• aktualisiert:

    Presse: Weichen nicht energisch genug gestellt

    Zur Atomkatastrophe von Tschernobyl und den Folgen schreiben die „Salzburger Nachrichten“:

    Zur Atomkatastrophe von Tschernobyl und den Folgen schreiben die „Salzburger Nachrichten“:

    Wenn Kritiker behaupten, die Atomkraft sei keine Brücken-, sondern eine Blockiertechnologie, dann steckt in solchen Argumenten viel Wahrheit. Gleichzeitig mit der Verlängerung der Laufzeiten für alte AKW schränkte man in Deutschland die Förderung und Entwicklung erneuerbarer Energieträger wieder ein. (...) Wären nach Tschernobyl bereits die Weichen für erneuerbare Energien energischer gestellt worden, wären wir heute viel weiter. Und die Frage, ob wir ohne AKW auskommen oder nicht, wäre viel weniger brisant.

    Gefahr für die ganze Arabische Halbinsel

    Die Lage im Jemen kommentiert die britische Zeitung „The Times“ am Dienstag:

    Die Außenwelt hat dem Jemen bislang weniger Aufmerksamkeit geschenkt als den Revolutionsbewegungen in Ägypten, Libyen und jetzt Syrien. Das verarmte Land am Rande der Arabischen Halbinsel hat weniger strategisch wichtige Ressourcen; es hat den niedrigsten Lebensstandard in der arabischen Welt und ist seit langem durch Stammesrivalitäten, politischen Zank und Korruption zerrissen. Aber für die Nachbarn des Jemens und auch für den Westen ist die Instabilität mindestens genauso bedrohlich wie die Unruhen in Nordafrika. Der Jemen liegt an einer strategisch wichtigen Seestraße, durch die täglich drei Millionen Barrel Öl gebracht werden. Al-Kaida hat sich im Land verschanzt, bietet islamistischen Extremisten wie Anwar al-Awlaki Unterschlupf und plant Operationen, um die Arabische Halbinsel zu destabilisieren.

    Italien tritt in Libyenkrieg ein

    Der Mailänder „Corriere della Sera“ meint zur Entscheidung der italienischen Regierung, sich an Luftangriffen der NATO in Libyen zu beteiligen:

    Der Chef der libyschen Übergangsregierung, Mustafa Abdul Dschalil, hatte bereits beim Treffen mit (Ministerpräsident Silvio) Berlusconi in Rom erklärt, dass es eines größeren militärischen Einsatzes bedürfe, wenn man sich des Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi entledigen wollte, ohne das Land zu spalten. Mit der Entscheidung von gestern, sich an NATO-Luftangriffen in Libyen zu beteiligen, hat Italien eine widersprüchliche und zweideutige Position korrigiert, die Rom zwischen der respektablen deutschen Linie des eindeutigen „Neins“ zu einem libyschen Einsatz und der ebenso respektablen, entgegengesetzten Haltung Frankreichs und Großbritanniens hatte verharren lassen.

    Europa als Sündenbock

    Die Turiner Tageszeitung „La Stampa“ schreibt zum französisch-italienischen Gipfel zur Flüchtlingskrise:

    Zwei führende Politiker in einer Konsens- und Identitätskrise treffen sich in Rom. Es geht darum, so zu tun, als könne man gemeinsam ein Abkommen finden, welches in Wirklichkeit unmöglich ist. Und darum, jemanden zum Sündenbock zu stempeln, um das Unwohlsein der öffentlichen Meinung im jeweiligen Land zu beruhigen. Letzterer wird Europa heißen.