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    Leitartikel: Was der Papst Mexiko sagte

    Was soll ein Papst der Kirche und der Gesellschaft in einem Land sagen, in dem Gewalt und Korruption herrschen, in dem ein Drogenkrieg sechzigtausend Menschenleben gekostet hat und die Bischöfe von einer „moralischen Krise“ sprechen? Benedikt XVI. hat Mexiko besucht und dieses Thema war ihm vorgegeben. Der Papst sollte nicht dem Mexiko von gestern begegnen, er sollte nicht die Cristeros rühmen, er sollte nicht die ideologischen Gräben der Vergangenheit aufreißen, nicht einmal ein Besuch der für die Evangelisierung Mexikos so wichtigen Madonna von Guadalupe war vorgesehen. Er sollte dem Mexiko von heute begegnen. Zu ihm sollte er sprechen. Er tat es auch. Und die Antwort, die Papst Benedikt gab, hat Bedeutung über die Grenzen Mexikos hinaus. Etwa auch für Deutschland.

    LEITARTIKEL : Nebelschwaden trüben die Sicht
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    Was soll ein Papst der Kirche und der Gesellschaft in einem Land sagen, in dem Gewalt und Korruption herrschen, in dem ein Drogenkrieg sechzigtausend Menschenleben gekostet hat und die Bischöfe von einer „moralischen Krise“ sprechen? Benedikt XVI. hat Mexiko besucht und dieses Thema war ihm vorgegeben. Der Papst sollte nicht dem Mexiko von gestern begegnen, er sollte nicht die Cristeros rühmen, er sollte nicht die ideologischen Gräben der Vergangenheit aufreißen, nicht einmal ein Besuch der für die Evangelisierung Mexikos so wichtigen Madonna von Guadalupe war vorgesehen. Er sollte dem Mexiko von heute begegnen. Zu ihm sollte er sprechen. Er tat es auch. Und die Antwort, die Papst Benedikt gab, hat Bedeutung über die Grenzen Mexikos hinaus. Etwa auch für Deutschland.

    Der katholische Autor Alexander Kissler hat einen entscheidenden Punkt der Verkündigung des deutschen Papstes so zusammengefasst und sei hier zitiert: „Suchte man nach dem kleinsten homiletischen Nenner dieses Pontifikats“, so Kissler, „so stieße man auf die drei Wörtlein ,von innen her‘. Sie sind zentral für die Verkündigung Benedikts: Das Hören und Annehmen des Wortes Gottes verwandele uns ,von innen her‘, der Heilige Geist animiere ,von innen her‘. Jesus habe ,von innen her‘ auf die Abschiedsstunde am Gründonnerstag gewartet. Seit damals wolle er ,den Menschen retten durch die innere Befreiung vom Bösen, durch eine Umwandlung von innen her‘. Wir Christen seien aufgerufen, ,unser Leben von innen her umzuarbeiten‘, ,von innen her neu zu werden‘, besonders mithilfe der Eucharistie.“ Soweit der Autor Kissler.

    Wenn es eine Reise gegeben hat, die diesen Kern der Verkündigung Papst Benedikts wieder einmal freigelegt hat, dann war es dieser Besuch in Mexiko. Der Papst hat nicht einer Entwaffnung der Drogenbanden das Wort geredet, oder von wirkungsvolleren Strukturen der Strafverfolgung und Moralisierungsprogrammen für sozial schwache Schichten gesprochen. Er ist zum Wesentlichen dessen vorgestoßen, was Christen und erst recht ein Papst als einzige tragfähige Antwort geben können: „Wenn wir zulassen, dass die Liebe Christi unser Herz verwandelt, dann werden wir die Welt verwandeln können. Das ist das Geheimnis des wahren Glücks“, sagte er den Kindern in Guanajuato. Das war vielleicht der Kernsatz dieser Reise.

    Die Humanisierung der Gesellschaft und der Kultur beginnt im Herzen eines jeden Einzelnen. Nicht Strukturen entscheiden, sondern die verwandelnde Kraft, die ein Christ in der Welt in sich selbst, „von innen her“ aufbauen kann. Und der Kraftspender ist nicht eine Lehre oder eine Moral, sondern eine Person: Jesus Christus.

    Also sprach Benedikt XVI. vor der geschundenen mexikanischen Nation von León aus über die Reinigung des Herzens. Hat er nicht auch in Deutschland von der Entschlackung der Kirche gesprochen, um das Zentrum des Glaubens deutlichen hervortreten zu lassen? Es würde sich lohnen, die Predigten Papst Benedikts in Mexiko auch hierzulande zu lesen. Ob Drogenkrieg, Strukturdebatten oder die Reizthemen der deutschen Kirche: Die letzte Antwort ist im Kern immer dieselbe: Das Herz von Christus ergreifen zu lassen.