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    Münsterländer wird Bischof von Dresden

    Dresden (DT/KNA) Papst Franziskus hat den Münsteraner Weihbischof Heinrich Timmerevers (63) zum neuen Bischof von Dresden-Meißen ernannt. Das gaben der Vatikan, das Bistum Dresden-Meißen und das Bistum Münster am Freitag zeitgleich bekannt. Timmerevers folgt auf Heiner Koch, der seit vergangenem September Erzbischof von Berlin ist. Bislang leitet Timmerevers das Bischöflich Münstersche Offizialat in Vechta. Seit 2001 steht er damit an der Spitze von rund 260 000 Katholiken im niedersächsischen Teil des Bistums Münster.

    Bringt geistliche Erfahrungen als Pfarrer und aus der Fokolare-Bewegung mit: der designierte Bischof von Dresden-Meißen ... Foto: KNA

    Dresden (DT/KNA) Papst Franziskus hat den Münsteraner Weihbischof Heinrich Timmerevers (63) zum neuen Bischof von Dresden-Meißen ernannt. Das gaben der Vatikan, das Bistum Dresden-Meißen und das Bistum Münster am Freitag zeitgleich bekannt. Timmerevers folgt auf Heiner Koch, der seit vergangenem September Erzbischof von Berlin ist. Bislang leitet Timmerevers das Bischöflich Münstersche Offizialat in Vechta. Seit 2001 steht er damit an der Spitze von rund 260 000 Katholiken im niedersächsischen Teil des Bistums Münster.

    Timmerevers stammt aus dem Oldenburger Münsterland. Dort ist er geboren und seit vielen Jahren im Dienst der Kirche tätig. Münster, wo er zum Priester und zum Bischof geweiht wurde, nennt er seine „zweite Heimat“. Mit kirchlichen Führungsaufgaben ist Timmerevers fast schon wie ein Diözesanbischof vertraut. Seit 2001 leitet der hochgewachsene Theologe das Bischöflich Münstersche Offizialat für die Katholische Kirche im Oldenburger Land mit Sitz in Vechta. Dieses in Deutschland einmalige Konstrukt einer Bistums-Exklave zählt zwar zur Diözese Münster, hat aber eine große Eigenständigkeit – samt eigenem Etat. Es umfasst den niedersächsischen Teil der sonst in Nordrhein-Westfalen liegenden Diözese. In 40 Gemeinden von der Nordseeinsel Wangerooge bis Damme an der Grenze zum Osnabrücker Land leben gut 260 000 Katholiken. Die künftige „Herde“ des Oberhirten Timmerevers wird also deutlich kleiner sein. Das Bistum Dresden-Meißen zählt etwa 141 600 Katholiken, nur 3,5 Prozent der Gesamtbevölkerung sind katholisch. Die Protestanten kommen auf rund 20 Prozent. Timmerevers' Erfahrungen in der Ökumene werden somit gefragt sein.

    Im Offizialat Vechta wurde bereits im Januar 1966, kurz nach Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils, Deutschlands erster ökumenischer Arbeitskreis auf der Ebene der Kirchenleitungen gegründet. Seit seinem Amtsantritt als Offizial vor fünfzehn Jahren traf Timmerevers regelmäßig mit dem evangelischen Oldenburger Landesbischof zusammen. Geboren wurde Timmerevers am 25. August 1952 in Garrel-Nikolausdorf (Kreis Cloppenburg) als ältester Sohn einer Landwirtsfamilie. „Selbstverständlich katholisch“ waren sein Zuhause und das ganze Dorf, wie er selbst einmal erzählte. Nach einem Studium der Theologie und Philosophie in Münster und Freiburg im Breisgau weihte Münsters Bischof Reinhard Lettmann (1933–2013) ihn 1980 zum Priester. 1984 berief Lettmann ihn zum stellvertretenden Leiter am Theologenkonvikt Collegium Borromaeum in Münster und zum Domvikar.

    Von 1989 bis zu seiner Bischofsweihe 2001 war Timmerevers Pfarrer in Visbek. In der Deutschen Bischofskonferenz ist Timmerevers Beauftragter für die Geistlichen Gemeinschaften und Mitglied der Kommission für geistliche Berufe und Kirchliche Dienste. Wie sein Vorvorgänger in Dresden, Bischof Joachim Reinelt, gehört er der neuen geistlichen Bewegung der „Fokolare“ an. Der designierte Dresdner Bischof gilt als offen, freundlich und den Menschen zugewandt. Einen ersten Eindruck von ihm können sich die Katholiken seines neuen Bistums bereits beim 100. Deutschen Katholikentag machen, der Ende Mai in Leipzig stattfindet. Als Weihbischof trat Timmerevers für Flüchtlinge, verfolgte Christen und andere religiöse Minderheiten im Nahen Osten ein. Er spricht sich für ein Einwanderungsgesetz aus. Das solle „Deutschland als offenes Land zeigen und zugleich den Druck der illegalen Migration mindern“. Das Land müsse eine Willkommenskultur schaffen – nicht nur für Menschen, die dem Land und seinem Wohlstand nutzen.

    Auch mit dem Projekt „Würdenträger – weil jeder Würde trägt“ wurde der Weihbischof bekannt. Auf seine Initiative hin wandten sich dabei verschiedene gesellschaftliche Gruppen gegen jede Art von Diskriminierung. „Haltungen, die rechtsextremer Ideologie entspringen, haben in der Kirche keinen Platz“, so Timmerevers.

    Nur in den Siedlungsgebieten der sorbischsprachigen Minderheit in der Oberlausitz gibt es einen höheren Katholikenanteil. Seine historischen Wurzeln reichen bis ins 10. Jahrhundert. Das alte Bistum Meißen wurde 968 gegründet. Im Zuge der Reformation ging es unter. Im 18. Jahrhundert erhielt die katholische Kirche in Sachsen wieder Auftrieb, nachdem Kurfürst August der Starke 1697 zum Katholizismus konvertiert war, um die polnische Königskrone erlangen zu können. Sein Sohn August III. ließ die 1755 fertiggestellte katholische Dresdner Hofkirche errichten. Sie gehört zu den bekanntesten Bauten der Stadt und ist heute die Kathedrale des Bistums. 1921 erhob Papst Benedikt XV. die damalige Apostolische Präfektur Meißen zum neuen Bistum Meißen mit Bischofssitz in Bautzen. Nach 1945 wuchs die Zahl der Katholiken durch Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten Europas. 1979 wurde der Name des Bistums in Dresden-Meißen geändert, der damalige Bischof Gerhard Schaffran verlegte im folgenden Jahr den Bischofssitz nach Dresden. Dort fand 1987 das einzige DDR-weite Katholikentreffen mit mehr als 100 000 Teilnehmern statt. 1994 waren die sächsische Landeshauptstadt und das Bistum Gastgeber des 92. Deutschen Katholikentags. In Leipzig findet Ende Mai der 100. Deutsche Katholikentag statt.