums, begrüßte den emeritierten Papst auf dem Hubschrauberlandeplatz in den Vatikanischen Gärten. Dann ging es mit dem Auto zu dem umgebauten ehemaligen Kloster „Mater Ecclesia“, wo bereits Papst Franziskus wartete. Eine herzliche Begrüßung, ein gemeinsames Gebet in der Kapelle des Hauses. Dann schloss sich wieder die Tür hinter Benedikt, der sich öffentlich nicht mehr zeigen und äußern will.

    Ärgerlicher als die Gerüchte um den Gesundheitszustand des zurückgetretenen Papstes sind für Viele im Vatikan Äußerungen über den Pontifikatswechsel, die nicht gerade erleuchtet klangen. So hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, bei einer Predigt in der Autobahnkirche Baden-Baden erklärt: „Nun ist es wieder interessant, katholisch zu sein. Das haben wir Papst Franziskus zu verdanken.“ Für Zollitsch predige der neue Papst nicht nur „Einfachheit und Nähe zu den Menschen“, er lebe diese auch. „Sei es, dass er sich verhält wie ein ganz normaler Mensch und seine Rechnungen selbst bezahlt. Sei es, dass er die Gottesdienstbesucher wie ein Gemeindepfarrer in Amerika nach der Messe am Portal persönlich verabschiedet. Oder, dass er die Liturgie vom letzten Abendmahl Jesu am Gründonnerstag in einem Jugendgefängnis feiert.“

    Wie weggewischt scheinen für viele die fast acht Jahre mit Benedikt XVI. zu sein, dem deutschen Papst, der ebenso wie Franziskus mit vielen Gesten der Einfachheit und der Nähe zu den Menschen die Zuneigung der Gläubigen gewann. In England gelang es Benedikt mit seinem schlichten Auftreten, sogar das Herz einer ganzen – nicht-katholischen – Nation zu gewinnen, und das als Deutscher. Und wie vergessen scheint es zu sein, dass vor allem der Beginn des Pontifikats von Joseph Ratzinger davon gezeichnet war, dass man seine Äußerungen mit größtem Interesse verfolgte, aufmerksam den Ansprachen und Predigten lauschte, plötzlich die Bücher des deutschen Theologen und Kardinals kaufte und begann, sich wieder mit den Kernfragen des christlichen Glaubens zu befassen. Wenn ein Konferenzvorsitzender behauptet, dass es erst mit Papst Franziskus wieder interessant geworden sei, katholisch zu sein, widerspricht das für viele der Erfahrung unzähliger Menschen, denen die Texte und Bücher Joseph Ratzingers und die Verkündigung von Benedikt XVI. wieder einen Zugang zum Glauben verschafft haben.

    Eine zweite Behauptung sorgt für Ärger im Vatikan, nämlich die, der emeritierte Papst bewohne nun ein mit über 400 Quadratmetern Wohnfläche ausgestattetes ehemaliges Kloster und damit eine prächtige Villa in einem der schönsten Gärten der Welt. In Wirklichkeit stehen Benedikt XVI. im Gebäude „Mater Ecclesiae“ einige wenige und nicht sehr große Zimmer zur Verfügung sowie eine kleine Bibliothek. Denn auch die vier Frauen von der Gemeinschaft der Ehelosen von „Comunione e Liberazione“, den sogenannten „Memores Domini“, sind mit dem zurückgetretenen Papst in das ehemalige Kloster gezogen und wohnen dort. Birgit Wansing, die Schönstattschwester, die weiterhin als Sekretärin für ihn arbeitet, wohnt in einer römischen Niederlassung ihrer Gemeinschaft. Aber Erzbischof Gänswein, der auch noch die Funktion eines Privatsekretärs von Benedikt XVI. wahrnimmt, ist vorgestern mit in das ehemalige Kloster auf Vatikangebiet gezogen. Allerdings wird damit gerechnet, dass er demnächst die Wohnung seines Vorgängers im Amt des Präfekten des Päpstlichen Hauses im Apostolischen Palast bezieht, wenn diese endgültig renoviert ist.