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    Mexikos Kirche wehrt sich gegen die Homo-„Ehe“

    Seit Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto vor gut drei Monaten eine Initiative präsentierte, die gleichgeschlechtliche Ehe landesweit zu legalisieren, stößt diese auf heftigen Widerstand. Vor allem die katholische Kirche Mexikos läuft Sturm. Mit einem „Homo-Ehe, falsches Recht“ überschriebenen Leitartikel in der Zeitschrift „Desde la Fe“ (Vom Glauben aus), dem offiziellen Organ der Erzdiözese Mexiko, wurde die Auseinandersetzung am Wochenende erneut angefacht.

    Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto kämpft für eine Verfassungsänderung. Foto: dpa

    Seit Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto vor gut drei Monaten eine Initiative präsentierte, die gleichgeschlechtliche Ehe landesweit zu legalisieren, stößt diese auf heftigen Widerstand. Vor allem die katholische Kirche Mexikos läuft Sturm. Mit einem „Homo-Ehe, falsches Recht“ überschriebenen Leitartikel in der Zeitschrift „Desde la Fe“ (Vom Glauben aus), dem offiziellen Organ der Erzdiözese Mexiko, wurde die Auseinandersetzung am Wochenende erneut angefacht.

    Mit ihrem Verständnis von Ehe „verletzen Mexikos Präsident und das Oberste Gericht die Realität und gefährden das Liebste der Mexikaner: die Familie“, schreibt die Redaktion. Für die Argumentation wird ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg vom Juni bemüht. Dieses habe die Ehe „klar als Verbindung zwischen Mann und Frau“ erklärt. Aus der Europäischen Menschenrechtskonvention, auf die sich das klagende homosexuelle Paar aus Österreich in Straßburg berufen hatte, lasse sich kein allgemeines Recht auf gleichgeschlechtliche Ehe ableiten. „Sie [die Richter] wollten speziell die natürliche Institution der Ehe bewahren“, schlussfolgern die Autoren des Beitrags. Der einstimmige Spruch der europäischen Richter mache deutlich, dass der mexikanische Präsident und das Oberste Gericht in ihrer Auslegung von Ehe und Diskriminierung einen „schweren Fehler“ begehen.

    Pena Nieto hatte im Mai angekündigt, eine Initiative für eine Verfassungsänderung im Kongress einzubringen, die ermöglichen würde, die gleichgeschlechtliche Ehe zu legalisieren. Er folgte damit einem Urteil des Obersten Gerichtshofs vom Juni 2015, das homosexuelle Partnerschaften heterosexuellen gleichgestellt hatte. Gesetze, die gleichgeschlechtliche Ehen verbieten, wurden da als verfassungswidrig erklärt. Bisher haben jedoch nur sieben Bundesstaaten (Coahuila, Nayarit, Quintana Roo, Chihuahua, Jalisco, Campeche und Sonora) sowie Mexiko-Stadt gleichgeschlechtliche Ehen anerkannt.

    In der Beilage „Eco Semanal“ (Wochenecho) von „Desde la Fe“ wirft Guillermo Gazanini Espinoza, ein Berater der Abgeordnetenkammer des Kongresses, unter der Überschrift „Homo-Ehe ist kein Recht“ der Initiative des Präsidenten „schwere Mängel gesetzestechnischer Art und in der rechtlichen Argumentation“ vor. Pena Nieto und das Verfassungsgericht ließen sich allein „von Begriffen wie Freiheit, Diskriminierung und Persönlichkeitsentwicklung leiten, ohne familiäre Beziehungen zu berücksichtigen“. Und weiter: „Wenn der Vorschlag auf internationalen Druck erfolgt, durch Lobbygruppen oder internationale Organisationen, die eine bestimmte Agenda verfolgen, würde Mexiko sein souveränes Recht unterordnen, um Gesetze zu erlassen und sein System des Zivilrechts den Bedürfnissen eines Teils der Bevölkerung anzupassen.“ Dies sei „falsches Recht“, so Gazanini.

    Die linke Tageszeitung „La Jornada“ aus Mexiko-Stadt – nicht gerade als Pena Nieto-freundliches Blatt bekannt – schoss daraufhin in einem Leitartikel am Montag gegen Gazanini. Die Lobbyisten und internationalen Organisationen, von denen die Rede ist, seien vielmehr LGBT-Gruppen, die auf lange und verlustreiche soziale Kämpfe für die Anerkennung ihrer Rechte zurückblicken und jahrhundertelang übler und sogar tödlicher Verfolgung ausgesetzt waren, zum Teil durch die katholische Kirche selbst, heißt es da. Die Kirche habe durchaus das Recht, sich innerhalb der eigenen Reihen an – so wörtlich – „steinzeitliche“ Einstellungen zu sozialen, sexuellen und reproduktiven Rechten zu klammern, aber „die hartnäckige Einmischung in zivile Gesetzgebungsverfahren versucht das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat zu ignorieren und stellt einen erneuten Versuch dar, die Gesellschaft einer diktierten religiösen Moral zu unterwerfen“, so La Jornada. Die Zeitung zieht den Vergleich zu Regierungen, die die islamische Scharia als Quelle ihrer Rechtsvorschriften eingeführt haben.

    Der Ton wird rauer und die Bandagen härter. Der Bischof der Diözese Culiacán, Jonas Guerrero Corona, vermutete im Mai bei einem öffentlichen Auftritt, der Präsident suche mit seinem Vorstoß einen Tauberich (gavioto) statt einer Taube (gaviota) – in Anspielung auf die Präsidentengattin Angélica Rivera, die in der erfolgreichen Telenovela „La Gaviota“ bekannt geworden war. Später entschuldigte sich Guerrero für diese Aussage. Der Bischof der Diözese Auguascalientes, José María de la Torre, befürchtet, würden erst schwule Ehen zugelassen, gebe es bald auch Ehen mit Tieren.

    Für Antonio Medina Trejo von der sozialdemokratischen PRD, die in Mexiko-Stadt regiert, haben „die katholischen Mächtigen“ auch so schon viel zu oft „straflos“ die Trennlinien des laizistischen Staates gekreuzt. Er rief das Innenministerium auf, gegen „Hassaufrufe“ und gegen Aussagen, homosexuelle Familien seien nicht natürlich, vorzugehen. Die LGBT-Community werde nicht aufgeben. „Es hat uns soviel Anstrengung gekostet, dass das Verfassungsgericht sich zur gleichgeschlechtlichen Ehe äußerte, dass einige Regierungen das Thema sexueller Vielfalt angehen, als dass die Kirche mit ihren Moralvorstellungen ankommt, um zu zerstören, was wir als Zivilgesellschaft aufgebaut haben.“