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    Leitartikel: Ostern oder die Logik der Liebe

    „Die Welt ist im Wandel“, heißt es in Tolkiens 1954/55 erschienener, sagenhaften Triologie „Der Herr der Ringe“. Wie der Baumhirte „Baumbart“ in dem millionenfach verkauften Werk, mit welchem der Katholik Tolkien Literaturgeschichte schrieb, könnten auch wir Heutigen hinzufügen: „Wir spüren es im Wasser, wir spüren es in der Erde, wir riechen es in der Luft.“ Mit dem feinen Unterschied, dass sich der reale Wandel, dessen Zeuge wir werden, weitaus rasanter und viel umfassender ereignet als der fiktive, von dem Tolkien erzählt. In einer Welt, der selbst so Naturgemäßes wie die Familie als unzeitgemäß gilt und in der die Treue zu einer Modemarke bisweilen weiter reicht, als die zum Ehepartner, scheint das einzige Verlässliche zu sein, dass auf nichts mehr Verlass ist. In einer Welt, in der Banken – einst der Inbegriff von Seriosität – mit den Ersparnissen ihrer Kunden Roulette spielen, in der Staaten wie Eckkneipen pleite gehen, Getreide zu Treibstoff und Leichen abgetriebener Kinder zu Kosmetikprodukten verarbeitet werden, wird Zuversicht zu einen ziemlich raren Gut. In einer solchen „Welt ohne Halt“ (Lord Dahrendorf) schaut die Masse der Menschen gebannt auf jeden, der bei ihr Hoffnung zu wecken vermag und Erlösung verspricht; wovon, ist beinah schon egal. In der Welt der Haltlosen gehört die Bühne den Volkstribunen und großen Vereinfachern. Die erstaunliche Popularität, die etwa ein Barack Obama, eine Angela Merkel oder selbst ein Silvio Berlusconi auch nach Jahren noch genießen, und die in einem beinah umgekehrt proportionalen Verhältnis zu ihren tatsächlichen Leistungen steht, erschließt sich vollends erst dem, der versteht, was derart unterschiedlichen Politikern gemeinsam ist. Als „Hoffnungsverkäufer“ (Gabor Steigart) haben sie es alle, wenn auch jeder auf andere Weise, zu wahrer Meisterschaft gebracht.

    „Die Welt ist im Wandel“, heißt es in Tolkiens 1954/55 erschienener, sagenhaften Triologie „Der Herr der Ringe“. Wie der Baumhirte „Baumbart“ in dem millionenfach verkauften Werk, mit welchem der Katholik Tolkien Literaturgeschichte schrieb, könnten auch wir Heutigen hinzufügen: „Wir spüren es im Wasser, wir spüren es in der Erde, wir riechen es in der Luft.“ Mit dem feinen Unterschied, dass sich der reale Wandel, dessen Zeuge wir werden, weitaus rasanter und viel umfassender ereignet als der fiktive, von dem Tolkien erzählt. In einer Welt, der selbst so Naturgemäßes wie die Familie als unzeitgemäß gilt und in der die Treue zu einer Modemarke bisweilen weiter reicht, als die zum Ehepartner, scheint das einzige Verlässliche zu sein, dass auf nichts mehr Verlass ist. In einer Welt, in der Banken – einst der Inbegriff von Seriosität – mit den Ersparnissen ihrer Kunden Roulette spielen, in der Staaten wie Eckkneipen pleite gehen, Getreide zu Treibstoff und Leichen abgetriebener Kinder zu Kosmetikprodukten verarbeitet werden, wird Zuversicht zu einen ziemlich raren Gut. In einer solchen „Welt ohne Halt“ (Lord Dahrendorf) schaut die Masse der Menschen gebannt auf jeden, der bei ihr Hoffnung zu wecken vermag und Erlösung verspricht; wovon, ist beinah schon egal. In der Welt der Haltlosen gehört die Bühne den Volkstribunen und großen Vereinfachern. Die erstaunliche Popularität, die etwa ein Barack Obama, eine Angela Merkel oder selbst ein Silvio Berlusconi auch nach Jahren noch genießen, und die in einem beinah umgekehrt proportionalen Verhältnis zu ihren tatsächlichen Leistungen steht, erschließt sich vollends erst dem, der versteht, was derart unterschiedlichen Politikern gemeinsam ist. Als „Hoffnungsverkäufer“ (Gabor Steigart) haben sie es alle, wenn auch jeder auf andere Weise, zu wahrer Meisterschaft gebracht.

    Doch gibt es in Wirklichkeit nur einen Meister; nur einen, der den Menschen Erlösung nicht bloß zu versprechen, sondern auch tatsächlich zu schenken vermag: Jesus Christus. Wohl aus diesem Grund beschwor denn auch der Selige Papst Johannes Paul II. am Abend seiner Wahl, die auf dem Petersplatz und vor den Fernsehern versammelten Menschen: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus! Öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Bereiche der Kultur, der Zivilisation und des Fortschritts seiner rettenden Macht! Habt keine Angst! Christus weiß, was im Inneren des Menschen ist. Er allein weiß es!“ Gedanken, die sowohl Papst Benedikt XVI. als auch der jetzige Heilige Vater, Papst Franziskus, in den Ansprachen zu ihren Amtsantritten auf ihre Weise aufgriffen und weiterführten.

    Die Erlösung durch Gott, der Mensch wird, das Kreuz besteigt und so für uns den Tod überwindet – nichts anderes feiert die Kirche an Ostern – gibt es zwar gratis, aber nicht zum Nulltarif. „Gott, der dich ohne dich geschaffen, rettet dich nicht ohne dich“, weiß Augustinus. Nicht, dass wir Großes vollbringen müssten. Doch weil Gott uns liebt, achtet er unsere Freiheit, kann er nur das vergeben und von dem erlösen, was wir bereuen. Es ist die „Logik der Liebe“, an der die säkulare Welt Anstoß nimmt: Ein Gott, der stirbt, um unsere Erlösung zu wirken und doch – aus Respekt vor unserer Freiheit – zulässt, dass wir sie ausschlagen.