• aktualisiert:

    Mali: Flüchtlinge von Hunger bedroht

    „Seit über einem Jahr befindet sich unser Land in einer tiefen Krise. Zu Beginn des neuen Jahres ist diese Krise in eine kritische Phase eingetreten“, heißt es in einem Schreiben der Bischöfe von Mali an die katholischen Gemeinden und an alle Bürger des westafrikanischen Landes. Das Schreiben wurde bei einer Sondersitzung der Bischofskonferenz, die sich mit der Lage des Landes und insbesondere auch mit der humanitären Krise befasste, veröffentlicht. Wie der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Pfarrer Edmond Dembelé, mitteilte, besuchten die Bischöfe am Rande ihrer Versammlung auch die Verletzten in einem der größten Krankenhäuser in der Hauptstadt Bamako.

    Ein Versuch, sich von der brutalen Realität abzulenken: Kinder aus Mali spielen Fußball in einem UN-Flüchtlingslager in ... Foto: dpa

    „Seit über einem Jahr befindet sich unser Land in einer tiefen Krise. Zu Beginn des neuen Jahres ist diese Krise in eine kritische Phase eingetreten“, heißt es in einem Schreiben der Bischöfe von Mali an die katholischen Gemeinden und an alle Bürger des westafrikanischen Landes. Das Schreiben wurde bei einer Sondersitzung der Bischofskonferenz, die sich mit der Lage des Landes und insbesondere auch mit der humanitären Krise befasste, veröffentlicht. Wie der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Pfarrer Edmond Dembelé, mitteilte, besuchten die Bischöfe am Rande ihrer Versammlung auch die Verletzten in einem der größten Krankenhäuser in der Hauptstadt Bamako.

    In ihrem Schreiben fordern die Bischöfe zum Gebet, Solidarität, Einheit und Wachsamkeit auf. Die Bischöfe bitten insbesondere um Hilfe für „unsere Mitbürger, die direkt vom Konflikt betroffen sind: Vertriebene und Flüchtlinge, trauernde Familien, Armee und Sicherheitskräfte“. Außerdem werden die Bischöfe zur Fastenzeit eine landesweite Spenden-Kampagne für die Opfer des Konflikts auf den Weg bringen. Die Bischöfe wurden auch von Staatspräsident Dioncouda Traoré empfangen.

    Extremismus ist von Mali aus auf dem Vormarsch

    Mali galt lange Zeit auch politisch als relativ friedlich und stabil. Anfang 2012 waren im Norden Malis Kämpfe zwischen Tuareg und malischen Streitkräften ausgebrochen. Den Tuareg schlossen sich islamistische Verbände an, die die Macht an sich rissen. Mit Kidal, Gao und Timbuktu wurden die wichtigsten Städte im Norden erobert. Die innerstaatliche Krise spitzte sich zu, als das Militär die Regierung in Malis Hauptstadt Bamako stürzte. Weil das strategisch bedeutsame Land Gefahr lief, komplett in die Hände islamistischer Kräfte zu fallen, griff Frankreich im Januar 2013 auf Seiten der malischen Armee militärisch in den Konflikt ein – auch aus Angst vor einem Flächenbrand. So warnte der Erzbischof von Accra in Ghana, Charles Palmer-Buckle, im Gespräch mit Radio Vatikan: Von den arabischen Ländern aus sei in Afrika der islamische Extremismus immer weiter auf dem Vormarsch, die Stationen hießen Nigeria, Somalia und Mali.

    Besorgt macht auch Bernadin Mfumbusa, der Bischof der in Tansania gelegenen Diözese Kondoa, im Gespräch mit dem Hilfswerk „Kirche in Not“ auf eine zunehmende Islamisierung seines Landes aufmerksam. Es sei zu beobachten, dass immer mehr Wanderprediger aus Saudi Arabien und aus dem Sudan in das ostafrikanische Land kämen und dass Muslime vermehrt politische Forderungen stellten. „In vielen Teilen des Landes sieht man mehr verschleierte Frauen als in der Vergangenheit, darunter auch kleine Mädchen. Auch verbale Aggressionen nehmen zu“, berichtete der Bischof. Es gebe zudem immer mehr Koranschulen, in denen die Schüler negativ gegen den Besuch regulärer Schulen, der in Tansania verpflichtend sei, beeinflusst würden. Der Westen aber verkennt oder unterschätzt die islamistische Gefahr in Afrika, allein der Krieg in Mali hat die Weltöffentlichkeit aufgeschreckt.

    Im Zuge der eskalierenden Kämpfe in Mali verlassen immer mehr Menschen das Land. So erreichten seit 11. Januar mehr als 4 200 Flüchtlinge Mauretanien, wo sie von Mitarbeitern des UN-Flüchtlingskommissariats vom Transitzentrum Fassala an der Grenze ins sichere Inland transportiert wurden. Im Lager Mbera werden die Flüchtlinge mit dem Lebensnotwendigen versorgt. Mbera beherbergt bereits über 55 000 Malier, die vor allem im letzten Jahr vertrieben wurden, nachdem der Aufstand der Tuareg begann. Auch in weiteren Nachbarländern Malis sind nach Ausbruch der Kämpfe verstärkt Flüchtlinge angekommen: In Niger 1 300 Menschen und mehr als 1 800 in Burkina Faso, wo das UN-Flüchtlingskommissariat in Inabao (Grenze zu Mali) zwei große Hallen errichtet hat, um Flüchtlinge aufzunehmen.

    Die Neuankömmlinge berichteten, dass sie vor Luftangriffen und Kämpfen sowie der strikten Anwendung der Scharia-Gesetze geflohen sind. Darüber hinaus gebe es in Mali immer weniger Lebensmittel. Die lokalen Märkte seien geschlossen und auch Treibstoffvorräte gingen zuneige. Verzweifelte Viehzüchter schlachten ihre Tiere oder versuchen sie zu verkaufen, weil es an Futtermitteln fehlt. Seit Anfang 2012 haben insgesamt 147 000 Malier in den Nachbarländern Aufnahme gefunden, einschließlich derjenigen, die im Januar 2013 geflohen sind. Zusätzlich sind 229 000 Menschen in Mali selbst auf der Flucht. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen und seine Partner versorgen die Flüchtlinge in Burkina Faso, Niger und Mauretanien medizinisch, mit sauberem Trinkwasser und Nahrung, errichten sanitäre Einrichtungen und ermöglichen Schulbildung. Dabei wird die Versorgung der Konfliktopfer für Hilfsorganisationen aufgrund der Restriktionen durch das Militär zunehmend schwieriger. Jean Zerbo, seit 1998 Bischof der Erzdiözese Bamako, rief daher dazu auf, humanitäre Korridore zur Versorgung der Menschen einzurichten. Eine schnelle Reaktion und der ungehinderte Zugang zu den Menschen in Not ist das Gebot der Stunde in Mali und den angrenzenden Staaten der Sahelzone, insbesondere Burkina Faso. Hierhin kann sich aufgrund der zunehmenden Kämpfe in Mali und der nach Algerien und Niger geschlossenen Grenzen rasch ein Flüchtlingsstrom entwickeln.

    Kirchliche Hilfswerke versuchen inzwischen, die Not der Flüchtlinge zu lindern. „Kirche in Not“ stellte 40 000 Euro Soforthilfe für die Grundversorgung von Familien in Mali zur Verfügung. Wie das Hilfswerk in München mitteilte, werde damit vor allem der Unterhalt und die medizinische Versorgung von über 300 Familien unterstützt. Besonders Mütter und Kleinkinder seien auf Hilfe angewiesen, denn Nahrungsmittel seien in dem afrikanischen Land knapp. „Kirche in Not“ reagiert mit der Soforthilfe auf eine dringende Bitte des Bischofs der südmalischen Diözese Mopti, Georges Fonghoro. Er berichtete, dass die Bedürfnisse im Land enorm und die Lage der Bevölkerung prekär seien und daher ein sofortiges Handeln erforderten. Caritas international, das Hilfswerk der deutschen Caritas, stellt für die humanitäre Hilfe in Mali weitere 100 000 Euro bereit und rief dringend zu Spenden auf. Angesichts der aktuellen Lage in Mali erhöht auch Misereor seine Hilfe für die Flüchtlinge und bittet um Spenden. Bereits zum Ende des vergangenen Jahres hatte das katholische Entwicklungshilfswerk knapp 40 000 Euro Soforthilfe für die Versorgung von Flüchtlingen aus Nordmali in der Diözese Kayes bewilligt. In den nächsten Tagen wird Misereor eine weitere finanzielle Unterstützung für seine langjährige Partnerorganisation, die Entwicklungs- und Nothilfeabteilung der malischen Bischofskonferenz, bereitstellen, um diese bei ihren Maßnahmen im Umgang mit der Krise zu unterstützen. „Die humanitäre Situation vieler Menschen in Mali ist extrem angespannt", berichtet Dorothée Zimmermann, Misereor-Regionalreferentin für den Bereich Westafrika. Große Sorge bereitet den Caritas-Helfern auch die Lage der Bevölkerung im noch immer von Islamisten besetzten Norden des Landes. Verbliebene Mitarbeiter von lokalen Caritas-Partnern berichteten, dass Milizen sich in Wohnvierteln verschanzen und Zivilisten als lebende Schutzschilde missbrauchen.