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    Pressestimmen

    Am Holocaust-Gedenktag müssen wir den Mut haben, uns nicht auf reine Feierstunden zu beschränken und unsere Gedanken darauf auszurichten, in welcher Form der Rauch von Auschwitz noch immer durch unsere Geschichte, unsere Städte, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen zieht. Die Abscheu gegenüber den Verbrechen der Nationalsozialisten muss dazu dienen, uns immer mehr zu befreien von Gewalt gegen Kinder, gegen Frauen, gegen Flüchtlinge, gegen all jene, die zu schwach sind, die eigene Stimme zu erheben. Der Holocaust-Gedenktag möge uns helfen, die Augen immer mehr zu öffnen gegenüber den neuen Formen des Schreckens. Vielleicht gibt es so eine wahre Möglichkeit, jene zu ehren, die den Schrecken bis hin zum Opfer des eigenen Lebens erleiden mussten.

    Am Holocaust-Gedenktag müssen wir den Mut haben, uns nicht auf reine Feierstunden zu beschränken und unsere Gedanken darauf auszurichten, in welcher Form der Rauch von Auschwitz noch immer durch unsere Geschichte, unsere Städte, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen zieht. Die Abscheu gegenüber den Verbrechen der Nationalsozialisten muss dazu dienen, uns immer mehr zu befreien von Gewalt gegen Kinder, gegen Frauen, gegen Flüchtlinge, gegen all jene, die zu schwach sind, die eigene Stimme zu erheben. Der Holocaust-Gedenktag möge uns helfen, die Augen immer mehr zu öffnen gegenüber den neuen Formen des Schreckens. Vielleicht gibt es so eine wahre Möglichkeit, jene zu ehren, die den Schrecken bis hin zum Opfer des eigenen Lebens erleiden mussten.

    Bischof Pierre Claverie pflegte zu sagen, dass es die Berufung der Christen ist, an den Bruchstellen präsent zu sein, die die Menschheit durchziehen. Niemand würde sich wohl mit dem Bischof von Oran und den anderen Ordensleuten vergleichen wollen, die die katholische Kirche am vergangenen Samstag als Märtyrer anerkannt hat, weil sie ihrer Sendung treu geblieben sind in einem Algerien, das von Gewalt erschüttert war. Aber jeder Christ kann und muss dort, wo er sich befindet, den Mut haben, seine Überzeugungen zu verteidigen, indem er auf jene zugeht, die anders denken, um in eine Diskussion, in ein Gespräch mit ihnen einzutreten. Die bioethischen Fragen, die in Frankreich in diesem Jahr auf den Tisch kommen, stellen eine solche Bruchstelle dar. Gewiss sind sie weniger tragisch als der Bürgerkrieg und die islamistische Gewalt, die Algerien ertragen musste, aber sie haben letztlich schwerwiegende Folgen für die Menschheit. Die Erweiterung der medizinisch assistierten Fortpflanzung, vor allem die Leihmutterschaft, stellen weitere Schritte auf dem Weg der Technisierung und Finanzialisierung der Empfängnis dar. Die Fortpflanzung droht immer mehr zur Produktion zu werden. Es ist daher sehr wichtig, dass sich die Christen wenigstens in Zukunft an den Debatten beteiligen.

    Katholiken sind Bürger zweier Staaten, aber mit einer klaren Hierarchie der Loyalität. Die Gesellschaft der Kirche stellt durch ihre eigenen Gesetze echte Forderungen auf, wie Katholiken handeln und die Welt betrachten sollen. Zu unseren Prioritäten wird immer die absolute Achtung des menschlichen Lebens, die Anerkennung der Eltern als erste Erzieher und Hüter ihrer Kinder und die Verpflichtung zur Fürsorge für die Armen gehören. Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, diese Prioritäten in den staatlichen Bereich zu tragen – nicht als Eroberer, sondern als Zeugen für etwas Besseres. Wie wir das tun, hängt von unserem Umfeld ab. Für einen Christen im Irak könnte es bedeuten, sich der Gefahr des Martyriums auszusetzen. Für uns im Westen bedeutet es, uns in der Wahlkabine, vor Gericht und – wenn nötig – auf der Straße uns der steigenden säkularen und progressiven Flut entgegenzustellen, und zwar nicht mit dem Ziel, die Sichtweise der Kirche anderen aufzuzwingen, sondern ihre Freiheit und die ihrer Glieder zu schützen. Diese Freiheit ist wesentlich für die Verkündigung, dass über allen zivilen und kirchlichen Gesetzen und Regierungen das natürliche und göttliche Gesetz steht, das die Menschheit befreien und nicht beherrschen will, und das seine erste, letzte und beste Hoffnung auf den Frieden ist. Der gegenwärtige Zusammenbruch des klassischen Liberalismus verlangt eine Antwort. Die Katholiken müssen – auf persönlicher und intellektueller Ebene – Kraft aus der Kirche ziehen und darauf bestehen, dass unser staatliches Leben die Freiheit und die Würde widerspiegeln muss, die das angeborene Recht aller Menschen ist. Wie wir das tun, darüber muss dringend diskutiert werden.

    Der Theologe muss ein Gläubiger sein. Er muss an das glauben, was er studiert und lehrt. Er muss das Subjekt seiner Studien anbeten, und das Subjekt ist Christus Jesus. Und er muss dies in der Kirche tun. Sonst ist es nur Religionswissenschaft (...). Unser Glaube ist der Glaube an Christus. (...) Theologie muss in der Kirche und durch, mit und in Christus betrieben werden.

    Rauch von Auschwitz überall erkennen

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