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    Bonn / Würzburg

    Politologe: Union ähnlich wie ÖVP reformierbar

    Den jüngsten Wahlerfolg von Sebastian Kurz in Österreich sieht der Politikwissenschaftler Tilman Mayer in dessen aufgeklärtem Konservatismus begründet. In Deutschland müsse man eine ähnliche Persönlichkeit noch finden.

    Was deutsche Politiker von Sebastian Kurz lernen können
    Den jüngsten Wahlerfolg der ÖVP, habe Sebastian Kurz seinem aufgeklärten Politikstil zu verdanken, meint der Politologe ... Foto: Helmut Fohringer (APA)

    Der Politikwissenschaftler Tilman Mayer sieht in Sebastian Kurz einen modernen Konservativen. Den jüngsten Wahlerfolg seiner Partei, der ÖVP, habe er seinem aufgeklärten Politikstil zu verdanken. Kurz habe das Bild vom „altbackenen“ Konservativen verändert. „Die Art und Weise, wie er sich öffentlich in Szene setzt, wirkt nicht aufgesetzt“, meint der Politik-Professor, der seit 2001 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Unversität Bonn lehrt, im Gespräch mit der „Tagespost“.

    ÖVP als "seriöse Alternative" zur FPÖ

    Allerdings müsse man auch die besondere Situation in Österreich betrachten, so Mayer. „Die FPÖ befand sich auf einer unglaublichen Erfolgsspur, sie war drauf und dran, den Kanzler zu stellen.“ Durch seine klare Position in der Flüchtlingspolitik habe Kurz der FPÖ jedoch die Themen abgenommen. „Seine Botschaft war: Es gibt eine Alternative zur bisherigen Politik in Migrationsfragen.“ Anders als die FPÖ habe Kurz seine Partei aber als die „seriöse Alternative“ präsentiert.

    In Deutschland würden viele Politiker der CDU und CSU Kurz gerne nacheifern. Auf die Frage, ob sich das „Erfolgsmodell Kurz“ auch auf die deutsche Politik anwenden ließe, meint Mayer, er glaube grundsätzlich schon, „dass die Union ähnlich wie die ÖVP reformierbar wäre. Es müsste eben nur die richtige Persönlichkeit diese Aufgabe in Angriff nehmen“. Friedrich Merz sei nicht jung genug, und zudem „lange raus aus dem politischen Geschäft“. Gesundheitsminister Jens Spahn wiederum hält der 1953 geborene Politologe für „ein bisschen zu jung“.

    Delegierte sollten Kanzlerkandidaten der Union bestimmen

    Den Vorstoß der „Jungen Union“, den Kanzlerkandidaten der Union in einer Urwahl zu bestimmen, sieht Mayer kritisch. „Wenn die Junge Union damit auf eine Mehrheit für Merz setzt, wäre das ein machtpolitisches Spiel.“ Ob dies aufgehe, bleibe die Frage. Grundsätzlich sollte in einer Volkspartei so viel Vertrauen bestehen, dass die Delegierten entscheiden dürfen.

    DT/mlu

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