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    Presse: Kampf der Wahrnehmungen

    Die Pariser Tageszeitung „La Croix“ kommentiert die Ereignisse in Norwegen:

    Die Pariser Tageszeitung „La Croix“ kommentiert die Ereignisse in Norwegen:

    Bei den Ereignissen von Oslo geht es nicht um einen „Kampf der Kulturen“, sondern um einen „Kampf der Wahrnehmungen“. Menschen wie Anders Breivik haben eine persönliche Wahrnehmung ihrer Umwelt, die nichts mit der Realität zu tun hat. Neu ist der Gebrauch sozialer Netzwerke in Verbindung mit der Instrumentalisierung der Religion für einen ideologischen Kampf. Die europäischen Verfassungsschützer verfolgen diese Bewegungen seit einiger Zeit, richten aber ihr Augenmerk vor allem auf den islamistischen Terrorismus.

    Klischees fördern Gewalt und Extremismus

    In Mailand fordert die Tageszeitung „Avvenire“ , Klischees durch echte Antworten zu ersetzen:

    Die islamische Piste schien aufgrund der Bilder von Oslo, der spärlichen Informationen über das Massaker in Utoya, der Drohungen und verhinderten Attentate zunächst naheliegend. Das Massaker sollte unser Bewusstsein dafür stärken, dass Klischees uns der Wahrheit nicht näherbringen. Wir dürfen – sei es aus Angst, Opportunismus oder politischem Kalkül – jedoch nicht übersehen, dass das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kultur in unserer Gesellschaft eine Herausforderung ist, die echte Antworten verlangt. Je länger wir zögern, uns ihr mutig und offen zu stellen, desto mehr Anhänger werden Gewalt und Extremismus gewinnen.

    Götze Nationalismus

    Die jesuitische Wochenzeitung „America Magazine“ mahnt US-Katholiken, die katholische Soziallehre stärker zu beachten:

    Einige Katholiken machen den Nationalismus zum Götzen: Sie betonen persönliche Verantwortung und werten staatliche Pflichten ab. Ihr „Amerikanismus“ besagt, dass persönliche Nächstenliebe ein angemessener Ersatz für soziale Gerechtigkeit sei; die Bedeutung der Subsidiarität wird fast bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Anders als sein Vorgänger hat Papst Benedikt XVI. diese moderne Variante des Amerikanismus nicht direkt angesprochen, aber er verlangt eine bessere Unterweisung der Laien in der katholischen Soziallehre und verweist sie auf ihre Verantwortung, die soziale Gerechtigkeit der Kirche in den öffentlichen Diskurs einzubringen.

    Suchtkrankheit nicht romantisieren

    Die Tageszeitung „The Guardian“ (London) zum Tod der Sängerin Amy Winehouse:

    Amy Winehouse ist mit 27 Jahren gestorben – wie so viele, deren Tod rückblickend romantisiert wurde. Eine schöne, talentierte Frau ist der Sucht zum Opfer gefallen. Nicht alle Suchtkranken haben Amys Talent. Viele von ihnen kennen nur Leid. Ihr Zustand ist kein Verbrechen und keine romantische Neigung, sondern eine tödliche Krankheit. Wir müssen dafür sorgen, dass Drogenabhängige in der Gesellschaft nicht als Kriminelle behandelt werden, sondern als Kranke. Ihre Rehabilitation muss staatlich unterstützt werden. Nicht jeder von uns kennt ein Talent wie Amy, aber wir alle kennen Trinker und Fixer. Sie brauchen Hilfe, und es gibt diese Hilfe.