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    Respekt für alle Religionen

    Jakarta (DT/dpa/KNA) Mit einem Aufruf zu religiöser Toleranz und gegenseitigem Respekt ist der US-amerikanische Präsident Barack Obama in Indonesien erneut auf die muslimische Welt zugegangen. Er knüpfte am Mittwoch in Jakarta an seine berühmte Kairoer Rede vor 17 Monaten an, als er zu einem Neuanfang in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und muslimischen Ländern aufgerufen hatte.

    Das Ehepaar Barack und Michelle Obama mit Imam Ali Mustafa Yacub vor Südost-Asiens größter Moschee, der Istiqlal-Moschee... Foto: dpa

    Jakarta (DT/dpa/KNA) Mit einem Aufruf zu religiöser Toleranz und gegenseitigem Respekt ist der US-amerikanische Präsident Barack Obama in Indonesien erneut auf die muslimische Welt zugegangen. Er knüpfte am Mittwoch in Jakarta an seine berühmte Kairoer Rede vor 17 Monaten an, als er zu einem Neuanfang in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und muslimischen Ländern aufgerufen hatte.

    Als US-Präsident habe er es zur Priorität gemacht, das „gebrochene Verhältnis zwischen den USA und den muslimischen Gemeinschaften“ zu reparieren. Die USA führten keinen Krieg gegen den Islam, sondern gegen den Terrorismus, der den Islam missbrauche, betonte Obama in einer Rede in Jakarta, die indonesische Medien im Wortlaut veröffentlichten. El-Kaida habe „nicht das Recht, sich als Führer einer Religion darzustellen“, so der US-Präsident.

    „Ich habe klar gemacht, dass Amerika sich weder jetzt noch in der Zukunft auf Kriegsfuß mit dem Islam befindet“, so Obama, der als Kind vier Jahre in Jakarta gelebt hatte. Er beeindruckte die Zuhörer mit einigen Worten in akzentfreiem Indonesisch. „Wie damals sage ich heute, dass eine einzige Rede nicht Jahre des Misstrauens ausbügeln kann“, sagte Präsident Obama im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt vor rund 6 000 Studenten und Dozenten an der Universität von Indonesien. „Wir haben die Wahl: Wir können uns über unsere Differenzen definieren und uns einer Zukunft hingeben mit Argwohn und Misstrauen. Wir können aber auch beschließen, Gemeinsamkeiten zu finden und den Weg des Fortschritts einschlagen.“

    Obama, der am Mittwochmorgen mit seiner Frau Michelle die Istiqlal-Moschee, die größte Moschee Südost-Asiens, besucht hatte, mahnte die Indonesier, im Kampf gegen den Terrorismus nicht nachzulassen. „Unschuldige Menschen in den USA, in Indonesien und in anderen Ländern sind Zielscheibe brutaler Extremisten“, sagte er. „Wir müssen alle zusammen El-Kaida und deren Verbündete besiegen. (...) Die, die etwas aufbauen wollen, dürfen den Boden nicht Terroristen überlassen, die zerstören wollen. Dies ist nicht allein die Aufgabe der USA.“

    Das Publikum nahm die Rede mit höflichem Applaus auf. Begeisterung kam immer auf, wenn Obama kurz in Kindheitserinnerungen schwelgte und ein paar Sätze auf Indonesisch einstreute. Er hatte im Alter von sechs bis zehn Jahren mit seiner Mutter und dem indonesischen Stiefvater in Jakarta gewohnt, bevor er zur weiteren Schulausbildung zu den Großeltern nach Hawaii ging. Obama wörtlich: „Obwohl mein Stiefvater, wie die meisten Indonesier, Muslim war, war er fest davon überzeugt, dass alle Religionen Respekt verdienen.“ Auf diese Weise habe der Stiefvater den Geist der religiösen Toleranz reflektiert, der in der Verfassung Indonesiens festgeschrieben sei. Dieser Geist werde auch durch „eure Moscheen und Kirchen und Tempel“ symbolisiert, sagte Obama den Studenten.

    Obama lobte Indonesien als leuchtendes Beispiel für eine dynamische Demokratie mit religiöser Toleranz. Er stellte das Motto Indonesiens – „Eintracht in der Vielfalt“ – heraus. In Indonesien blühe der Islam, aber daneben auch andere Religionen. „Einheit ist stärker als Zwietracht, die Völker dieser Welt können in Frieden zusammenleben“, sagte Obama.

    Der amerikanische Präsident war auf seiner Asienreise von Indien kommend in Jakarta eingetroffen. Das Programm war kurz, und das Weiße Haus verlegte die Abfahrt noch um zwei Stunden vor, weil es Angst vor möglichen Flugverzögerungen durch Vulkanasche aus dem Merapi hatte. Der Präsident flog anschließend zum G-20-Gipfel nach Südkorea weiter.

    Indonesien ist das größte muslimisch geprägte Land der Welt. 88 Prozent der 240 Millionen Indonesier gehören dem Islam an, acht Prozent sind Christen. In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Anschlägen muslimischer Fundamentalisten gegen Christen und christliche Einrichtungen.

    Unterdessen sind im Irak neuerlich mehrere Christen durch Anschläge getötet worden. Am Mittwochvormittag gab es in Bagdad vor von Christen bewohnten Häusern mehrere Explosionen. Durch Mörserbeschuss und selbst gebaute Sprengsätze wurden drei Personen getötet und 26 weitere verletzt. Am Dienstagabend hatte es drei Anschläge ohne Verletzte gegeben.