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    Liberaler mit Gottvertrauen

    Seit vergangener Woche ist der FDP-Politiker Philipp Rösler (35) Wirtschaftsminister in Niedersachsen. Der gebürtige Vietnamese ist Augenarzt und Vater von vier Monate alten Zwillingen. Dass er auch bekennender Katholik ist, wissen die wenigsten. Mit ihm sprach Sabine Kleyboldt.

    Nicht nur Ihr politischer, sondern auch Ihr persönlicher Werdegang ist eher ungewöhnlich...

    Ich bin 1973 in Vietnam geboren und dort in einem katholischen Waisenhaus gelandet. Da mein Adoptiv-Vater als Berufssoldat viel Kontakt mit vietnamesischen Soldaten hatte, entschieden sich meine Eltern, neben den beiden leiblichen Töchtern noch ein Kind zu adoptieren. So kam ich mit neun Monaten nach Deutschland.

    Wurden Sie katholisch erzogen?

    Nein, erst als ich als Arzt im Krankenhaus viel mit Leiden und Sterben konfrontiert war, habe ich die Schwestern gefragt, „Wie halten Sie das aus?“ Da haben die gesagt: „Herr Rösler, wir sind ein christliches Haus“. Das fand ich sehr beeindruckend. Darüber habe ich mit meiner damaligen katholischen Freundin intensiv geredet. Vor neun Jahren habe ich mich dann taufen lassen, und meine Freundin war Taufpatin. Später wurde sie meine Frau. So bin ich einer der wenigen, die ihre Patentante geheiratet haben.

    Sie haben sich im Herbst ins Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wählen lassen. Warum?

    Ich war seit meiner Taufe engagiert für die Caritas als Arzt im Obdachlosenmobil. Daher bin ich fürs ZdK vorgeschlagen worden. Diese Laienorganisation ist ja Sprachrohr der kirchlichen Basis. Ich möchte gerne als Christ am inneren Leben und der äußeren Wahrnehmung der Kirche mitarbeiten.

    Wo kann ein FDP-Politiker seinen christlichen Glauben einfließen lassen?

    Liberale tragen ihren Glauben normalerweise nicht wie eine Monstranz vor sich her. Aber die FDP hat einen Wandel durchgemacht von einer sehr ablehnenden Haltung der Kirche in den 1970er Jahren hin zu heute, wo Religionsausübung akzeptiert, vielleicht auch gewollt ist. Das Ziel der Trennung von Kirche und Staat haben einige aus meiner Partei als die Abschaffung der Kirche verstanden, was ein Grundfehler war. Kirche ist Träger von Werten, sodass es hilfreich für Politik ist, wenn die Menschen in einem Glauben verankert sind.

    Angesichts von Rettungspaketen für Banken kritisieren viele, für die Armen wäre niemals so viel Geld da. Wie sehen Sie das?

    Ich kann diese Frustration verstehen, aber wenn man die Banken nicht gerettet hätte, wäre die soziale Marktwirtschaft als Grundlage für unseren gemeinsamen Wohlstand verlorengegangen. Solidarität mit den Schwachen in der Dritten Welt und auch hierzulande ist nur dann möglich, wenn es Starke gibt, die etwas erwirtschaften können.

    Sie wollen mit 45 Jahren aus der Politik aussteigen. Warum?

    Politik verändert den Menschen und macht ihn misstrauischer. Mit 45 kann man noch etwas Neues anfangen; zum Beispiel, in einer der FDP-Stiftungen arbeiten, die auch im Ausland Büros haben und viel Gutes tun. Als Nichtregierungsorganisation findet man etwa in Diktaturen leichter den Zugang als offizielle Stellen. Da würde ich gerne dazu beitragen, dass Demokratie Fuß fasst.