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    Patriarch Alexij II. ist tot

    Rom (gho) Alexij II., als Patriarch von Moskau Oberhaupt von etwa 150 Millionen Gläubigen der Russisch-Orthodoxen Kirche, ist gestern Morgen im Alter von 79 Jahren gestorben. Das Herzleiden des Patriarchen war bekannt. Trotzdem kam sein Tod überraschend.

    Rom (gho) Alexij II., als Patriarch von Moskau Oberhaupt von etwa 150 Millionen Gläubigen der Russisch-Orthodoxen Kirche, ist gestern Morgen im Alter von 79 Jahren gestorben. Das Herzleiden des Patriarchen war bekannt. Trotzdem kam sein Tod überraschend.

    Kardinal Walter Kasper, Präsident des vatikanischen Einheitsrats, würdigte das verstorbene Kirchenoberhaupt als einen Mann, der „in Zeiten großer Veränderungen“ dazu berufen gewesen sei, die orthodoxe Kirche Russlands zu leiten. „Seine Leitung hat es dieser Kirche möglich gemacht, den Herausforderungen des Übergangs von der Sowjet-Ära in die Gegenwart mit einer erneuerten inneren Lebendigkeit zu begegnen“, heißt es in einer gestern vom Vatikan verbreiteten Erklärung Kaspers. „Er war eine Hilfe, das außergewöhnliche Wachstum der Diözesen, Pfarreien, Klöster und Bildungseinrichtungen zu bewerkstelligen, das dieser für lange Zeit so sehr geprüften Kirche ein neues Leben gegeben hat“, so Kasper weiter.

    Der Kurienkardinal erinnerte an die zahlreichen Begegnungen mit Alexij II., „der dabei immer sein Wohlwollen gegenüber dem Heiligen Vater und seinen Wunsch zum Ausdruck gebracht habe, die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche zu stärken“. Der persönliche Einsatz Alexijs II., die Beziehungen zur katholischen Kirche trotz „der von Zeit zu Zeit aufgetretenen Schwierigkeiten und Spannungen“ zu vertiefen, stehe außer Zweifel, meinte Kasper.

    Der Patriarch hieß mit bürgerlichem Namen Alexei Rüdiger und entstammte einer deutsch-baltischen Kaufmannsfamilie. 1929 in Tallin ist Estland geboren, empfing er 1950 die Priesterweihe, wurde 1961 zum Mönch geschoren und noch im gleichen Jahr zum Bischof von Tallinn und Estland geweiht. Sein Vater Michael Alexándrowitsch Rüdiger, der mit seinen Eltern vor der Oktoberrevolution von Sankt Petersburg nach Tallinn geflohen war, hatte sich ebenfalls im Jahr 1940 zum Priester weihen lassen. Nach der Mönchwerdung stieg Alexij auf der Karriereleiter schnell nach oben: 1964 wurde er Erzbischof, 1968, mit nur 39 Jahren, Metropolit. Nach dem Tod Patriarchs Pimen I. trat er 1990 dessen Nachfolge an, nachdem er ein Jahr zuvor Deputierter des Obersten Sowjets geworden war. Unter Alexij II. haben die ökumenischen Beziehungen zwischen Rom und Moskau eine Eiszeit erlebt. Mit dem polnischen Papst Johannes Paul II., zu dessen bevorzugten Reisezielen während seines gesamten Pontifikats Moskau gehörte, wollte der Patriarch von Moskau keinen Kontakt. Dass der Vatikan im Jahr 2002 eine ordentliche Hierarchie in Russland errichtet und dort Diözesen gegründet hat, verschärfte nochmals die Distanz Alexijs zur katholischen Kirche.

    Alexij verstarb in seiner Residenz in dem Prominenten-Dorf Peredelkino vor den Toren Moskaus, einem bekannten Treffpunkt der russischen Intelligenzia, wo unter anderen Boris Pasternak begraben liegt. Die Trauerfeierlichkeiten für den Patriarchen finden voraussichtlich heute in der Erlöserkathedrale in Moskau statt. Die Aufarbeitung des „Kapitel Alexij“ dürfte jedoch erst später beginnen. Im Westen bekannt gewordene Dokumente, denen zufolge der Verstorbene ein Agent des KGB und 1958 unter dem Decknamen Drosdow vom russischen Geheimdienst rekrutiert worden war, werden von Verantwortlichen der Russisch-Orthodoxen Kirche als Fälschungen bezeichnet. Aber die Wahrheit wird eines Tages ans Licht kommen.