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    Signale nach Teheran

    Amerika wird Israel nicht an einer Militäraktion gegen den Iran hindern. Das stellte US-Vizepräsident Joe Biden am Sonntag in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC-News klar. „Israel hat das Recht, seinen eigenen Weg im Blick auf die Nuklearbedrohung durch den Iran festzulegen, ganz unabhängig davon, was die Obama-Administration tun wird.“ Als der Journalist nachhakte, unterstrich Biden: „Israel kann selbst bestimmen – es ist eine souveräne Nation – was in seinem Interesse ist und was es dem Iran und jedem anderen gegenüber tun will.“

    Amerika wird Israel nicht an einer Militäraktion gegen den Iran hindern. Das stellte US-Vizepräsident Joe Biden am Sonntag in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC-News klar. „Israel hat das Recht, seinen eigenen Weg im Blick auf die Nuklearbedrohung durch den Iran festzulegen, ganz unabhängig davon, was die Obama-Administration tun wird.“ Als der Journalist nachhakte, unterstrich Biden: „Israel kann selbst bestimmen – es ist eine souveräne Nation – was in seinem Interesse ist und was es dem Iran und jedem anderen gegenüber tun will.“

    Gerüchte über einen Militärschlag gegen den Iran kommen dabei weder aus Regierungskreisen in Jerusalem noch aus dem Verteidigungsministerium in Tel Aviv. Selbst der als rechtsradikaler Hardliner verschrieene israelische Außenminister Avigdor Lieberman hat wiederholt klar gemacht, dass sein Land nicht an einem Militärschlag gegen den Iran interessiert sei. Wenn israelische Politiker trotzdem betonen, man schließe keine Option aus, ist das als Aussage zu werten, die sie zu jeder Konfliktsituation machen und die jedem potenziellen Kriegsgegner gilt. In den vergangenen Wochen war auch verschiedentlich aus israelischen Regierungskreisen zu hören, dass Israel nicht die Interessen Amerikas zu vertreten habe, sondern seine eigenen.

    Insofern ist die Aussage des US-Vizepräsidenten weniger als „grünes Licht“ für die Regierung Netanjahu zum Angriff auf Iran. Biden hat in erster Linie den Machthabern in Teheran signalisiert, dass die versöhnlichen Töne, die seit dem Amtsantritt Obamas aus Washington zu hören sind, nicht missverstanden werden dürfen. Amerika will sich nicht mit einer schiitischen Atommacht abfinden – ganz gewiss nicht nach Verlauf, Ausgang und Nachwehen der iranischen Präsidentenwahlen im Juni.

    Andererseits fallen Bidens Bemerkungen zusammen mit eigenartigen Drohgebärden aus Israel und der sunnitisch-arabischen Welt. So behaupteten zwei Tage vor dem Biden-Interview Quellen aus dem israelischen Verteidigungsministerium, eines von drei israelischen U-Booten habe im Rahmen eines Manövers den Suezkanal ins Rote Meer und damit in den indischen Ozean passiert. Israel besitzt drei Dolphin-U-Boote, die in Deutschland gebaut wurden und in der Lage sein sollen, mit Atomsprengköpfen besetzte Marschflugkörper abschießen zu können. Natürlich dementierten die Ägypter umgehend, dass ein israelisches U-Boot den Kanal passiert haben könnte. Aber die Botschaft in Richtung Teheran war auf dem Weg.

    Und schließlich war da am Sonntagmorgen die Meldung der britischen „The Sunday Times“, Saudi Arabien habe signalisiert, man werde stillschweigend dulden, wenn israelische Kampfjets den Luftraum des Wüstenkönigreichs in Richtung Iran passierten. Mossad-Chef Meir Dagan soll sich laut der britischen Zeitung mit Vertretern der saudischen Regierung getroffen haben. Auch diese Meldung wurde umgehend dementiert – dieses Mal aus Jerusalem.

    Es ist kein Geheimnis, dass sunnitische Staaten wie Jordanien, Saudi Arabien oder Ägypten mehr von einer Atommacht Iran zu befürchten haben als Israel. Für die Sunniten ist nicht nur das selbstbewusste Erwachen der Schiiten ein Problem, sondern auch die Tatsache, dass der amerikanische Irak-Feldzug den Mullahs aus Teheran das Land Saddams praktisch auf dem Silberteller serviert hat. Sunniten und Schiiten verfluchen sich gegenseitig im Rahmen ihrer jeweiligen Freitagsliturgien. Und das Erwachen des sunnitischen Extremismus nach dem schiitischen Siegeszug kann schon bald zur Existenzbedrohung der westlich orientierten Diktatoren der arabischen Welt werden. JG