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    Scharfe Kritik an Kommunikation der Kurie

    Rom/Paris/Berlin (DT/dpa/KNA) Der „Fall Williamson“ hat nach Ansicht von Vatikansprecher Federico Lombardi Defizite in der Kommunikation in der Kurie offengelegt. Zugleich nahm Lombardi in der katholischen französischen Tageszeitung „La Croix“ (Freitagsausgabe) Papst Benedikt XVI. in Schutz. Nach den Worten Lombardis muss innerhalb der Kurie noch eine „Kultur der Kommunikation“ geschaffen werden. Jede Abteilung kommuniziere eigenständig, ohne zwangsläufig an eine Zusammenarbeit mit der Presseabteilung des Vatikans zu denken.

    Rom/Paris/Berlin (DT/dpa/KNA) Der „Fall Williamson“ hat nach Ansicht von Vatikansprecher Federico Lombardi Defizite in der Kommunikation in der Kurie offengelegt. Zugleich nahm Lombardi in der katholischen französischen Tageszeitung „La Croix“ (Freitagsausgabe) Papst Benedikt XVI. in Schutz. Nach den Worten Lombardis muss innerhalb der Kurie noch eine „Kultur der Kommunikation“ geschaffen werden. Jede Abteilung kommuniziere eigenständig, ohne zwangsläufig an eine Zusammenarbeit mit der Presseabteilung des Vatikans zu denken.

    Wenn es bereits bei der Veröffentlichung des Dekrets die zusätzlichen Erklärungen des Staatssekretariats vom Mittwoch (4. Februar) gegeben hätte, wäre dem Vatikan viel erspart geblieben, meinte Lombardi. „Vor allem, wenn es sich um ,heiße' Themen handelt, ist es vorzuziehen, seine Erklärungen gut vorzubereiten. Aber es ist unmöglich, jede Schwierigkeit zu vermeiden“, sagte Lombardi. Ehrlich gesagt, sei es ein „heikler Punkt“, wer die Meinung Williamsons gekannt habe, meinte Lombardi. Papst Benedikt XVI. habe das nicht gewusst. Wenn es jemand gewusst habe, sei es der Präsident der zuständigen Päpstlichen Kommission, Kardinal Darío Castrillon Hoyos, gewesen. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, kritisierte scharf den mangelnden Informationsfluss im Vatikan. Bei der Aufhebung der Exkommunikation des Holocaust-Leugners Richard Williamson habe man „den Papst leichtfertig ins Messer laufen lassen“, sagte Zollitsch am Donnerstag im ZDF (siehe Seite 11). Unterdessen hat Bundeskanzlerin Merkel (CDU) die Klarstellung des Vatikan zum Traditionalistenbischof Williamson als wichtiges Zeichen begrüßt. „Ich glaube, dass die eindeutige Aufforderung des Vatikan ein wichtiges und auch ein gutes Signal ist“, sagte die Kanzlerin am Donnerstag in Berlin. Dies mache deutlich, dass eine Leugnung des Holocaust niemals ohne Folgen bleiben könne. Am Dienstag hatte Merkel den Papst zu einer Klarstellung aufgefordert. Daraufhin hatte die protestantische CDU-Vorsitzende Zustimmung, aber auch Widerspruch aus den eigenen Reihen erfahren. CDU-Politiker Norbert Blüm verwahrte sich gegen Zweifel an der moralischen Integrität des Papstes. „Es ist an der Zeit, die Kirche im Dorf zu lassen“, so Blüm gegenüber der „Leipziger Volkszeitung“ (Freitag). Man müsse in der Debatte klar sagen, dass Benedikt XVI. über jeden Antisemitismus-Verdacht erhaben sei. „Seine Position dazu hat er unmissverständlich mehrmals gesagt, wie oft soll er sie noch wiederholen?“ Scharf ins Gericht ging er mit dem jüdischen Publizisten Michel Friedman, der den Papst als Heuchler und Lügner bezeichnet hatte. „Das ist eine bodenlose Frechheit! Ich würde etwas vorsichtiger mit der moralischen Keule schwingen“, so Blüm. Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert verteidigte den Papst gegen harsche Kritik. „Vieles, was dem Papst jetzt unterstellt wird, ist beinahe bösartig, jedenfalls nicht redlich“, sagte Lammert dem „Hamburger Abendblatt“.

    Im Streit um die Traditionalistenbischöfe hat die Deutsche Bischofskonferenz den Zentralrat der Juden zu einem klärenden Gespräch eingeladen. Das berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (Freitag). „Die Diskussion der zurückliegenden Tage beweist, dass man sich der Gemeinsamkeiten und der Verbundenheit versichern sollte“, heißt es in einem Schreiben des Konferenz-Vorsitzenden Zollitsch an den Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer.