• aktualisiert:

    Sorgenkontinent Afrika

    Krisen und Kriege kennzeichnen den afrikanischen Kontinent auch am Ende des Jahres 2008. Nach den Angaben des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung (HIIK) stieg die Zahl der kriegerischen Auseinandersetzungen von neun im Jahr 2007 auf jetzt zwölf, darunter drei Kriege. „Vom Tschad über den Sudan, Äthiopien, Somalia, Kenia und in den Kongo erstreckt sich ein zusammenhängendes Krisengebiet, in dem verschiedene kriegerische Auseinandersetzungen und zahlreiche Krisen verhängnisvoll ineinandergreifen und sich wechselseitig verstärken“, so das Institut in seinem „Conflict Barometer 2008“. Zwei dieser Kriege werden schon seit 2006 beziehungsweise 2007 mit extremem Gewalteinsatz geführt, wie der Konflikt im sudanesischen Darfur oder in Somalia, so das Heidelberger Institut.

    Krisen und Kriege kennzeichnen den afrikanischen Kontinent auch am Ende des Jahres 2008. Nach den Angaben des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung (HIIK) stieg die Zahl der kriegerischen Auseinandersetzungen von neun im Jahr 2007 auf jetzt zwölf, darunter drei Kriege. „Vom Tschad über den Sudan, Äthiopien, Somalia, Kenia und in den Kongo erstreckt sich ein zusammenhängendes Krisengebiet, in dem verschiedene kriegerische Auseinandersetzungen und zahlreiche Krisen verhängnisvoll ineinandergreifen und sich wechselseitig verstärken“, so das Institut in seinem „Conflict Barometer 2008“. Zwei dieser Kriege werden schon seit 2006 beziehungsweise 2007 mit extremem Gewalteinsatz geführt, wie der Konflikt im sudanesischen Darfur oder in Somalia, so das Heidelberger Institut.

    Im Juni bereiste eine Delegation des Weltsicherheitsrates Afrika, um sieben von ihnen als „Hotspots“ ausgemachte Krisenherde zu analysieren und nach Möglichkeiten für Konfliktlösungen zu suchen. Zu den von den Diplomaten unter die Lupe genommenen Staaten gehörten Nigeria, der Tschad, der Sudan, Eritrea, Somalia, Kenia, die Demokratische Republik Kongo sowie Simbabwe. Jetzt, sechs Monate später, haben sich die Auseinandersetzungen in den genannten Ländern entweder verschärft oder sie kochen auf hoher Flamme weiter. Meist sind der Grund für Gewalt und Krieg Kämpfe um Macht oder Rohstoffe.

    Die internationale Gemeinschaft nimmt allerdings meist erst Notiz von gewalttätigen Auseinandersetzungen, wenn sie selbst bedroht wird: Beispiel Somalia. Die sich häufenden Überfälle von Piraten auf Handels- und zuletzt sogar auf Kreuzfahrtschiffe stellen eine ernste Gefährdung für den Welthandel dar. Somalia versinkt in Anarchie und Gewalt, weit über die Hälfte der Bevölkerung kommt ohne internationale Lebensmittelhilfe nicht aus. Das kleine Land am Horn von Afrika leidet seit Jahren unter innenpolitischer Instabilität, islamische Milizen kontrollieren im Süden große Teile des Landes und haben bereits mit der Einführung des islamischen Gesetzes, der Scharia, begonnen. Der Übergangsregierung in Mogadischu gelingt es nicht, die zugesagten Neuwahlen vorzubereiten. Zudem droht Äthiopien, das seit zwei Jahren diese Übergangsregierung stützt, mit dem Abzug seiner Truppen. Das dort ebenfalls ansässige Kontingent der Afrikanischen Union (AU) ist weder zahlenmäßig noch materialmäßig in der Lage, in die Bresche zu springen.

    Um zumindest die Piraterie besser zu bekämpfen, setzt sich neuestens auch die deutsche Marine ein. Für Heidemarie Wieczorek-Zeul stellt sich der Auftrag der Marine wie folgt dar: „Man wird die internationale Schifffahrt, und vor allem die Schiffe des Welternährungsprogramms, vor der Küste sichern können. Das ist wichtig. Das Allerwichtigste aber ist, dass der regionale Friedensprozess vorankommt und wieder eine handlungsfähige Regierung entsteht, damit Somalia die Chance zur Entwicklung erhält. Das ist ein langer Weg.“ Zur Lösung des Armutsproblems kann aber auch sie keine Maßnahmen anbieten. Zwar habe die Bundesregierung im Jahr 2007 und 2008 in Somalia für rund 18 Millionen Euro humanitäre Nothilfe geleistet. Aber eine Entwicklungszusammenarbeit könne „augenblicklich in diesem zerfallenen Staat nicht geleistet werden“, sagte Frau Wieczorek-Zeul im Rundfunk.

    Ähnlich dramatisch ist die Lage in der südsudanesischen Provinz Darfur. Seit dem Beginn der Rebellion gegen die Zentralregierung im Jahr 2003 kamen mehr als 300 000 Menschen ums Leben, knapp drei Millionen wurden vertrieben und zur Flucht gezwungen. Die Brutalität vor allem der arabisch geprägten Reitermilizen gegen die Zivilbevölkerung ist unvorstellbar, die dort tätigen internationalen Friedenstruppen sind völlig hilflos. Immer wieder schwappt der Konflikt auch in den benachbarten Tschad über, beide Regierungen beschuldigen sich gegenseitig, die jeweils im anderen Land tätigen Rebellenorganisationen zu unterstützen.

    Während der Konflikt in Darfur noch hin und wieder in die internationalen Medien gelangt, erregt die Auseinandersetzung zwischen Eritrea und Dschibuti in keiner Weise das Interesse der Weltgemeinschaft. Die dort seit Jahren schwelenden Grenzstreitigkeiten haben ihre Ursache im Kampf um den strategisch wichtigen Hafen, den zahlreiche internationale Schifffahrtslinien anlaufen. Gleichzeitig liegt das erst 1993 unabhängig gewordene Eritrea immer wieder im Streit mit dem mächtigen Nachbarn Äthiopien, wo gleichzeitig im Südosten des Landes eine akute Hungersnot herrscht. Eritrea selbst gehört zu den ärmsten Ländern Afrikas.

    In Westafrika gehört Nigeria nach wie vor zu den Krisengebieten. Hier stehen Kämpfe um Rohstoffe im Mittelpunkt. Im September rief die „Bewegung für die Emanzipation des Niger-Deltas“ (MEND) sogar einen „Ölkrieg“ aus. Im Zentrum der Kritik stehen dabei auch internationale Konzerne wie etwa Shell. Ihnen wird vorgeworfen, die korrupte Zentralregierung zu unterstützen, um ungehindert Öl fördern zu können. Die Menschen in den ölreichen Regionen des Landes leben jedoch in tiefster Armut. Zudem kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen, die etwa je circa 50 Prozent der Bevölkerung stellen. Im November kamen dabei in der Stadt Jos rund 400 Menschen ums Leben. Auslöser waren die dortigen Kommunalwahlen, die ersten seit dem Amtsantritt einer Zivilregierung in Nigeria im Jahr 1999.

    Von brutaler Gewalt sind auch die Kämpfe zwischen Regierungs- und Rebellentruppen im Kongo geprägt. Insbesondere leiden Frauen und Kinder; sowohl Hunger als auch Vergewaltigungen werden systematisch als Waffe eingesetzt. „Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt gehen im Ostkongo Hand in Hand mit dem Konflikt“, sagt etwa eine Sprecherin der Hilfsorganisation „World Vision“. Vor allem im Ostkongo herrscht seit mehr als einem Jahrzehnt Krieg, 250 000 Flüchtlinge werden derzeit von internationalen Hilfsorganisationen betreut. Auch sie stehen Überfällen auf Lager, bei denen es vielfach zu sexuellen Übergriffen auf Frauen kommt, meist hilflos gegenüber. Alle Vermittlungsversuche von AU oder UNO blieben bislang ohne Erfolg. Im Gegenteil, im November drohte Rebellengeneral Laurent Nkunda damit, den Konflikt auf das ganze Land auszuweiten.

    Nach wie vor beherrscht Simbabwe die Schlagzeilen der Weltpresse. Der diktatorisch regierende Staatspräsident Robert Mugabe ignoriert nicht nur Wahlergebnisse, den Sturz des Landes in das absolute Wirtschaftschaos und seine eigenen Versprechungen, er ist zudem fest davon überzeugt, dass er unangreifbar ist. Auf zunehmende Kritik bis hin zu Aufrufen zu seinem Sturz auch aus Afrika selbst reagierte der 84-Jährige vor wenigen Tagen mit den Worten: „Ich kenne kein afrikanisches Land, das tapfer genug ist, so etwas zu tun.“ Die Opposition reagierte mit der Aussetzung aller Gespräche zur Bildung einer Koalitionsregierung. Gleichzeitig grassiert die Cholera ungebremst weiter, weit über 1 000 Tote sind bislang zu beklagen, mehr als 20 000 Menschen sind infiziert. Die Inflation galoppiert, die neueste Banknote ist ein Zehn-Milliarden-Dollar-Schein.

    So wie in Simbabwe, der einstigen Kornkammer Afrikas, Hunger und Not immer weiter um sich greifen, nimmt auch in Afrika insgesamt die Ernährungskrise ständig an Dramatik zu, da viele internationale Hilfsprogramme unter der weltweiten Finanzkrise leiden. Gelder für soziale Programme werden knapp. UN-Mitarbeiter befürchten, dass die Entwicklungshilfe der reichen Länder für die armen Länder darunter leidet. „Ich appelliere an die Staaten, jetzt keinen Schritt zurückzugehen“, mahnte die Direktorin des Welternährungsprogramms, Josette Sheeran. „Für jene, die von weniger als einem Dollar am Tag leben und das meiste davon für Nahrung ausgeben, geht es ums Überleben“, fügte sie hinzu.

    Auch Papst Benedikt XVI. mahnt immer wieder zum Frieden in und zur Hilfe für Afrika. Im kommenden Frühjahr will er den Kontinent persönlich bereisen und dabei auch das Arbeitspapier für die nächste Bischofssynode über Afrika veröffentlichen. Stationen des Besuches sind nach Vatikan-Informationen Kamerun und Angola, wo 500 Jahre Evangelisierung gefeiert werden. Wenngleich weder die Kirche noch andere internationale Organisationen und Einrichtungen das Afrika-Problem lösen können, so bringt eine Papstreise dem schwarzen Kontinent jedoch zumindest internationale Aufmerksamkeit. Afrika darf nicht vergessen werden.

    Von Monika Prangemeier