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    Politiker fordern Kircheneinheit

    Berlin/Bonn (DT/KNA) Eine Initiative prominenter Katholiken und Protestanten aus Politik und Gesellschaft hat einen Aufruf „zur Überwindung der Kirchentrennung“ veröffentlicht. „Als Christen im Land der Reformation stehen wir in der besonderen Verantwortung, Zeichen zu setzen und dazu beizutragen, den gemeinsamen Glauben auch in einer gemeinsamen Kirche zu leben“, heißt es in dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten zweiseitigen Text. In ihrem Aufruf „Ökumene Jetzt – ein Gott, ein Glaube, eine Kirche“, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, betonen die Verfasser, dass die Christen in Deutschland nicht abwarten sollten, bis die Kirchenleitungen eine theologische Einigung über die wichtigsten Streitfragen erzielt hätten.

    Bundestagspräsident Norbert Lammert (Bild mitte) gehört zu den Initiatoren des Aufrufs „Ökumene jetzt“. Am Mittwoch wurd... Foto: dpa

    Berlin/Bonn (DT/KNA) Eine Initiative prominenter Katholiken und Protestanten aus Politik und Gesellschaft hat einen Aufruf „zur Überwindung der Kirchentrennung“ veröffentlicht. „Als Christen im Land der Reformation stehen wir in der besonderen Verantwortung, Zeichen zu setzen und dazu beizutragen, den gemeinsamen Glauben auch in einer gemeinsamen Kirche zu leben“, heißt es in dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten zweiseitigen Text. In ihrem Aufruf „Ökumene Jetzt – ein Gott, ein Glaube, eine Kirche“, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, betonen die Verfasser, dass die Christen in Deutschland nicht abwarten sollten, bis die Kirchenleitungen eine theologische Einigung über die wichtigsten Streitfragen erzielt hätten.

    Die Unterzeichner, darunter Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse und Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, wollten „nicht Versöhnung bei Fortbestehen der Trennung, sondern gelebte Einheit im Bewusstsein historisch gewachsener Vielfalt“. Bei der Initiative handele es sich nicht um einen Verein oder eine Organisation, erläuterte Lammert. Es sei eine „Initiative deutscher Protestanten und Katholiken, die sich auch und gerade an die jeweiligen Kirchenoberen richtet“, so der CDU-Politiker.

    Alle Christen hätten die Möglichkeit, sich persönlich durch Unterschrift diesem Aufruf anzuschließen oder sich an einem eigens eingerichteten Diskussionsforum im Internet zu beteiligen. Die Unterzeichner verbinde die zentrale Überzeugung, dass die historisch gewachsenen konfessionellen Unterschiede eine weitere Aufrechterhaltung der Trennung der Christenheit nicht mehr rechtfertigten.

    Der SPD-Politiker Thierse bezeichnete den Aufruf als „Ausdruck unserer Ungeduld“. Man habe sich ausdrücklich gegen die Aufnahme konkreter Forderungen in den Appell entschieden. Vielmehr solle damit eine breite Debatte eröffnet werden, in deren Verlauf Konkreteres entwickelt werden solle. Mehrere Unterstützer verwiesen auf die Probleme in konfessionsverschiedenen Ehen, etwa beim Zugang zur Eucharistie. Von Weizsäcker betonte, Ökumene sei nicht nur eine Sache von „Amtspersonen, die nicht recht vom Fleck kommen“. Der Freiburger Sozialphilosoph Hans Joas räumte ein, man könne in der Ökumene „nicht beliebige Sprünge machen“. Es gehe um eine „Einheit im Bewusstsein der Vielheit“ und nicht darum, „plötzlich Gemeinsamkeiten zu erzwingen“.

    In dem Aufruf der Politiker heißt es unter anderem: „Heute ist die Kirchenspaltung politisch weder gewollt noch begründet. Reichen theologische Gründe, institutionelle Gewohnheiten, kirchliche und kulturelle Traditionen aus, um die Kirchenspaltung fortzusetzen? Das glauben wir nicht.“

    Die Unterzeichner der Erklärung räumen ein, dass es unterschiedliche Positionen im Verständnis von Abendmahl, Amt und Kirche gäbe. „Entscheidend sei jedoch, dass diese Unterschiede die Aufrechterhaltung der Trennung nicht rechtfertigen.“

    Zu den 23 Erstunterzeichnern der Erklärung gehören auch die Bundesminister Thomas de Maiziere und Annette Schavan (beide CDU), der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier, die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, der ehemalige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Maier, der Präsident und der Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbunds, Thomas Bach und Michael Vesper, der Schriftsteller Arnold Stadler, der Bildhauer Günther Uecker und der Fernsehjournalist Günther Jauch.

    In einer Stellungnahme auf die Ökumene-Initiative nannte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, den ökumenischen Dialog unverzichtbar. Die Bischöfe seien dankbar und unterstützten es, „wenn Christen und wenn die Gemeinden vor Ort lebendige ökumenische Beziehungen unterhalten, die ohne Zweifel eine große geistliche Fruchtbarkeit entfalten können.“ Eine Überwindung der Kirchenspaltung sei aber nicht ohne eine solide theologische Verständigung möglich. Zollitsch wörtlich. „Wenn die Einigung nicht auf Sand gebaut sein soll, muss das praktische Bemühen im Konkreten einhergehen mit der theologischen Vergewisserung im Grundsätzlichen.“ Der Freiburger Erzbischof betonte, für die Deutsche Bischofskonferenz werde das Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils Anlass sein, seine Dokumente erneut zu lesen und für heute lebendig zu machen. Dazu werde auch das Bemühen im Bereich der Ökumene gehören.

    Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßt den Aufruf „Ökumene jetzt“. Die Aktion sei ein Beleg dafür, dass die Ökumene sichtbare Zeichen des Fortschritts brauche, lobte das Laiengremium am Mittwoch. „Ich bin dankbar für diese Initiative, weil sie anlässlich der beiden Jubiläen, 500 Jahre Reformation und 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil, die drängende gemeinsame Verantwortung aller Christen und aller Kirchen für die Ökumene in Erinnerung ruft“, sagte ZdK-Präsident Alois Glück. „Nur wenn wir als Christen eins sind, werden wir in der Welt glaubwürdig sein.“ Er teile die Auffassung der Erstunterzeichner, dass sich die christlichen Konfessionen nur in einem differenzierten Prozess des Aufeinanderhörens und Aufeinandereingehens annähern könnten, so Glück weiter. Die Kirchen im Land der Reformation, „Amtsträger wie Laien“, sollten Vorreiter sein für einen zukunftsweisenden Stil des Miteinanders, indem sie die Botschaft des Evangeliums „so intensiv wie möglich leben“.