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    Leitartikel: Von Meistern und Lehrlingen

    So etwas wie die aktuellen Verhandlungen der Jamaika-Partner kannte man bisher noch nicht. Dass die Deutschen mit diesem langwierigen Verfahren fremdeln, bei dem erst einmal sondiert, dann schließlich auch verhandelt und irgendwann vielleicht einmal eine Koalition abgeschlossen wird, ist überall zu spüren. In den Kommentarspalten der Sozialen Netzwerke wie am Stammtisch lautet der Tenor: Warum dauert das nur so lange? Dabei spielt natürlich auch die Skepsis gegenüber dem Bündnis an sich mit. Und dieser inhaltliche Vorbehalt ist berechtigt. Aber ob die künftige Koalition nun tatsächlich nach der Karibik-Insel benannt sein wird oder es doch noch zu einer ganz anderen Konstellation kommt, diese Art der Verhandlung wird künftig zum Standard werden. Einfach weil sich anders in dem neuen Sechs-Parteien-System keine Mehrheiten finden lassen. Ganz unabhängig davon, welche Parteien gerade miteinander eine Regierung bilden wollen. Es zeigt sich hier: Politik ist ein Handwerk.

    So etwas wie die aktuellen Verhandlungen der Jamaika-Partner kannte man bisher noch nicht. Dass die Deutschen mit diesem langwierigen Verfahren fremdeln, bei dem erst einmal sondiert, dann schließlich auch verhandelt und irgendwann vielleicht einmal eine Koalition abgeschlossen wird, ist überall zu spüren. In den Kommentarspalten der Sozialen Netzwerke wie am Stammtisch lautet der Tenor: Warum dauert das nur so lange? Dabei spielt natürlich auch die Skepsis gegenüber dem Bündnis an sich mit. Und dieser inhaltliche Vorbehalt ist berechtigt. Aber ob die künftige Koalition nun tatsächlich nach der Karibik-Insel benannt sein wird oder es doch noch zu einer ganz anderen Konstellation kommt, diese Art der Verhandlung wird künftig zum Standard werden. Einfach weil sich anders in dem neuen Sechs-Parteien-System keine Mehrheiten finden lassen. Ganz unabhängig davon, welche Parteien gerade miteinander eine Regierung bilden wollen. Es zeigt sich hier: Politik ist ein Handwerk.

    „Politik ist das Bohren dicker Bretter.“ Kaum eine Festrede kommt ohne dieses alte Max Weber-Zitat aus. Klingt es doch so schön pragmatisch. Aber Reden entsprechen eben nicht der Realität. Das Handwerkliche in der Politik ist den Deutschen fremd. Zwei Beispiele: Karl-Theodor von und zu Guttenberg, charismatisch, eloquent. Ganz unabhängig von seinen tatsächlichen politischen Positionen, der Typus Guttenberg ist die Sehnsuchtsfigur. Ein Mann wie Peter Altmeier hingegen, der im Kanzleramt, dem Maschinenraum der Macht, eben genau diese handwerkliche Qualität zeigen muss, wird vielleicht wegen seiner Kompetenz geschätzt, doch die Herzen fliegen ihm nicht zu.

    Wie sieht es in den aktuellen Verhandlungen aus? Wer hämmert da besonders laut? Speziell die Vertreter der kleinen Parteien, allen voran der FDP-Vorsitzende Christian Lindner, scheinen der Devise zu folgen, dass Klappern mit zum Handwerk dazu gehört. Dass diese Taktik gar nicht so falsch ist, wissen wir aus dem Alltag: Wer sich für sein Wohnzimmer einen maßgefertigten Schrank bauen lassen will, der schaut sich vorher verschiedene Handwerksmeister an. Und sicher, wenn einer der Tischler sich besonders gut verkauft, hoch modernes Werkzeug präsentiert und vielleicht auch noch verspricht, dass sich demnächst die Schranktüren elektrisch per Knopfdruck vom Smartphone aus öffnen lassen, dann macht das Eindruck. Viele Wähler haben Lindner genau deswegen einen Vertrauensvorschuss gegeben. Ob er aber noch Lehrling oder schon Meister ist, wird sich noch zeigen. Die Einblicke, die die Wähler bisher in die Werkstatt bekommen, sorgen bei vielen für Skepsis, ob ihre Entscheidung richtig war. Die Koalitionshandwerker bohren und hämmern an ihren jeweiligen Spezialbrettern herum. Wer aber schraubt am Ende alle Teile zusammen?

    Und damit kommt die Kanzlerin ins Spiel. Das ist ihre Aufgabe. Je stärker sie den Eindruck vermittelt, sie habe einen Bauplan im Kopf, umso mehr werden auch die Bürger Verständnis dafür aufbringen, dass gutes politisches Handwerk seine Zeit benötigt. Sie muss zeigen, dass das, was da gebaut wird, am Ende stabil ist und steht. Diesen Meisterbrief muss sich die Kanzlerin noch verdienen.

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