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    Presse: Luxusverbot für den Diktator

    Die Tageszeitung „Washington Post“ kommentiert das Verbot des Exports von Luxusgütern nach Syrien durch die EU:

    Die Tageszeitung „Washington Post“ kommentiert das Verbot des Exports von Luxusgütern nach Syrien durch die EU:

    Die Europäer haben mit Unterstützung der Regierung Obama ein Exportverbot von Luxusgütern nach Syrien verhängt – aber dort wird weiter gemordet. Die New York Times verkündete das Exportverbot so feierlich wie eine Seeblockade: ein gutes Beispiel dafür, dass wir in einer Traumwelt leben. In dem Traum setzt sich ein böser Diktator, der um sein Leben und das seiner Familie kämpft, endlich an den Verhandlungstisch, weil ihm die Montblanc-Füller ausgehen. Natürlich wurden auch konkretere Boykottmaßnahmen ergriffen, aber über Saddam Husseins Regime wurde zwölf Jahre lang Boykotte verhängt – und dennoch bedurfte es einer Invasion, um ihn zu stürzen.

    Staat ist nicht himmlisches Jerusalem

    Die Pariser Wochenzeitung „France Catholique“ schreibt anlässlich der Präsidentschaftswahlen im Land:

    Die Kirche lässt den Gläubigen die Verantwortung für ihre Entscheidungen und ermutigt sie zur Teilnahme am zivilen Leben. Es besteht eine unüberbrückbare Distanz zwischen Glauben und Zivilisation. Wollte man sie überwinden, dann erläge man dem, was Kierkegaard als „schreckliche Täuschung“ bezeichnete: die Hinwegnahme der Transzendenz des Gottesereignisses, auf das die Kirche durch politische Entscheidungen verweist. Der irdische Staat ist nicht das himmlische Jerusalem. Es besteht immer eine Spannung; daraus erwächst die Achtung vor den nicht verhandelbaren Prinzipien, die das göttliche Gesetz offenbart. Das christliche Gewissen muss sich im Wahlkampf für das Bestmögliche entscheiden, trotz aller Unvollkommenheit unserer Situation in einer vergänglichen Welt.

    Das katholische „Ja“ des „Doctor No“

    Die US-Wochenzeitung „National Catholic Reporter“ lobt den positiven Ansatz der Theologie Benedikts XVI.:

    Kardinal Ratzinger, ein Vierteljahrhundert lang der große „Doctor No“ der katholischen Kirche als Zar des vatikanischen Lehramts, hat sich als Papst der „bejahenden Rechtgläubigkeit“ entpuppt. Seine kirchliche Lehre betont das katholische „Ja“: das, was der Katholizismus unterstützt und bejaht und nicht so sehr das, was er ablehnt und verurteilt. Benedikts Rhetorik – auf Reisen und in Rom – ist selten „hart“. Meist ist sie freundlich und von Grund auf positiv. Sie wurzelt mehr in christlichen Kernprinzipien als im Tagesgeschehen.

    Verdrossenheit ist Schuld der Politiker

    Die Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ ruft die Politiker auf, sich ihren Aufgaben zu stellen:

    Politikverdrossenheit ist ein Symptom und keine Krankheit: Sie schwillt an, wenn Politiker nicht in der Lage sind, überzeugende Antworten zu geben. Werden überzeugende Antworten gegeben – zu Parteienfinanzierung, Verwaltungskosten, Reformen, Schuldenreduzierung, Steuern, Abbau der Bürokratie, Funktionieren des öffentlichen Dienstes –, dann zieht sich die Politikverdrossenheit in jene dunklen Winkel zurück, in denen sie normalerweise haust.