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    Spanier gegen liberales Abtreibungsgesetz

    Madrid (DT/KAP/KNA) Die Mehrheit der Spanier übt Kritik am jüngst von der sozialistischen Regierung vorgelegten Abtreibungsgesetz. Widerstand regt sich vor allem an der Erlaubnis für Minderjährige ab 16 Jahren, ohne Zustimmung der Eltern abtreiben zu können. Gegen diese Regelung seien 64 Prozent der Befragten und auch eine Mehrheit, nämlich 56 Prozent, der sozialistischen Wähler, berichtete die Tageszeitung „El Pais“ am Montag. Ähnliche Ergebnisse zeigen andere Umfragen: Die Tageszeitung „ABC“ berichtete von einer Studie, derzufolge 61 Prozent der Spanier gegen die Änderung sind. Einer Umfrage der katalanischen Zeitung „La Vanguardia“ zufolge sind 71 Prozent aller Befragten gegen die Freigabe der Abtreibung für Minderjährige.

    Madrid (DT/KAP/KNA) Die Mehrheit der Spanier übt Kritik am jüngst von der sozialistischen Regierung vorgelegten Abtreibungsgesetz. Widerstand regt sich vor allem an der Erlaubnis für Minderjährige ab 16 Jahren, ohne Zustimmung der Eltern abtreiben zu können. Gegen diese Regelung seien 64 Prozent der Befragten und auch eine Mehrheit, nämlich 56 Prozent, der sozialistischen Wähler, berichtete die Tageszeitung „El Pais“ am Montag. Ähnliche Ergebnisse zeigen andere Umfragen: Die Tageszeitung „ABC“ berichtete von einer Studie, derzufolge 61 Prozent der Spanier gegen die Änderung sind. Einer Umfrage der katalanischen Zeitung „La Vanguardia“ zufolge sind 71 Prozent aller Befragten gegen die Freigabe der Abtreibung für Minderjährige.

    Mitte Mai hatte die spanische Regierung gegen den erbitterten Widerstand der katholischen Kirche und vieler Lebensschutz-Organisationen den Entwurf für ein freizügiges neues Abtreibungsgesetz verabschiedet. Demnach können Frauen ihr Kind ohne Angabe von Gründen straffrei und kostenlos bis zur 14. Schwangerschaftswoche abtreiben. Bei Missbildung des Fötus oder Gefährdung der Gesundheit der Mutter sind Abtreibungen bis zur 22. Schwangerschaftswoche erlaubt. Das Gesetz wird jetzt dem Parlament vorgelegt. Ministerpräsident Jose Rodriguez Zapatero ist offensichtlich überrascht von dem anhaltenden Widerstand gegen seine Vorstellungen. Er rechtfertigte den Entwurf des neuen Abtreibungsgesetzes mit der Feststellung, dass es ähnliche Regelungen in der Mehrzahl der 27 EU-Länder gebe. Für Zapatero ist vor allem die scharfe Kritik sozialistischer Spitzenpolitiker wie des Regionalpräsidenten von Kastilien, Jose Maria Barreda, oder des Parlamentspräsidenten Jose Bono peinlich. Bisher waren Abtreibungen in Spanien grundsätzlich verboten. Die seit 1985 geltende Regelung gestattete allerdings drei Ausnahmefälle: bei Vergewaltigung, bei Missbildung des Fötus sowie bei Gefährdung der physischen oder psychischen Gesundheit der Mutter. Auch ist das neue Abtreibungsgesetz zu einem der großen Wahlkampfthemen für die Europawahlen am Sonntag geworden. Nach dem Protest der Kirche und der ablehnenden Haltung eines Großteils der Bevölkerung hat die christdemokratische Volkspartei („Partido Popular“) die neuen Regelungen der Regierung als Thema für ihre Wahlkampagne entdeckt. PP-Spitzenkandidat Jaime Mayor Oreja stellte sich an die Seite der Kirche und verteidigte auch Kardinal Antonio Canizares, der mit einem Vergleich zwischen Abtreibung und Kindesmissbrauch jüngst für Schlagzeilen sorgte. Der frühere Erzbischof von Toledo und neue Präfekt der vatikanischen Liturgiekongregation hatte in der vergangenen Woche in einem Fernsehinterview erklärt, dass der Missbrauch von Kindern in Einrichtungen der katholischen Kirche in Irland nicht so gravierend wie die Abtreibung sei: „Was in einigen irischen Schulen geschehen sein mag, ist nicht zu vergleichen mit den Millionen Leben, die durch Schwangerschaftsabbrüche zerstört wurden“, sagte Kardinal Canizares. Der Missbrauch von Kindern sei aber „absolut zu verurteilen“, fügte der Kardinal hinzu.

    Spaniens sozialistische Gesundheitsministerin Trinidad Jimenez nannte es „völlig unangebracht und unverantwortlich“, den Missbrauch von Kindern mit der Abtreibung zu vergleichen. Gleichstellungsministerin Bibiana Aido warf den Christdemokraten vor, die Kirche in ihrer Position nur aus wahltaktischen Gründen zu unterstützten.