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    Leitartikel: Zeichen der Hoffnung

    Zeichen der Hoffnung sind rar im christlichen Orient. Vertreibungen, Entführungen, Ermordungen: Schreckensmeldung jagt Schreckensmeldung. Der Irak und Syrien, aber auch die Massaker an Christen aus Ägypten und Äthiopien durch IS-Dschihadisten versetzen die Christen der Region in Angst. Ein Gefühl existenzieller Gefährdung hat sich auch über die akuten Brennpunkte hinaus breitgemacht. Die Propaganda der Islamisten bedroht Christen und andere Minderheiten noch bevor sie ihre Waffen auf sie richten. In der nahöstlichen Herzkammer vor allem des katholischen Christentums, im Libanon, ist die Angst besonders groß, dass der Krieg im Nachbarland auf die fragile Zedernrepublik übergreift. Fast zwei Millionen syrische Flüchtlinge lassen die Menschen dort, Moslems wie Christen, keinen Tag vergessen, dass sie der nächste Stein im großen Dominospiel um den Nahen Osten sein könnten. An mehreren Stellen musste die Armee des Landes bereits Feuer austreten, die der IS gelegt hat. In einer solchen Situation sind Zeichen wie die Seligsprechung des Märtyrerbischofs Flavien Michael Melki besonders wichtig. Im Auftrag des Papstes wurde die Zeremonie am Samstag im libanesischen Marienwallfahrtsort Harissa vollzogen. Die Erhebung des Blutzeugen Jesu Christi zur Ehre der Altäre gilt derweil nicht nur der kleinen syrisch-katholischen Kirche, der er entstammt. Sie ist ein Zeichen, das weit über den Libanon hinausreicht und auch in den nicht-katholischen Kirchen wahrgenommen wird.

    Zeichen der Hoffnung sind rar im christlichen Orient. Vertreibungen, Entführungen, Ermordungen: Schreckensmeldung jagt Schreckensmeldung. Der Irak und Syrien, aber auch die Massaker an Christen aus Ägypten und Äthiopien durch IS-Dschihadisten versetzen die Christen der Region in Angst. Ein Gefühl existenzieller Gefährdung hat sich auch über die akuten Brennpunkte hinaus breitgemacht. Die Propaganda der Islamisten bedroht Christen und andere Minderheiten noch bevor sie ihre Waffen auf sie richten. In der nahöstlichen Herzkammer vor allem des katholischen Christentums, im Libanon, ist die Angst besonders groß, dass der Krieg im Nachbarland auf die fragile Zedernrepublik übergreift. Fast zwei Millionen syrische Flüchtlinge lassen die Menschen dort, Moslems wie Christen, keinen Tag vergessen, dass sie der nächste Stein im großen Dominospiel um den Nahen Osten sein könnten. An mehreren Stellen musste die Armee des Landes bereits Feuer austreten, die der IS gelegt hat. In einer solchen Situation sind Zeichen wie die Seligsprechung des Märtyrerbischofs Flavien Michael Melki besonders wichtig. Im Auftrag des Papstes wurde die Zeremonie am Samstag im libanesischen Marienwallfahrtsort Harissa vollzogen. Die Erhebung des Blutzeugen Jesu Christi zur Ehre der Altäre gilt derweil nicht nur der kleinen syrisch-katholischen Kirche, der er entstammt. Sie ist ein Zeichen, das weit über den Libanon hinausreicht und auch in den nicht-katholischen Kirchen wahrgenommen wird.

    So erfreulich eine Seligsprechung im kirchlichen Leben stets ist, so erschreckend ist es, die Parallelen zu sehen, die sich im modernen Nahen Osten hundert Jahre nach dem Martyrium Bischof Melkis aufdrängen. Wie damals werden auch heute Christen und anderen Minderheiten grundlegende Rechte vorenthalten. Der selige Bischof Melki, aus der heutigen Südosttürkei stammend, weigerte sich vor hundert Jahren im untergehenden Osmanischen Reich während der großen Genozide an Christen, zum Islam überzutreten. Nachdem er gefoltert worden war, wurde er schließlich ermordet. Sein Leichnam wurde in den Tigris geworfen. Mit Bischof Melki wird den Christen in Nahost einmal mehr vor Augen geführt, dass sie dem Wort ihres Herrn gemäß wie Schafe unter die Wölfe gesandt sind. Mag nahöstliches Christentum meist in vielen Jahrhunderten gewachsenes Traditions- und Gewohnheitschristentum sein: Immer war im kollektiven Bewusstsein präsent, dass das Leben des Einzelnen wie der Gemeinschaft bedroht und letztlich gefordert sein könnte.

    Die Umwälzungen seit der amerikanischen Invasion des Irak, vor allem aber des Arabischen „Frühlings“ haben im orientalischen Christentum im Besonderen keinen Stein auf dem anderen gelassen. Schon jetzt ist klar, dass die Herde künftig noch kleiner sein wird. Damit die verbliebenen orientalischen Christen indes auch künftig Impulsgeber ihrer Gesellschaften sein können, muss ein Mindestmaß an Stabilität wiederkehren, müssen ihnen die moderaten Moslems die Hand reichen, muss der Westen erkennen, dass er in ihnen natürliche Verbündete hat – so es ihm nicht um eine abstrakte Demokratisierung von oben, sondern um einen realistischen Pluralismus unter nahöstlichen Bedingungen geht.