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    Leitartikel: Rom: Doppeltes Unbehagen

    Die Synode zu Ehe und Familie ist seit zwei Wochen vorbei. Ihre Früchte sind bislang vor allem Irritationen und Unbehagen. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht sogar Kardinäle Kritik daran üben, wie diese Bischofsversammlung gelaufen ist. Der Erzbischof von Manila, Kardinal Luis Antonio Tagle, fand es jetzt laut der asiatischen Nachrichtenagentur Misna enttäuschend, dass die Berichterstattung über die Synode von den westlichen Medien dominiert worden sei. „Einige Leute haben das Gefühl, dass lediglich die Themen Scheidung und Homosexualität besprochen wurden“, so der Kardinal, der einer der drei Synodenpräsidenten war. Das stimmt. Aber allein auf die Medien zu zeigen, greift zu kurz. Papst Franziskus hat Kardinal Walter Kasper beauftragt, auf dem Konsistorium im Februar ein Grundlagenreferat zum Synoden-thema zu halten. Damit war das Anliegen von Kardinal Kasper, die mögliche Kommunionzulassung von Wiederverheirateten, zwangsläufig in das gleißende Licht des Medieninteresses gerückt. Und es waren Kardinäle wie der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn, die mit Interviews am Rande der Synode entscheidend dazu beigetragen haben, dass sich die Bedeutung des Themas Homosexualität auch in der Synodenaula hochschaukelte. Bis hin zu einem entsprechenden Paragrafen im Zwischenbericht nach der ersten Beratungswoche, den der Synodensekretär, der italienische Erzbischof Bruno Forte, formuliert hatte, den selbst die Homosexuellen-Lobby als Sensation und Befreiungsschlag bejubelt hat.

    Die Synode zu Ehe und Familie ist seit zwei Wochen vorbei. Ihre Früchte sind bislang vor allem Irritationen und Unbehagen. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht sogar Kardinäle Kritik daran üben, wie diese Bischofsversammlung gelaufen ist. Der Erzbischof von Manila, Kardinal Luis Antonio Tagle, fand es jetzt laut der asiatischen Nachrichtenagentur Misna enttäuschend, dass die Berichterstattung über die Synode von den westlichen Medien dominiert worden sei. „Einige Leute haben das Gefühl, dass lediglich die Themen Scheidung und Homosexualität besprochen wurden“, so der Kardinal, der einer der drei Synodenpräsidenten war. Das stimmt. Aber allein auf die Medien zu zeigen, greift zu kurz. Papst Franziskus hat Kardinal Walter Kasper beauftragt, auf dem Konsistorium im Februar ein Grundlagenreferat zum Synoden-thema zu halten. Damit war das Anliegen von Kardinal Kasper, die mögliche Kommunionzulassung von Wiederverheirateten, zwangsläufig in das gleißende Licht des Medieninteresses gerückt. Und es waren Kardinäle wie der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn, die mit Interviews am Rande der Synode entscheidend dazu beigetragen haben, dass sich die Bedeutung des Themas Homosexualität auch in der Synodenaula hochschaukelte. Bis hin zu einem entsprechenden Paragrafen im Zwischenbericht nach der ersten Beratungswoche, den der Synodensekretär, der italienische Erzbischof Bruno Forte, formuliert hatte, den selbst die Homosexuellen-Lobby als Sensation und Befreiungsschlag bejubelt hat.

    Ein anderer Kritiker ist der amerikanische Kardinal Raymond Burke, der in seinen Stellungnahmen der Synode bescheinigte, nur Verwirrung geschaffen zu haben. Nach seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten muss Burke jetzt seinen Schreibtisch als Präfekt des obersten Vatikangerichts räumen. Der Papst hat ihn am Samstag auf den Posten des Kardinalpräfekten des Malteser-Ordens versetzt. Jetzt mag es tausend Gründe geben, warum ein mit 66 Jahren noch „junger“ Kurienkardinal seinen Hut nehmen muss. Aber wem käme da nicht der Gedanke, der Papst habe Burke wegen seiner zugegebenermaßen sehr konservativen Positionen abgestraft?

    Aber Irritationen und Unbehagen gehen noch tiefer. Es stellt sich die Frage, wie man in der katholischen Kirche die Wahrheit findet. Auf dem Zweiten Vatikanum hat man sich nach langem Lager-Streit auf Konzilstexte geeinigt, die große Mehrheiten gefunden haben, wobei die dogmatischen Erklärungen auch heute noch in ihrem Wahrheitsgehalt absolut wasserdicht sind. Die Synode dagegen ist in ihren beiden Knackpunkten Homosexualität und Wiederverheiratete – das mag Kardinal Tagle bedauern, aber sie waren es – in zwei amorphe Gruppen aus Zustimmung und Ablehnung auseinandergefallen. Wie soll man jetzt die Einheit in der Wahrheit finden? Durch Interviews, durch Buchveröffentlichungen und entsprechende Werbekampagnen, durch ein Erhöhen des medialen Drucks auf die schweigende Mehrheit der Unentschlossenen auf der kommenden Synode? Durch geschickte Personalpolitik, etwa bei der Auswahl der kommenden Synoden-Spitze? Durch das Winken mit Beförderungen? Unbehagen und Irritationen sind groß. Und in Katechesen gibt es jede Menge zu erklären, wie das geht mit der Wahrheitsfindung in der katholischen Kirche.

    Von Guido Horst