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    Leitartikel: Viel ähnlicher als es scheint

    Bronislaw Komorowski ist der neue Präsident Polens. Der erwartete Sieger, wenn man auf die politische Ausgangssituation direkt nach der Flugzeugkatastrophe von Smolensk zurückblickt: Maximal 30 Prozent der Stimmen wurden damals im April für Jaroslaw Kaczynski von der national-konservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) als präsidentschaftskandidat prognostiziert, weit mehr als 50 Prozent für den bulligen Sejm-Marschall Komorowski von der liberal-konservativen Regierungspartei „Bürgerplattform“ (PO). Dass es bei der Stichwahl am Sonntag zwischen Komorowski und Kaczynski nach einem relativ kurzen, aber intensiven Wahlkampf dann doch noch einmal richtig spannend wurde und am Ende nur um wenige Prozentpunkte Differenz ging, hat Komorowski vorwiegend sich selbst zuzuschreiben.

    Bronislaw Komorowski ist der neue Präsident Polens. Der erwartete Sieger, wenn man auf die politische Ausgangssituation direkt nach der Flugzeugkatastrophe von Smolensk zurückblickt: Maximal 30 Prozent der Stimmen wurden damals im April für Jaroslaw Kaczynski von der national-konservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) als präsidentschaftskandidat prognostiziert, weit mehr als 50 Prozent für den bulligen Sejm-Marschall Komorowski von der liberal-konservativen Regierungspartei „Bürgerplattform“ (PO). Dass es bei der Stichwahl am Sonntag zwischen Komorowski und Kaczynski nach einem relativ kurzen, aber intensiven Wahlkampf dann doch noch einmal richtig spannend wurde und am Ende nur um wenige Prozentpunkte Differenz ging, hat Komorowski vorwiegend sich selbst zuzuschreiben.

    Rhetorische Faux-Pas zurzeit der Flutkatastrophe („Hochwasser wird es immer geben, daran habt ihr Euch doch schon gewöhnt“), politische Ungeschicklichkeiten (Gemeinsame Reise mit Kriegsrecht-General Wojciech Jaruzelski nach Moskau), nörgelnde TV-Auftritte – auch wenn in den polnischen Medien immer wieder über das vom Hardliner zum Friedensengel konvertierte „Chamäleon“ Kaczynski spekuliert wurde, die eigentlich paradoxe Gestalt des Wahlkampfes war der sich selbst schlagbar machende Komorowski. Adelig und ungebildet („Norwegen ist Mitglied der EU“), machtbewußt und tolpatschig (Einsetzung des neuen polnischen Nationalbankchefs ohne Abstimmung mit Premier Tusk) – kaum ein Widerspruchspaar, kaum ein Fettnäpfchen, das der einstige kommunistische Widerstandskämpfer im Wahlkampf nicht ausließ. Da half es wenig, die konservativ-katholischen Wähler ununterbrochen mit seiner fünffachen Vaterschaft und einem Besuch beim neuen polnischen Primas Jozef Kowalczyk zu animieren. Für die bekennenden Katholiken Polens und die meisten Bischöfe des Landes ist Komorowski mit seiner liberalen Einstellung zur In-vitro-Fertilisation und zu den von PO neugeschaffenen staatlichen Erziehungsrechten ein Präsident, der gewisse ethisch-moralische Bauchschmerzen auslöst.

    Wäre mit Jaroslaw Kaczynski also der bessere Katholik Präsident Polens geworden? Dessen sind sich die Katholiken des Landes auch nicht mehr so sicher. Mag Kaczynski auch offiziell die Gleichstellung von Homo-Partnerschaften mit der Ehe ablehnen, seine Wahlkampfleiterin plädiert längst dafür. Auch sein im Wahkampf geäußertes Versprechen, nie mehr den Ausdruck „Post-Kommunist“ zu gebrauchen, hat manchen energischen Katholiken, der Polen immer noch unter latenter (post-)kommunistischer Herrschaft wähnt, enttäuscht. Komorowski und Kaczynski – die beiden kennen sich nicht nur seit mehr als drei Jahrzehnten aus der damals verbotenen Demokratiebewegung um die Gewerkschaft „Solidarität“. Im zurückliegenden Wahlkampf sind sich beide in ihrer offenen Programmatik („Das wichtigste ist Polen“) fast zur Verwechslung ähnlich geworden. So gespalten das Land aufgrund des knappen Wahlergebnisses jetzt auch wirken mag. In Wirklichkeit sind sich die politischen Lager Polens ähnlicher, als sie zeigen wollen. Es wird auch weiterhin von der Kirche abhängen, die entscheidenden ethischen Akzente zu setzen. Auch bei diesem neuen Präsidenten.

    Von STefan Meetschen