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    Nur noch wenige Monate bis zur Bombe?

    Europa redet über die Finanzkrise und die Rettung der Banken. Amerika ereifert sich – schon wahlkämpfend – über die Fehlleistungen von Präsident Obama oder über die wechselnden Favoriten bei den Republikanern. Asien schaut gebannt auf den wachsenden Riesen China. Der Nahe und Mittlere Osten konzentriert seine Aufmerksamkeit auf den arabischen Frühling, der bereits zu überhitzen droht. Ägypten und Syrien stehen heute für staatlichen Mord. Die Welt scheint in Aufruhr. Im Schatten all der Krisen aber basteln die Ingenieure im Iran nahezu unbemerkt an der vielleicht größten Gefahr für den Frieden der Welt: die iranische Atombombe.

    Europa redet über die Finanzkrise und die Rettung der Banken. Amerika ereifert sich – schon wahlkämpfend – über die Fehlleistungen von Präsident Obama oder über die wechselnden Favoriten bei den Republikanern. Asien schaut gebannt auf den wachsenden Riesen China. Der Nahe und Mittlere Osten konzentriert seine Aufmerksamkeit auf den arabischen Frühling, der bereits zu überhitzen droht. Ägypten und Syrien stehen heute für staatlichen Mord. Die Welt scheint in Aufruhr. Im Schatten all der Krisen aber basteln die Ingenieure im Iran nahezu unbemerkt an der vielleicht größten Gefahr für den Frieden der Welt: die iranische Atombombe.

    Und sie kommen weiter. Nach Informationen westlicher Geheimdienste haben die Iraner ihre Anlagen zur Anreicherung von Uran zum Teil verlegt und zwar von Natanz in eine unterirdische Basis namens Fordow, in der Nähe der Stadt Quom. Außerdem haben sie Sprengköpfe für Raketen entwickelt, die auch nuklear bestückt werden können. Das war für Experten relativ leicht an Raketen-und Sprengkopfversuchen während der letzten Monate zu erkennen. Es wird vermutet, dass in den unterirdischen Anlagen von Fordow mit neuen Zentrifugen die Anreicherung auf zwanzig Prozent getrieben wird. Die Anreicherung von Uran auf zwanzig Prozent ist der schwierigste und technologisch komplizierteste Teil des Anreicherungsprozesses. Von da auf achtzig oder neunzig Prozent zu kommen ist dagegen leicht. Diese letzte Phase würde nach Ansicht der Experten drei bis sechs Monate in Anspruch nehmen. Offensichtlich verfügen die Dienste auch über Maulwürfe in den Reihen der Iraner, denn sie haben relativ genaue Angaben über die Zentrifugen. Demnach handelt es sich um neue und stärkere Anlagen, die sie zum Teil selbst oder mit der Hilfe von Ingenieuren aus Pakistan und Nordkorea entwickelt haben.

    Eine militärische Option rückt wieder ins Blickfeld

    Auch bei der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien ist man über die jüngste Entwicklung des seit Jahren andauernden Nuklearstreits mit dem Iran stark beunruhigt. Vor allem der britische Botschafter Simon Smith schlägt Alarm. Die umfassenden Aktivitäten Teherans auf dem Nuklearsektor entbehrten jeder wirtschaftlichen oder kommerziellen Logik. Man brauche die Atomenergie schlicht nicht – es sei denn für militärische Zwecke. Das gebe Anlass zu großer Sorge. Der amerikanische Botschafter zweifelt offen und lautstark am Willen Teherans, ehrlich zu kooperieren.

    Hinter verschlossenen Türen wird schon seit Monaten deutlicher Klage darüber geführt, dass man sich trotz der vielen Hinweise habe hinhalten lassen. Auch seien die diversen Ultimaten, die die Europäer und Amerikaner dem Iran gestellt hatten, folgenlos verstrichen. In der Tat, hätte man sie umgesetzt und Sanktionen ergriffen, hätte es eine Chance gegeben, den Streit friedlich beizulegen. Jetzt fehlt angesichts der Fortschritte der iranischen Techniker die Zeit dafür, so dass eine militärische Option wieder ins Blickfeld rückt. Aber hier tauchen andere Zweifel auf. Wäre Obama dazu willens? Ohne die Amerikaner kann ein chirurgischer Schlag kaum geführt werden. Nur sie verfügen über ausreichend präzise und schlagkräftige Raketen, die tief in die Erde dringen und dort erst explodieren können. Dieser Schlag hätte Chancen, nicht als offener Angriff erkannt zu werden. Die Saudis und andere arabische Staaten wären sofort bereit, logistisch beizustehen. Schließlich sind sie unmittelbar gefährdet. Aber auch andere Staaten liegen im Radius der iranischen Raketen. Paris, Rom und Berlin sind von den Raketen ebenso zu erreichen wie Tel Aviv.

    In Israel denkt man über einen Schlag schon seit einiger Zeit konkreter nach. Man fühlt sich existentiell bedroht. Das Wagnis, anfliegende Raketen mit Luft-Luft-Abwehrraketen im Anflug zu zerstören, scheint den entscheidenden Stellen in Politik und Armee zu riskant zu sein. Es reicht, wenn eine Rakete durchkommt. Allerdings will man nachher nicht als Kriegsnation weltweit gescholten werden, während man heimlich und diskret Anerkennung in Riad, Kuweit, Bahrein, Amman und selbst Kairo ernten würde. Denn aus diesen Ländern ist Israel bereits mehrfach zum Handeln ermuntert worden.

    In Washington ist man in einer Art Eskalationsprozess jetzt dazu übergegangen, den Iran als Terrorstaat der Weltöffentlichkeit vorzustellen. Das noch nicht einmal konkret geplante Attentat auf den saudischen Botschafter in Washington dient als Anlass. Es sei, wie Justizminister Eric Holder sagte, von „Elementen der iranischen Regierung“ geplant worden. Ein Mann wurde verhaftet, der einem verdeckten Ermittler Geld gezahlt hatte, damit dieser den Botschafter töte. Mehr Plan gab es nicht. Die künstlich erzeugte mediale Aufregung um diese Verhaftung lässt darauf schließen, dass Washington den Ernst der Lage erkannt hat und entschlossen ist, zu handeln oder wenigstens publizistisch Rückendeckung zu verschaffen. Die Ruhe für die Iraner im Auge des internationalen Taifuns aus Finanzkrise und arabischem Herbst könnte bald zuende sein.