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    Letzte Sehnsucht Helmut Schmidt

    Die sozial-liberalen Jahre der Bundesrepublik Deutschland sind untrennbar mit einem Namen verbunden: Helmut Schmidt. Der Alt-Bundeskanzler hat jetzt seinen 90. Geburtstag gefeiert. Allerorten ist das politische Lebenswerk des Mannes geehrt worden, der bis heute durch seine Zwischenrufe in die aktuelle Politik hinein höchste Aufmerksamkeit genießt.

    Die sozial-liberalen Jahre der Bundesrepublik Deutschland sind untrennbar mit einem Namen verbunden: Helmut Schmidt. Der Alt-Bundeskanzler hat jetzt seinen 90. Geburtstag gefeiert. Allerorten ist das politische Lebenswerk des Mannes geehrt worden, der bis heute durch seine Zwischenrufe in die aktuelle Politik hinein höchste Aufmerksamkeit genießt.

    Diese Aufmerksamkeit speist sich auch aus einer Sehnsucht nach einer Zeit, die nicht die gute, alte war, von der rückblickend die Bundesbürger aber glauben, dass Schmidt sie durch die damaligen Fährnisse gut und sicher gelotst hat. Es ist eine Sehnsucht nach Führung heute spürbar, die nicht verwechselt werden darf mit Autoritarismus.

    Dass Schmidt Tugenden wie Verantwortungsgefühl oder Pflicht öffentlich ausgezeichnet hat, dass er die Wehrhaftigkeit der Demokratie gegen den inneren Terror der Roten-Armee-Fraktion und gegen die äußere Bedrohung durch die Sowjetunion mit seinem entschiedenen „Ja“ zum Nato-Doppelbeschluss der Nachrüstung ohne Kompromiss praktiziert hat – und gleichzeitig eine Liberalisierung der Republik in Fragen des alltäglichen Lebens zuließ, das lässt die sozial-liberalen Jahre der Republik unter Helmut Schmidt heute für viele wieder attraktiv erscheinen. Dass Schmidt letztendlich aber an seiner eigenen Partei scheiterte, die den Nato-Doppelbeschluss nicht wollte, und an damaligen SPD-Jungpolitikern wie Oskar Lafontaine, der Schmidts Tugendkanon zynisch als Sekundärtugenden verunglimpfte, mit dem sich auch Wachmannschaften eines Konzentrationslagers befehligen ließen, wird heute schnell vergessen.

    So bleibt das sozial-liberale Projekt ein Sehnsuchtsprojekt, das sich aus der Vergangenheit speist. Zukunft hat es keines. Selbst Helmut Schmidt sagt das. sei