• aktualisiert:

    Sommermärchen

    Märchen, Kunstform des augenzwinkernden Lügens, haben zwei Pointen. Sie beginnen mit „Es war einmal . . .“ und enden mit „Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute . . .“. Neuerdings macht der Sport aus allem und jedem ein Sommermärchen. Erst die letzte Fußball-Weltmeisterschaft, dann die kürzliche Europameisterschaft, und jetzt die kommenden Olympischen Spiele. Der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, hegt aktuell die Hoffnung auf ein „kleines Sommermärchen“ in Peking. Vielleicht verrät das mehr, als den Sommermärchenerzählern lieb ist.

    Märchen, Kunstform des augenzwinkernden Lügens, haben zwei Pointen. Sie beginnen mit „Es war einmal . . .“ und enden mit „Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute . . .“. Neuerdings macht der Sport aus allem und jedem ein Sommermärchen. Erst die letzte Fußball-Weltmeisterschaft, dann die kürzliche Europameisterschaft, und jetzt die kommenden Olympischen Spiele. Der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, hegt aktuell die Hoffnung auf ein „kleines Sommermärchen“ in Peking. Vielleicht verrät das mehr, als den Sommermärchenerzählern lieb ist.

    „Es war einmal . . .“ – nicht mehr das Kräftemessen der Jugend der Welt steht im Mittelpunkt, der Sport als Ausdruck des urmenschlichen, interessenlosen Spieltriebes. Der Sport ist vielmehr so kommerzialisiert wie nie in der Geschichte. Peking macht da keine Ausnahme. Zwar verweisen Sportfunktionäre pflichtschuldigst auf das leidige Thema Menschenrechte. Das tut auch Bach. Aber wichtiger ist ihm der Erfolg der Spiele. Denn Sport, wenn er telegene Helden gebiert, verkauft sich prächtig in aller Welt. Was sich wiederum für den IOC im wahrsten Sinne des Wortes auszahlt. Mit der globalen Ware Sport ist der chinesische Markt längst nicht gesättigt, glaubt auch die Industrie.

    „Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute . . .“ – wirklich? Gerade wurde ein Dopingfahrer bei der „Tour de France“ erwischt. Und auch Riccardo Ricco, der die Konkurrenz mit unglaublichen Spurts lähmt, steht unter Doping-Verdacht. Marco Pantani sei sein Vorbild, sagt Ricco. Bloßer Zufall, dass der Radstar 2004 an einem letzten Schuss Kokain starb? Nein. Sommermärchen hin oder her, ein Happy End schreibt der Profisport keines mehr. sei