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    Papst Franziskus lässt den Bischof von Limburg im Amt

    Vatikanstadt (DT/Re/KNA) Papst Franziskus hat den designierten Limburger Generalvikar Wolfang Rösch (54) mit der vorübergehenden Leitung der Amtsgeschäfte im Bistum Limburg beauftragt. Rösch vertritt Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, dem Rom eine vorübergehende Auszeit außerhalb der Diözese gewährt. Das teilte der Vatikan am Mittwoch mit. Wörtlich heißt es in der Pressemitteilung des Heiligen Stuhls zur Situation in Limburg: „Der Heilige Vater ist über die Lage in der Diözese Limburg zu jedem Zeitpunkt umfassend und objektiv informiert worden. In der Diözese ist es zu einer Situation gekommen, in welcher der Bischof, S.E. Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst, seinen bischöflichen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben kann. Nach dem ,brüderlichen Besuch‘ von S.Em. Giovanni Kardinal Lajolo im vergangenen September hat die Deutsche Bischofskonferenz, gemäß einer Vereinbarung zwischen dem Bischof und dem Limburger Domkapitel, eine Kommission eingesetzt, um eine eingehende Prüfung im Hinblick auf den Bau des Bischofssitzes vorzunehmen. In Erwartung der Ergebnisse besagter Prüfung und der damit verbundenen Vergewisserung über diesbezügliche Verantwortlichkeiten hält der Heilige Stuhl es für angeraten, S.E. Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst eine Zeit außerhalb der Diözese zu gewähren.

    In der Diözese Limburg ist es zu einer Situation gekommen, in welcher der Bischof seinen Dienst „zum gegenwärtigen Zeitp... Foto: dpa

    Vatikanstadt (DT/Re/KNA) Papst Franziskus hat den designierten Limburger Generalvikar Wolfang Rösch (54) mit der vorübergehenden Leitung der Amtsgeschäfte im Bistum Limburg beauftragt. Rösch vertritt Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, dem Rom eine vorübergehende Auszeit außerhalb der Diözese gewährt. Das teilte der Vatikan am Mittwoch mit. Wörtlich heißt es in der Pressemitteilung des Heiligen Stuhls zur Situation in Limburg: „Der Heilige Vater ist über die Lage in der Diözese Limburg zu jedem Zeitpunkt umfassend und objektiv informiert worden. In der Diözese ist es zu einer Situation gekommen, in welcher der Bischof, S.E. Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst, seinen bischöflichen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben kann. Nach dem ,brüderlichen Besuch‘ von S.Em. Giovanni Kardinal Lajolo im vergangenen September hat die Deutsche Bischofskonferenz, gemäß einer Vereinbarung zwischen dem Bischof und dem Limburger Domkapitel, eine Kommission eingesetzt, um eine eingehende Prüfung im Hinblick auf den Bau des Bischofssitzes vorzunehmen. In Erwartung der Ergebnisse besagter Prüfung und der damit verbundenen Vergewisserung über diesbezügliche Verantwortlichkeiten hält der Heilige Stuhl es für angeraten, S.E. Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst eine Zeit außerhalb der Diözese zu gewähren.

    Auf Entscheidung des Heiligen Stuhls tritt die durch den Bischof von Limburg zum 1. Januar 2014 ausgesprochene Ernennung des Hw. Herrn Stadtdekan Wolfgang Rösch zum Generalvikar bereits mit dem heutigen Tag in Kraft. Der Hw. Herrn Generalvikar Rösch wird die Diözese Limburg während der Abwesenheit des Diözesanbischofs im Rahmen der mit diesem Amt verbundenen Befugnisse verwalten.“

    Rösch war erst Anfang Oktober zum neuen Generalvikar berufen worden, er sollte dieses Amt am 1. Januar 2014 übernehmen und dann den bisherigen Generalvikar Franz Kaspar ablösen. Mit der Entscheidung des Papstes wird dieser Schritt nun mit sofortiger Wirkung vorgezogen. Rösch stammt aus Wiesbaden und wuchs mit drei Brüdern in Erbach im Rheingau auf. Nach dem Abitur und Wehrdienst studierte er zunächst fünf Jahre Maschinenbau in Darmstadt und anschließend Philosophie und Theologie in Frankfurt und Rom. Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann weihte Rösch im Jahr 1990 in Rom zum Priester. Rösch kehrte nach Limburg zurück und wurde Kaplan in Wetzlar, später in Hadamar. Nach weiteren Seelsorge-Stationen berief ihn der damalige Limburger Bischof Franz Kamphaus 1997 zum Leiter des Priesterseminars in Limburg. 2003 bis 2010 war er Pfarrer in den Königsteiner Pfarreien, anschließend Wiesbadener Stadtdekan.

    Aus Sicht der deutschen Bischofskonferenz schafft die Entscheidung des Vatikans eine neue Gesprächsbasis. Es werde „ein Raum eröffnet, um in dieser Situation zur inneren Ruhe zurückzufinden“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am Mittwoch in Bonn. „Mein Dank gilt allen Beteiligten, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten und auch weiterhin um eine Perspektive für die Zukunft bemühen und den Dialog suchen.“

    Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, sagte zur Entscheidung von Papst Franziskus: „Die heutige Entscheidung des Heiligen Vaters schafft den notwendigen Raum zu einer vollständigen und konsequenten Klärung der Vorkommnisse in Limburg. Das Vorgehen ist vom sichtbaren Wunsch Fall Limburg geprägt, allen Beteiligten, dem Bischof, den Gremien und allen Katholiken in der Diözese Limburg Fairness gegenüber walten zu lassen, gleichwohl aber eine rückhaltlose Aufklärung zu ermöglichen.“ Voreilige weitere Schlüsse dürften aus dem Wortlaut der Entscheidung nicht gezogen werden, betont Glück.

    „Wir erwarten nach dieser Zwischenentscheidung eine weitere konsequente Aufarbeitung aller Vorkommnisse in Limburg. Die Katholiken im Bistum Limburg und in ganz Deutschland haben einen Anspruch darauf, dass alle Vorgänge im Hinblick auf die Baukosten, der Beratungen in den Gremien und der Information der Öffentlichkeit in voller Transparenz offengelegt und die Verantwortlichen benannt werden. Vollständige Transparenz ist auch deswegen wichtig, damit nicht irgendwelche Verschwörungstheorien die öffentliche Aufarbeitung erschweren“, so Glück.

    Die Entscheidung von Papst Franziskus, so der ZdK-Präsident weiter, bietet eine „Chance eines ersten Schrittes für einen Neubeginn im Bistum Limburg, denn die Situation war in den zurückliegenden Wochen zu einer zunehmenden Belastung für die Gläubigen dort und die Kirche in ganz Deutschland geworden.“ Über die Diözese hinaus werde nach der Aufklärung und endgültigen Entscheidung, dann offen und transparent zu beraten sein, welche Folgerungen für die Kirche in Deutschland zu ziehen seien, forderte Glück.

    Die Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai, begrüßte die Entscheidung des Vatikan zu einer Auszeit von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im Grundsatz. Dass Generalvikar Wolfgang Rösch nun vorübergehend die Bistumsleitung übernehme, sei positiv, sagte Schillai am Mittwoch auf Anfrage der Katholischen Nachrichtenagentur in Limburg. „Die Hängepartie ist ein wenig kleiner geworden, auch wenn noch vieles in der Schwebe bleibt.“ Besondere Bedeutung zur Entscheidung über das weitere Vorgehen komme nun der von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzten Prüfungskommission zur umstrittenen Finanzierung des Diözesanzentrums zu. Zugleich sagte Schillai, eine künftige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Tebartz-van Elst sei nur sehr schwer denkbar: „Wenn, dann wäre das ein ganz langer, harter Weg für alle Beteiligten. Ich kann mir das zum heutigen Zeitpunkt nicht vorstellen.“ Schillai ist Präsidentin der Diözesanversammlung, dem wichtigsten Laiengremium im Bistum.

    In den vergangenen Tagen hatte die Auseinandersetzung um den Limburger Bischof immer neue Tiefpunkte erreichte. Die mediale Berichterstattung entwickelte sich zunehmend zu einer Hetzjagd gegen den Bischof. In zahlreichen Medienberichten wurde dabei die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt. Unterdessen berichtet die Illustrierte „Bunte“ von Drohungen gegen die Familie des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst. „Wir bekommen täglich Morddrohungen. Per Telefon oder in Briefen“, zitiert die Illustrierte in einem Vorab-Bericht den Schwager des Bischofs, Johannes Winkels. Auch im Heimatort am Niederrhein werde die Familie beschimpft, so Winkels: „Mein Schwager liegt doch schon am Boden. Aber man will ihn noch weiter vernichten. Und seine Familie dazu. Am liebsten würden wir alles hinwerfen und Deutschland verlassen.“ Auch die 87-jährige Mutter des Bischofs leide unter der Situation, aber die Familie stehe weiter zu ihm. (Siehe Leitartikel Seite 2)