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    Pro: Ist die Politik der CSU christlich?

    Verantwortung ist christlich. Von Thomas Goppel

    Sitzung des CSU-Vorstands
    _ Foto: Peter Kneffel (dpa)

    Es ist immer gut, wenn Dritte dazu zwingen, den eigenen Standpunkt von außen zu reflektieren. Ist das, was ein altgedienter Aktivist an der Politik christlich nennt, tatsächlich eine Einstellung besonderer Qualität? Steht das unverrückbar fest? Was sind dann verbindliche Werte des politischen Denkmodells? Werden die Protagonisten solchem Anspruch gerecht? Werden sie es noch, endlich oder wieder? Und: Wie dürfen sie sich voneinander unterscheiden? Haben die beiden C-Strickmuster Gemeinsamkeiten, die auch morgen ausreichen? Dominiert das D oder das S die öffentliche Wahrnehmung? Fragen über Fragen. Gibt es das, das zweidimensional Christliche oder Politik? Stimmt die schwesterliche Alltagspraxis? Eindeutig Nein! Christlich sein ist so vielschichtig wie die Zahl der Gläubigen, sogar der Getauften. In der Wahrnehmung für das politische Tagesgeschehen sind auch alle „die Anderen“ Teilhaber, weil „die Würde des Menschen“ unantastbar, also eine gleiche ist. Damit ist das christliche Menschenbild als gottesebenbildlich festgeschrieben: Wir sind dialogisch gedacht und erschaffen, einander zugewandt und verpflichtet. Unser Auftrag: Keiner darf „unter die Räder kommen“ oder „auf der Strecke bleiben“. Existenz auf Gegenseitigkeit: Ja! Mit den Bischöfen bin ich mir sicher: Das Christliche ist Denk- und Handlungsordnung überall! Damit ist die situationsgerechte Entwicklung des Lebensunterhaltes aller Menschen unser politischer Einsatzauftrag. Der Müllersche Marschallplan für Afrika greift diesen Gedanken auf, setzt ein Konzept heimatlicher Unterstützung um, verschafft ihm Vorrang vor der Fluchtabsicherung. Christen sind also – richtig im Einsatz – im subsidiären Sinn Lieferanten der Existenzgarantien für alle an ihrem Platz. Alle anderen Stützmaßnahmen sind dem gegenüber sekundär und zeitlich begrenzt. Das kanzlerschaftliche „Wir schaffen das“ aus 2015 fordert und fördert nicht auf Gegenseitigkeit, sondern verspricht eigenen Einsatz ohne Rücksicht auf das Leistungsvermögen, auch ohne den Betroffenen Mithilfe aufzuerlegen. Nach meiner Überzeugung ist das Teilchristlichkeit, die dazu führt, dass der unfreundliche Begriff vom Gutmenschen das Zeug zum Schlechtreden hilfsbereiter Aktionen hat. Politik kann sich Teilzugeständnisse nicht nur in einer Demokratie nicht leisten, wenn sie ernstgenommen sein und bleiben will. Kirchen tun sich da leichter. Sie akzeptieren Wanderungsbewegungen, die bei örtlichen Defiziten in der Versorgung und der Absicherung der Menschen entstehen, um sich je nach erahnten paradiesischen Verhältnissen anderswo dorthin aufmachen. Gerade an dieser Stelle, wenn das „Prinzip Hoffnung“ scheitert, kann und muss sich die christliche Bereitschaft zur Sicherung der Menschenwürde bewähren: Völkerwanderungen, allzu leichtfertig angeregt und versprochen, setzen mögliche Gastgeber unter Stress, wenn sie die Aufnahmefähigkeit dort überfordern. Da braucht es einen Plan wie den von Horst Seehofer, der Fortschritt und seine Dynamik für Märkte dort etabliert, wo die Voraussetzungen dafür geschaffen werden können. Heimatmärkte für Flüchtende und Asylbewerber, die den Neuanfang in ihrer Urheimat aussichtsreich machen. Da zu helfen sind die Europäer zuerst gefordert. Sie sind es als Nachbarn der Afrikaner und als Spätschuldner der Kolonisation im 18. Jahrhundert. Die „Gretchenfrage“ aller Christlichkeit stellt uns Schwarzen (Wertkonservativen) besonders gern die Presse. Darf die Asylfrage jeden Tag neu und in allen Ländern mit Aufnahmebereitschaft wieder gestellt werden? Ist es den Starthelfern in eine neue Zeit, den Europäern zuzumuten, dass sie sich selbst überfordern und jede Menge Bürokratie ansiedeln, um in der Asylthematik „die Spreu vom Weizen“ zu trennen? Müssen wir in Deutschland nicht endlich wieder die Einhaltung unserer gemeinsamen Dublin-Vereinbarung praktizieren? Ist es ein Wunder, dass unsere 26 Partner ob unserer Großzügigkeit zu ihren Lasten die Augen rollen? Die drei Grundforderungen der Christlichkeit werden alle, die sich ihnen verpflichtet fühlen, unterschiedlich listen. Für mich sind es unsere Vorgehensweisen, die uns ein gutes Gespür für das richtige Verhalten in zugegeben schwieriger Lage verschaffen: Barmherzigkeit und Demut einerseits, konsequente Anwendung vereinbarter Maßstäbe durch alle in Europa andererseits. Da darf sich Deutschland nicht weiter drücken!

    Der Autor ist Vorsitzender der ChristSozialen Katholiken.

     

    Hintergrund: Debatte um das C-Profil

    Eigentlich müsste doch der Name Programm sein. Und wer in die Geschichte Bayerns schaut, der wird tatsächlich feststellen: Katholische Kirche und CSU waren eigentlich immer Verbündete, wenn es darum ging kirchliche Positionen in der Politik durchzusetzen. Man schaue nur gut 20 Jahre zurück: Beim damals erfolgten sogenannten „Kruzifix-Urteil“ führten der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber und der damalige Erzbischof von München, Kardinal Friedrich Wetter, gemeinsam die Proteste gegen den Gerichtsspruch an.

    Aber heute? In der Flüchtlingspolitik zeigt sich schon seit längerer Zeit ein Gegensatz zwischen dem politischen Ansatz, den die CSU vertritt, und den Positionen, wie sie von vielen führenden Vertretern der Kirche, darunter viele Bischöfe, geäußert werden. Und dann schließlich der sogenannte „Kreuz-Erlass“: Die Entscheidung von Ministerpräsident Markus Söder, in den öffentlichen Einrichtungen ein Kreuz aufzuhängen, rief wiederum vor allem Widerspruch aus der Kirche hervor. Sogar vom Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx. Hier lautete das Argument seitens der kirchlichen Kritiker: Die Partei versuche das Christentum zu instrumentalisieren, um die bayerische Landtagswahl zu gewinnen.

    Wir fragen daher nun grundsätzlicher: Wie christlich ist die Politik der CSU? Thomas Goppel, früherer CSU-Generalsekretär und langjähriger bayerischer Wissenschaftsminister, zeigt als Vorsitzender der ChristSozialen Katholiken in der CSU, wie die Partei seiner Ansicht nach eine Politik aus christlicher Verantwortung betreibt. Jesuitenpater Jörg Alt, der zu den Mitinitiatoren eines offenen Briefes gehört, der das mangelnde christlich-soziale Profil der CSU beklagt, führt seine Kritikpunkte auf. Er sieht vor allem in der Flüchtlings- und Sozialpolitik Ansätze, die christlich-sozialen Grundsätzen nicht entsprechen würden.

    Von thomas goppel

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