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    Mehr Bildung, weniger Bürokratie – sonst droht der weitere Abstieg

    Die Investition in Wissen ergibt die beste Rendite. Eine alte Weisheit, sie stammt von Benjamin Franklin, einem Amerikaner, und auch das ist bezeichnend: Amerika hängt Europa bei den Patentanmeldungen immer deutlicher ab. Das wäre nicht weiter tragisch, wenn Wissen und Innovationsfähigkeit nicht der Lebensnerv Europas und insbesondere Deutschlands wären. Denn wir haben keine oder kaum Rohstoffe, und die Innovationskraft ist unser Kapital. Das brauchen wir auch, und gerade nach der Krise. Dieser Auffassung ist auch Klaus Kinkel, langjähriger Außenminister Deutschlands in der Regierung Kohl und jetzt Vorsitzender der Telekom-Stiftung, die sich die Stärkung der Innovationskraft auf die Magenta-Fahne geschrieben hat. Es werde schwer genug sein, aus dieser Finanz- und Wirtschaftskrise herauszukommen. Deshalb sei es „besonders wichtig, dass wir uns auf Innovationen, auf Bildung, Forschung, Technologie konzentrieren. Da dürfen wir jetzt um Gottes Willen nicht nachlassen“. Deshalb sei es auch „verheerend, dass Herr Steinbrück glaubt, die drei Milliarden, die vorgesehen sind für Forschung, verschieben zu können auf die Zeit nach der Bundestagswahl“.

    Die Investition in Wissen ergibt die beste Rendite. Eine alte Weisheit, sie stammt von Benjamin Franklin, einem Amerikaner, und auch das ist bezeichnend: Amerika hängt Europa bei den Patentanmeldungen immer deutlicher ab. Das wäre nicht weiter tragisch, wenn Wissen und Innovationsfähigkeit nicht der Lebensnerv Europas und insbesondere Deutschlands wären. Denn wir haben keine oder kaum Rohstoffe, und die Innovationskraft ist unser Kapital. Das brauchen wir auch, und gerade nach der Krise. Dieser Auffassung ist auch Klaus Kinkel, langjähriger Außenminister Deutschlands in der Regierung Kohl und jetzt Vorsitzender der Telekom-Stiftung, die sich die Stärkung der Innovationskraft auf die Magenta-Fahne geschrieben hat. Es werde schwer genug sein, aus dieser Finanz- und Wirtschaftskrise herauszukommen. Deshalb sei es „besonders wichtig, dass wir uns auf Innovationen, auf Bildung, Forschung, Technologie konzentrieren. Da dürfen wir jetzt um Gottes Willen nicht nachlassen“. Deshalb sei es auch „verheerend, dass Herr Steinbrück glaubt, die drei Milliarden, die vorgesehen sind für Forschung, verschieben zu können auf die Zeit nach der Bundestagswahl“.

    Investition in Bildung und Forschung sei auch deshalb wichtig, weil Deutschland hier im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld liege. Das gehe aus dem von der Stiftung Telekom und dem Institut für Wirtschaft in Berlin erarbeiteten Innovationsindikator hervor. Ohne Stärkung der Innovationskraft werde Deutschland noch weiter zurückfallen. Das beginne bei den Finanzmitteln. „Wir müssen zunächst mal weit mehr in Bildung investieren. Dann müssen wir unser gesamtes Bildungssystem versuchen zu reformieren, angefangen bei der frühkindlichen Bildung in den Kindergärten bis hinauf zu den Universitäten.“ Da gebe es eine Fülle von Schwachstellen, die dringend angegangen werden müssten. Bildung sei nun mal – gerade in der jetzigen Zeit und gerade für ein Land wie Deutschland – das absolute Megathema. Geschehe das nicht, „werden wir keine große Technologie- und Wirtschaftsnation bleiben“.

    Ein klassisches Innovationshindernis ist die Bürokratie. Der Bundespräsident hat dazu Stellung genommen. Europa hat jetzt sogar in der Person von Edmund Stoiber einen eigenen Beauftragten dafür. Dennoch komme der Bürokratieabbau in Deutschland „eindeutig nicht voran. Da ist irgendwo die normative Kraft des Faktischen zugange.“ Er wisse noch genau, wie er als Staatssekretär im Bundesjustizministerium schon von Kohl den Auftrag erhalten habe, sich speziell um dieses Thema zu kümmern. Aber „in Deutschland ein Gesetz oder eine Verordnung am Entstehen zu hindern oder später abzubauen, ist wahnsinnig schwierig“. Die Überbürokratisierung „ist eins unserer wesentlichen Hemmnisse für Innovation“. Das liege in der Tat auch an der „mentalen Verfasstheit der Deutschen“. Die Einstellung in Bezug auf Technik „ist nicht so, wie sie sein müsste. Deshalb tun wir als Telekom-Stiftung auf dem Gebiet einiges, um dem nachzuhelfen.“ Dazu gehörten das Sponsern des Zukunftspreises beim Bundespräsidenten, der bereits erwähnte Innovationsindikator oder auch die massive Unterstützung der Lindauer Nobelpreisträger-Konferenz, die sonst wohl schon längst das Land verlassen hätte.

    Man dürfe bei all den negativen Zeichen jedoch nicht vergessen, dass deutsche Maschinen immer noch Spitze seien, deutsche Tüftler auch. „Wir sind immer noch in einigen Gebieten besonders stark und Weltklasse im Maschinenbau, in der Elektroindustrie, in der Autoindustrie, in der Chemie. Aber man sieht natürlich jetzt auch in dieser Krise, dass es da mächtig hapert. Und man darf nicht vergessen – das sagt unser Innovationsindikator auch aus –, dass wir auf vielen Gebieten heute schon von den Errungenschaften der Vergangenheit leben und bei den modernen Technologien – Stichworte im Automobilbereich wären etwa Hybrid und Batterie – schon zu viel versäumt haben.“ Zuversicht vermittle allerdings die Tatsache, dass die deutsche Forschung sich nicht ins Ausland verlagert habe. Das habe die letzte Untersuchung ergeben. Es sei für ihn und auch die Fachleute erstaunlich gewesen. Man habe gedacht, dass die Forschung ähnlich wie die Produktion wegen der hohen Lohnnebenkosten ins Ausland ginge. Aber das sei nicht der Fall, „die Forschung ist doch noch sehr stark, Gott sei Dank, auch bei den großen, forschungsstarken Unternehmen in Deutschland geblieben“. Insgesamt freilich befinde sich Deutschland im internationalen Vergleich in puncto Innovation „auf einem abschüssigen Weg“. Man stehe vor einem asiatischen Zeitalter, „China und Indien holen mächtig auf“, ganz Europa werde seine Probleme haben. Deshalb seien „Anstrengungen im Bereich der Innovationskraft besonders notwendig. Wir müssen gegensteuern.“

    Kinkel warnt im Gespräch mit dieser Zeitung auch vor einer Erschöpfung der personellen Innovationsreserven. „Natürlich, wir haben zu wenig Ingenieure und Techniker.“ Auch da setze die Stiftung an, in Kindergärten, Schulen und Universitäten. „Das Land der Dichter und Denker und das immer stark gewesene Land der Ingenieure darf nicht verlorengehen.“ Die demografische Entwicklung spiele hier „ganz zweifellos eine Rolle“. Man habe diesen Faktor zu lange verdrängt. „Umso stärker müssen wir heute schon, ich sage nochmals, vom Kindergarten an aufbauen und eben die Kinder viel früher als bisher, schon ab dem dritten Lebensjahr, über Zahlen, Daten, Fakten unter anderem an Naturwissenschaften, Mathematik und eben frühe Bildung heranführen. Und wir müssen unser gesamtes Schulsystem verbessern, insbesondere auch unsere Lehrerausbildung. Das ist eine der verrosteten, schwachen Stellschrauben in Deutschland.“

    Der frühere Außen- und Justizminister räumt ein, dass man die Kinder auch emotional überfordern könne mit Fremdsprachen im Kindergarten. Er wisse, dass das „eine nicht ganz einfache Frage ist. Natürlich muss man aufpassen, dass man nicht zu viel verlangt und dass die ganzen Sozialkomponenten und alles andere, was notwendig ist, nicht zurückbleiben. Chinesisch und Arabisch sollten wir sie vielleicht nicht lernen lassen, aber das habe ich nun vielfach in den letzten fünf Jahren selbst erlebt mit meinen inzwischen fünf Enkeln, wenn man die Kinder im Kindergarten sieht, wie sie über Experimentierkisten beispielsweise an Naturwissenschaften herangeführt werden können, wie sie ungeheuer lernbegierig sind, da sage ich mir: Wir dürfen sie auch nicht unterfordern. Hier kann man ansetzen.“

    Von Jürgen Liminski