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    „Nicht am Ziel, aber schon weit“

    Jerusalem (DT/KNA) „Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir sind schon weit gekommen“, zog Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, am Donnerstagnachmittag eine erste Zwischenbilanz der gemeinsamen Heilig-Land-Reise evangelischer und katholischer Bischöfe aus Deutschland. Ihr vormittaglicher Besuch hatte die Delegation an den Brennpunkt schlechthin des israelisch-palästinensischen Konflikts geführt. Gespräche mit Vertretern der islamischen Wakf-Behörde beim Besuch des Felsendoms und der Al-Aksa-Moschee und ein Treffen mit einem Rabbiner an der Klagemauer führten schmerzlich vor Augen, wie weit man in der heiligen Stadt von einem ähnlichen Versöhnungsprozess, wie ihn die deutschen Katholiken und Protestanten vorangebracht haben, noch entfernt sind. Frieden, formulierte es Irmgard Schwaetzer, Präses der EKD-Synode, könne nur wachsen, wenn der Wille dazu da ist. Eben dieser Friedenswille sei jedoch hier nicht zu erkennen, „das ist verstörend“.

    Im Epizentrum des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern: Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm auf dem... Foto: KNA

    Jerusalem (DT/KNA) „Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir sind schon weit gekommen“, zog Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, am Donnerstagnachmittag eine erste Zwischenbilanz der gemeinsamen Heilig-Land-Reise evangelischer und katholischer Bischöfe aus Deutschland. Ihr vormittaglicher Besuch hatte die Delegation an den Brennpunkt schlechthin des israelisch-palästinensischen Konflikts geführt. Gespräche mit Vertretern der islamischen Wakf-Behörde beim Besuch des Felsendoms und der Al-Aksa-Moschee und ein Treffen mit einem Rabbiner an der Klagemauer führten schmerzlich vor Augen, wie weit man in der heiligen Stadt von einem ähnlichen Versöhnungsprozess, wie ihn die deutschen Katholiken und Protestanten vorangebracht haben, noch entfernt sind. Frieden, formulierte es Irmgard Schwaetzer, Präses der EKD-Synode, könne nur wachsen, wenn der Wille dazu da ist. Eben dieser Friedenswille sei jedoch hier nicht zu erkennen, „das ist verstörend“.

    In der vertieften Begegnung untereinander sowie mit Muslimen und Juden im Heiligen Land sahen die deutschen Bischöfe nicht nur „die Welt mit den Augen des anderen“, wie es Kardinal Marx und EKD-Ratschef Heinrich Bedford-Strohm wiederholt formulierten. Im Spiegel der Spaltungen der anderen, so scheint es, schärfte sich auf unerwartete Weise der Blick für das seit knapp zwei Generationen gewachsene Verbindende zwischen Katholiken und Protestanten in Deutschland. Diese Erkenntnis, so Präses Schwaetzer, gebe zugleich „den Mut, das noch Trennende anzugehen“. Die sichtbaren Feindschaften im Heiligen Land und der mangelnde Friedenswillen, so scheint es, hat die deutschen Bischöfe enger zusammenrücken lassen und sie zu weiteren Schritten zur Einheit noch bestärkt. Dass es auch zwischen ihnen noch Trennendes gibt, wurde nicht zuletzt in der fehlenden Abendmahlsgemeinschaft der gemeinsam gefeierten Gottesdienste sichtbar.

    Den Schmerz darüber zu fühlen, bezeichnete Landesbischof Bedford-Strohm, als ein „Zeichen der Hoffnung: Weil der Schmerz ein Zeichen dafür ist, dass es nicht normal ist, dass wir nicht eins sind in Christus“. „Es gibt noch Trennendes“, sagte auch Präses Schwaetzer. „Aber das Verbindende gibt uns den Mut, auch das noch anzugehen.“ Gleichzeitig, betonten die beiden Vorsitzenden von DBK und EKD-Rat, könnte der katholisch-protestantische Dialog in Deutschland ein Hoffnungszeichen für das Heilige Land sein. „Wir wollen nicht belehren, sondern den Menschen im Konflikt sagen: Es geht!“, sagte Marx. Damit, pflichtete Bedford-Strohm bei, „kann unsere Reise vielleicht ein Zeichen sein für die Welt“.

    Der Verwalter des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, hat derweil zur Einheit der Christen aufgerufen. Jerusalem könne „zu einem Beispiel friedlicher Koexistenz“ werden, sagte der Apostolische Administrator am Donnerstag bei einem Zusammentreffen mit den Teilnehmern der gemeinsamen Pilgerfahrt. Pizzaballa verwies auf die zahlreichen Spaltungen und Konflikte, die Jerusalem heute kennzeichneten und die auch die Christen und ihre heiligen Stätten einschlössen. Grund dafür sei auch ein „Mangel an Führungsstärke“ auf politischer und religiöser Ebene. Gleichzeitig gebe es „in den Straßen Jerusalems viele Gelegenheiten menschlicher Begegnungen“. Den gemeinsamen Besuch evangelischer und katholischer Bischöfe bezeichnete der Italiener als Zeichen der Solidarität, aber auch als Zeichen der Einheit, das zeige, dass Frieden möglich sei.

    Die Christen sind nach Worten des evangelisch-lutherischen Bischofs von Jerusalem, Munib Junan, die ausgleichende Kraft in Nahost und Garanten für eine moderne Zivilgesellschaft. „Wenn die Christen die Region verlassen, wird der Konflikt ein religiöser Konflikt“, sagte Junan, der auch Präsident des Lutherischen Weltbunds ist, am Donnerstag in Jerusalem. Er hatte zuvor die Teilnehmer der gemeinsamen Pilgerfahrt getroffen. Es gebe viele Kräfte auch innerhalb der Religionsgemeinschaften, die den Nahost-Konflikt in einen Religionskrieg verwandeln wollten, so Junan weiter. Eine Friedenslösung sei „auf der Grundlage von Gerechtigkeit“ möglich, jedoch mangele es an einem entsprechenden politischen Friedenswillen, so Junan. Die Christen weltweit rief der Bischof dazu auf, ihre Glaubensgeschwister im Heiligen Land in der schwierigen gegenwärtigen Situation nicht allein zu lassen. „Wir wissen heute mehr denn je, dass wir einander brauchen und voneinander abhängig sind“, sagte Junan mit Blick auf die Ökumene. Es gelte, „das reiche Spektrum der Christenheit als von Gott geschenkten Reichtum anzunehmen“.

    Bischof Junan wird Papst Franziskus als Präsident des Lutherischen Weltbundes am 31. Oktober zum Reformationsgedenken im schwedischen Lund begegnen.