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    PID: Suche nach neuen Allianzen

    Sie haben sich für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) stark gemacht. Der CDU-Parteitag hat nach langer Debatte mit knapper Mehrheit für dieses Verbot gestimmt. Wie zufrieden sind Sie mit diesem Ergebnis? Ich bin zufrieden, dass wir dieses Ergebnis erreicht haben.

    ist Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Klöckner... Foto: Archiv

    Sie haben sich für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) stark gemacht. Der CDU-Parteitag hat nach langer Debatte mit knapper Mehrheit für dieses Verbot gestimmt. Wie zufrieden sind Sie mit diesem Ergebnis?

    Ich bin zufrieden, dass wir dieses Ergebnis erreicht haben. Es zeigt natürlich, dass die Frage der PID an das Innerste rührt. Es geht hier um eine Gewissensentscheidung. Letztlich hat durch die Diskussion die gesamte CDU gewonnen. Keine andere Partei hat so intensiv und auf so hohem Niveau über Wert und Würde des Lebens, über bioethische Grenzen, die Humanität der Gesellschaft von morgen und den Umgang mit Behinderten diskutiert. Wir haben dreieinhalb Stunden debattiert. Das ist eine Stärke, die uns auszeichnet.

    Ist das nicht ein schwacher Trost? Die Mehrheit für ein Verbot der vorgeburtlichen Selektion war hauchdünn. Fast die Hälfte der Delegierten hat für eine begrenzte Zulassung der PID gestimmt. Damit ist die CDU in einer Grundsatzfrage des Lebensschutzes in nahezu gleich starke Lager gespalten.

    Das ist eine Gewissensentscheidung. Ich behaupte von niemandem, dass er unchristlicher ist, wenn er zu einem anderen Votum kommt als ich. Ein solches Urteil steht mir nicht zu. Für mich ist klar: Menschliches Leben beginnt mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle und ist von diesem Moment an unbedingt schutzwürdig. Wir alle haben so begonnen. Einen abgestuften Schutz des Embryos darf es nicht geben. Wir dürfen nicht unterteilen in wertes und unwertes Leben. Wir haben auch nicht darüber zu entscheiden, was Leben lebenswert macht und was nicht.

    Was bedeutet dieser Parteitags-Beschluss für die weitere Auseinandersetzung um die PID?

    Dieser Beschluss war wichtig. Ich habe dafür gekämpft, dass wir das nicht vertagen, sondern auf dem Parteitag entscheiden. Mir war wichtig, dass die Delegierten nicht nur zusammengerufen werden, um Personalentscheidungen zu treffen, sondern sich auch an dieser wichtigen Debatten beteiligen und ihr Votum abgeben können. Diese Entscheidung des Parteitags ist für Abgeordnete nicht bindend. Das ist klar. Aber sie gibt ein Stimmungsbild wieder. Letztlich wird im Deutschen Bundestag geheim gewählt werden. Da ist jeder seinem Gewissen verpflichtet, und es wird keinen Fraktionszwang geben.

    Wenn schon in der CDU die Mehrheit für ein PID-Verbot derart knapp ausfällt, dann sind die Aussichten für eine Mehrheit im Deutschen Bundestag sehr gering...

    Das würde ich nicht unbedingt sagen. Auch die Grünen setzen sich für ein Verbot der PID ein. Und von der SPD hat man bislang relativ wenig in dieser Frage gehört. Ich habe den Eindruck, die warten ab, wo die Mehrheit hinfällt, und werden sich dann dieser Meinung anschließen. Bei der FDP finden sich leider nur ganz wenige Unterstützer eines PID-Verbots. Wie das im Bundestag ausgeht, kann ich im Moment nicht abschätzen. Im Übrigen darf man eine Parteitags-Debatte nicht vom möglichen Ausgang einer Entscheidung im Parlament abhängig machen.

    Wird es von Seite der CDU-Abgeordneten, die sich auf dem Parteitag für ein PID-Verbot eingesetzt haben, Bemühungen um einen parteiübergreifenden Verbots-Antrag für den Bundestag geben?

    Ja, definitiv.