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    Leitartikel: Vertrauen gesucht

    Amerika ist ein großes Land. Nicht nur geografisch, landschaftlich und wegen der Bodenschätze. Nein, auch wegen der Menschen. Das muss man sich in diesen Tagen immer wieder vor Augen führen, wenn man den Wahlkampf beobachtet. Zwar ist das dritte Fernsehduell relativ sachlich über die Bühne gegangen. Aber keiner der Kontrahenten – und eine/r wird Präsident/in der Vereinigten Staaten von Amerika – vermag es, Vertrauen zu erwecken. Der eine, Donald Trump, ist zu narzisstisch und selbstbezogen, die andere, Hillary Clinton, hat zu viele Leichen im Keller.

    Amerika ist ein großes Land. Nicht nur geografisch, landschaftlich und wegen der Bodenschätze. Nein, auch wegen der Menschen. Das muss man sich in diesen Tagen immer wieder vor Augen führen, wenn man den Wahlkampf beobachtet. Zwar ist das dritte Fernsehduell relativ sachlich über die Bühne gegangen. Aber keiner der Kontrahenten – und eine/r wird Präsident/in der Vereinigten Staaten von Amerika – vermag es, Vertrauen zu erwecken. Der eine, Donald Trump, ist zu narzisstisch und selbstbezogen, die andere, Hillary Clinton, hat zu viele Leichen im Keller.

    Das zweite TV-Duell hatte rund hundert Millionen Zuschauer, so viele wie beim Super Bowl 2016, dem größten Ereignis des Jahres. Das dritte Duell nun hatte ähnliche Einschaltquoten. Nach den Umfragen soll Clinton auch diese Runde gewonnen haben, was das Trump-Lager mit seinem Hang zur großen Medienverschwörung freilich anders sieht. Da es bei US-Wahlen aber nicht um die absoluten Stimmen geht, sondern um die Zahl der Wahlmänner in den einzelnen Staaten, ist die Aussagekraft solcher Umfragen begrenzt. Es kommt auf die Swing-States, die noch unentschlossenen Staaten an und deshalb ist das Rennen erst in der Nacht zum 9. November entschieden – ob mit oder ohne Zustimmung Trumps.

    Für die Freunde Amerikas, insbesondere in Europa, ist es gleich. Es gewinnt entweder Pest oder Cholera und die Europäer müssen vor allem aufpassen, dass sie sich nicht anstecken. Diese Gefahr besteht. Der Virus ist das Lügen, bei Trump auf rechthaberische, blinde Weise, bei Clinton mit intriganten und manipulativen Wendungen. Beide stehen in diesem Sinn für Geisteshaltungen dieser Tage, Trump für den Wutbürger, der nach vielen Frustrationen mit der Politik sachlichen Argumenten nicht mehr zugänglich ist, Clinton für jene Politiker, die diese Frustrationen verursachen und das Maß der Politik am Eigennutz ablesen. Beides führt zu korrupten Verhältnissen und hat nur selten das Wohl der Allgemeinheit im Blick.

    Aber hier steht nicht nur das Allgemeinwohl der USA auf dem Spiel. Der Nachfolger Obamas muss Entscheidungen fällen, die der amtierende Präsident versäumt hat oder verfehlte. Wie soll es weitergehen im Irak, wie in Syrien, wie mit der Türkei und überhaupt mit dem radikalen Islam? Wie begegnet man dem imperialen Gestus Putins, dem atomaren Wahnsinn Nordkoreas oder des Iran und wie soll die globale chinesische Herausforderung in Asien und Afrika beantwortet werden? Bei all diesen Fragen geht es nicht ohne Washington. Ganz zu schweigen von der weltwirtschaftlichen Entwicklung.

    Tocqueville hatte in seiner scharfsichtigen Analyse des neuen Amerika einst davor gewarnt, dass die Demokratie nicht immer die Edlen hervorbringe, sondern eher zur Nivellierung führe. Der aktuelle Wahlkampf bestätigt es. Aber, was der Denker aus der alten Welt bei seinem Besuch in der neuen noch nicht sehen konnte: In der Demokratie stecken auch viele Korrektiv-Kräfte. Darauf muss man hoffen, vor allem dass es diesen Kräften gelingt, Brücken zwischen Establishment und Volk zu bauen. Die erste Brücke wäre die Wahrhaftigkeit. Nur so entsteht wieder Vertrauen in die Politik und ihr Personal – in Amerika wie in Europa.