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    Leitartikel: Vom Bohren harter Bretter

    Großes Einvernehmen hat die Begegnungen von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin mit seinen russischen Gastgebern geprägt, von den Treffen mit Patriarch Kyrill und Außenamtsleiter Hilarion bis zu den eher politischen Gesprächen mit Präsident Wladimir Putin und Außenminister Sergej Lawrow. Nicht einzelne Abmachungen oder die Einigung in bisher strittigen Fragen kennzeichneten die drei Tage des Kardinals in Moskau und Sotschi. Wichtig war vielmehr, dass die Reise stattgefunden hat. Von Seiten der päpstlichen Diplomatie als Nachweis, keine partiellen Interessen zu vertreten und im Dienst an der Überwindung von aktuellen Krisen in der Welt über den Parteien zu stehen, von Seiten Russlands als Zeichen, in der katholischen Kirche einen vertrauenswürdigen Partner zu sehen. Ausdrücklich bestätigte Putin seinem Gast, dass die humanitären Werte, die die katholische und die russisch-orthodoxe Kirche verteidigten, die Grundlage für die Beziehungen zwischen beiden Kirchen und zwischen Russland und dem Vatikan bildeten.

    Guido Horst. Foto: DT

    Großes Einvernehmen hat die Begegnungen von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin mit seinen russischen Gastgebern geprägt, von den Treffen mit Patriarch Kyrill und Außenamtsleiter Hilarion bis zu den eher politischen Gesprächen mit Präsident Wladimir Putin und Außenminister Sergej Lawrow. Nicht einzelne Abmachungen oder die Einigung in bisher strittigen Fragen kennzeichneten die drei Tage des Kardinals in Moskau und Sotschi. Wichtig war vielmehr, dass die Reise stattgefunden hat. Von Seiten der päpstlichen Diplomatie als Nachweis, keine partiellen Interessen zu vertreten und im Dienst an der Überwindung von aktuellen Krisen in der Welt über den Parteien zu stehen, von Seiten Russlands als Zeichen, in der katholischen Kirche einen vertrauenswürdigen Partner zu sehen. Ausdrücklich bestätigte Putin seinem Gast, dass die humanitären Werte, die die katholische und die russisch-orthodoxe Kirche verteidigten, die Grundlage für die Beziehungen zwischen beiden Kirchen und zwischen Russland und dem Vatikan bildeten.

    Sicherlich sind bei den vertraulichen Gesprächen auch konkretere Fragen zur Sprache gekommen. Dass Parolin den russischen Präsidenten etwa um Vermittlung in der bürgerkriegsähnlichen Lage in Venezuela gebeten hat, wäre ohne weiteres verständlich. Aber in einer Zeit, in der die diplomatischen Kanäle zwischen Russland und dem Westen an einigen Rohrverstopfungen leiden, war es dem Staatssekretär wichtig, den direkten Draht zu Moskau zu pflegen, wo Kirche und Kreml jene seltsame, dem Nationalen verpflichtete Symbiose pflegen. Das war einmal anders. Nicht vergessen sind die Jahre, in denen westliche Geheimdienste und viele im Vatikan hinter den Schüssen auf Johannes Paul II. im Mai 1981 Auftraggeber im Kreml vermuteten. Und noch Anfang dieses Jahrhunderts herrschte Eiszeit zwischen Rom und dem Moskauer Patriarch. Russland ist einfach zu wichtig – etwa mit Blick auf die Zukunft der Christen im Mittleren Osten und die Lage im Heiligen Land –, als dass die völlige Funkstille von damals ein Dauerzustand für die vatikanische Diplomatie sein kann.

    Auf der einen Seite also profiliert sich Staatssekretär Parolin an der Seite von Papst Franziskus immer mehr zum eigentlichen Außenpolitiker des Vatikans, auf der anderen Seite ist die Beziehung zwischen der Russisch-Orthodoxen Kirche und der katholischen Kirchenführung – zumal nach dem ersten historischen Treffen zwischen Papst und Moskauer Patriarch auf Kuba – durchaus partnerschaftlich geworden. Dass diese Begegnung und Geste der Versöhnung viele in der Orthodoxie gegen Kyrill aufgebracht hat, war noch an den anti-ökumenischen Tönen auf der panorthodoxen Synode auf Kreta des vergangenen Jahres zu spüren. Eine weitere Begegnung zwischen Franziskus und dem Patriarchen wird es vorerst nicht geben. Und an eine ökumenische Annäherung, etwa mit dem Ziel einer baldigen Kommuniongemeinschaft zwischen russischen Orthodoxen und Katholiken, ist erst recht nicht zu denken. Das Moskauer Patriarchat deutet die Annäherung an Rom explizit immer nur unter humanitären, kulturellen und gesellschaftspolitischen Aspekten. Aber so ist das nun einmal für die Außenbeziehungen des vatikanischen Staatssekretariats: Auch da gilt es, geduldig harte Bretter zu bohren.