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    „Mehr Mut zur Neuevangelisierung“

    Bonn/Würzburg (kgm/KNA) Mit einer Eucharistiefeier im Würzburger Kiliansdom ist gestern Abend die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz eröffnet worden (Bericht folgt). Höhepunkt des Zusammentreffens wird voraussichtlich heute die Wahl des Nachfolgers von Kardinal Karl Lehmann an der Spitze des Bischofsgremiums sein.

    Bonn/Würzburg (kgm/KNA) Mit einer Eucharistiefeier im Würzburger Kiliansdom ist gestern Abend die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz eröffnet worden (Bericht folgt). Höhepunkt des Zusammentreffens wird voraussichtlich heute die Wahl des Nachfolgers von Kardinal Karl Lehmann an der Spitze des Bischofsgremiums sein.

    In mehreren Interviews hat der scheidende Vorsitzende am Wochenende von der katholischen Kirche in Deutschland mehr Mut bei der Glaubensverkündigung und der Neuevangelisierung gefordert. Er warnte zugleich davor, dass die Kirche sich in eine Nische zurückzieht. Sie müsse sich auch weiterhin zu gesellschaftspolitischen Fragen äußern. Die Gesellschaft brauche Christen dringender denn je. Im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur zog der Kardinal eine positive Bilanz seiner Amtszeit als Vorsitzender. „Wir sind aus vielen Gründen zahlenmäßig weniger, aber im Kern zugleich stärker geworden“, sagte er.

    Mit Blick auf seinen Nachfolger an der Spitze der Bischofskonferenz meinte Lehmann, das Amt des Vorsitzenden könne auch ganz anders ausgefüllt werden, als er es seit 1987 getan habe. Beispielsweise könnten auch mehrere Bischöfe stärkere öffentliche Präsenz zeigen. „Dieses Amt ist viel offener als man denkt“, sagte er „Welt.online“. Die Kirche klebe noch zuviel an alten Strukturen, betonte der Mainzer Bischof im Interview mit der in Bonn erscheinenden Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“. Es gehe um die Erneuerung des pastoralen Denkens. Gegenüber „Welt.online“ nannte er als positive Beispiele „niedrigschwellige Angebote“, etwa Gottesdienste auch für Nicht-Getaufte oder Anlaufstellen für Menschen, die den Weg zu Glauben und Kirche zurückfinden wollten.

    Was das Verhältnis von Kirche und Politik betrifft, sagte Lehmann, es gebe heute in allen Parteien Christen; das bringe einer Partei mit dem „C“ im Namen Schwierigkeiten. Der Kardinal nahm zugleich CDU und CSU in Schutz; mit dem „C“ allein würden sie wohl keine Mehrheiten gewinnen. „Volksparteien brauchen eine differenzierte Strategie“, sagte er. Ihnen das „C“ zu verbieten, wäre nicht der richtige Weg.

    Im Verhältnis zur evangelischen Kirche sieht Lehmann zunehmend Probleme in der „ethischen Praxis“. Es gebe zwar viele Gemeinsamkeiten, die auch durch zahlreiche gemeinsame Stellungnahmen publik geworden seien. „Leider ist der erstaunlich solide Grundkonsens über bioethische Probleme, der freilich immer am seidenen Faden hing, in letzter Zeit ins Wanken gekommen“, kritisierte er. Das gelte besonders für die Stammzelldiskussion und die Patientenverfügung. „Ich hoffe, dass wir manches gemeinsame Terrain wiedergewinnen“, so Lehmann.

    In der „Rheinischen Post“ sprach Lehmann gestern in diesem Zusammenhang sogar von einer Belastung für die Ökumene. „Der bisherige bioethische Grundkonsens, der gewiss immer schon bedroht war, gerät ins Wanken“, sagte er nach Angaben des Evangelischen Pressedienstes mit Bezug auf Bischof Wolfgang Huber, den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland. Auf der evangelischen Seite gebe es aber inzwischen differenzierte Stellungnahmen, „das letzte Wort“ sei nicht gesprochen. Lehmann forderte: „Wir müssen noch intensiver über die Würde und das Lebensrecht des Embryos von Anfang an sprechen“. Dies sei nicht nur ein evangelisch-katholisches Problem. Die Grundfrage nach dem Status des Embryos sei entscheidend für alle weiteren Diskussionen.