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    Schick beklagt Gottvergessenheit

    Würzburg (om) Mit einem Pontifikalgottesdienst ist gestern der 4. Internationale Kongress Treffpunkt Weltkirche des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ in Würzburg eröffnet worden.

    Auftakt mit der Bitte um Gottes Beistand: Gestern wurde der 4. Internationale Kongress Treffpunkt Weltkirche von „Kirche... Foto: Schweßinger/POW

    Würzburg (om) Mit einem Pontifikalgottesdienst ist gestern der 4. Internationale Kongress Treffpunkt Weltkirche des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ in Würzburg eröffnet worden.

    Ortsbischof Friedhelm Hofmann betonte in seiner Predigt im Würzburger Kiliansdom, dass es gut sei, dass sich der Blick auf eine Weltkirche weite, die sich in ihrer Vielfalt und mit ganz unterschiedlichen Problemen belastet als das eine Volk Gottes zeige, das von Jesus Christus gewollt, gegründet und durch die Zeit begleitet werde. Gerade im Hinblick auf den von den deutschen Bischöfen begonnenen Gesprächsprozess sei es wichtig, dass der Kongress den Spannungsbogen von der Auseinandersetzung mit der Politik über Fragen der Religionsfreiheit und der Verfolgung von Christen bis hin zur Neuevangelisierung schlage.

    Die Vorsitzende von „Kirche in Not“, Antonia Willemsen, sagte in ihrer Eröffnungsansprache, dass die seit 2004 veranstalteten Kongresse „Treffpunkt Weltkirche“ in der Tradition der Königsteiner Kongresse stünden, die zwischen 1952 und 1995 auf die Not der Kirche vor allem hinter dem Eisernen Vorhang aufmerksam gemacht hätten. Auch die Kongresse „Treffpunkt Weltkirche“ wollten eine „Stimme der Stimmlosen“ sein und sich den Nöten und den Freuden der Weltkirche widmen. „Außerdem wollen wir einen Beitrag leisten für eine notwendige Neuevangelisierung in den deutschsprachigen Ländern“, so Frau Willemsen. Sie freue sich daher, neben dem beliebten Kindertreffpunkt erstmalig auch einen integrierten Jugendkongress anbieten zu können. Frau Willemsen bemerkte zu der für die Kirche in Deutschland angesichts Missbrauchsfällen, Williamson-Affäre und Theologen-Memorandum so schwierigen Zeit, dass man bisweilen das Gefühl habe, als ginge ein Riss mitten durch die Kirche hindurch. Dabei gelte: „Jeder Dialog muss im Geist der Liebe geführt werden. Und er darf nicht ohne den Heiligen Vater in Rom geführt werden oder gegen ihn oder an ihm vorbei.“

    Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hielt als Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz das Eröffnungsreferat, das er unter das Kongressmotto „Lasst euch vom Geist entflammen (Röm 12,11) – Ein neues Pfingsten für die Kirche“ stellte. Die Kirche habe ein neues Pfingsten nötig, weil die Welt eines neuen Pfingsten bedürfe. Die Kirche als Anwältin einer menschenfreundlichen Globalisierung werde von Kräften bekämpft, die ihre eigenen Interessen gegen die Kirche und das Evangelium stellten. Schick machte auf die Not der Kirche in den Ländern der Bibel aufmerksam. Diese Länder zu verlieren bedeute einen großen Verlust für die Christenheit. Zudem erlebten wir eine schleichende Säkularisierung, die gesteuert sei von bestimmten Interessengruppen, Medien und Konzernen. Es gebe in der Kirche Weltbesessenheit und Gottvergessenheit. „In unserer deutschen Kirche haben wir zu wenig Weltkirche und zu viel ,Deutschtümlichkeit‘“, so Schick.

    Die Situation führe zu dem Urteil, dass wir den Heiligen Geist und ein neues Pfingsten bräuchten. Zwar tue der Heilige Geist das Entscheidende. Unsere Mitwirkung sei aber gefragt. Ausgehend vom Pfingstereignis, wie es die Apostelgeschichte berichtet, nannte der Erzbischof als Bedingung für ein neues Pfingsten 2011, dass Jesus Christus zum Ein und Alles jedes Christen, der Kirche und der Welt gemacht werde. Notwendig sei weiter Bekehrung. Selbstevangelisation sei unabdingbar für jede Evangelisation. Zudem baue ein neues Pfingsten neu die Gemeinschaft der Kirche auf. Diese Gemeinschaft entstehe aus dem Brechen des Brotes, weshalb die eucharistische Anbetung zunehmen müsse. Kennzeichen der Pfingstgemeinde sei es auch, an der Lehre der Apostel festzuhalten. Schick wörtlich: „Wir brauchen mehr eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.“ Schließlich bewirkten Evangelisation und Mission ein neues Pfingsten.

    Zu dem Kongress werden bis Sonntag 2 500 Besucher und 19 Kardinäle und Bischöfe aus vier Kontinenten erwartet.