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    So spannend wie Gurken im Glas

    Von Bernhard Huber

    Von Bernhard Huber

    Man muss sich heute schon gut überlegen, ob man einem Promi die Hand gibt. Man weiß schließlich nicht, ob diese Hand nicht in einem Dschungelcamp fürs Fernsehen eklige Sachen angefasst hat. Seit es das Wort „Sendeschluss“ nicht mehr, dafür aber das Privatfernsehen gibt, sind Camps aller Art richtig in Mode.

    Mit der Aussicht auf Berühmtheit begeben sich Menschen hoffnungsfroh in die Abgeschiedenheit von Containern oder in den Dschungel, wo sie sich von der TV-Kamera dabei beobachten lassen, wie sie tun, was sie tun. So zeigen sie für einige Zeit dem drögen Alltag des Lebens draußen eine lange Nase. Da allerdings einem wildfremden Menschen beim Schlafen zuzuschauen ungefähr so spannend ist wie eine in Essig eingelegte Gewürzgurke, müssen die Camper knifflige Aufgaben lösen.

    Dafür werden in der Dschungel-Soap allerhand Tiere eingesetzt, gerne solche, die sich kriechend oder krabbelnd fortbewegen. Obwohl deren appetitzügelnde Wirkung bekannt ist, müssen die Promis schon mal eines davon in den Mund nehmen. Das bringt in Verbindung mit einem angsterfüllten Gesichtsausdruck klasse vermarktbare Bilder für die begleitende Berichterstattung in diversen Zeitungen.

    Die Camp-Idee hat inzwischen auch die Politik erreicht. Beispielgebend ist wieder einmal Amerika mit seinen Boot-Camps. Hier lassen sich die minderjährigen Insassen, deren gutes Benehmen ansonsten von einer strikten Antihaltung in Schranken gehalten wird, auf den Pfad der Tugend zurückführen.

    Das Fachpersonal kann dabei auf ein Arsenal trefflicher pädagogischer Mittel – und auf eine dreiwöchige Ausbildung – zurückgreifen. Alles in allem zeigen diese Camps: Die Zivilisation hat dem Begriff der Menschenwürde eine neue Dimension hinzugefügt.