• aktualisiert:

    Leitartikel: Murdochs Medienmacht

    Wird sich die englische Zeitungslandschaft jetzt endlich erholen? Medienzar Rupert Murdoch jedenfalls hat bei seiner Anhörung durch das britische Parlament erst mal alle Schuld von sich gewiesen und wollte nichts zu tun haben mit den Abhör- und Bestechungsmethoden seiner Zeitung „News of the World“. Hat er wirklich nicht alles im Griff und sollte abgelöst werden? Aber so einfach kann er es sich nicht machen, denen die Schuld zuzuweisen, denen er vertraut hat und denen, die diesen vertraut haben. Der Kern des Problems liegt in der Struktur der britischen Sensationspresse selbst. Und daran hat Murdoch eben wesentlichen Anteil. Die Tageszeitungen wie „The Sun“, „Mail“ oder „Mirror“, die ebenfalls zum Murdoch-Imperium gehören, sind Klatschpresse der übelsten Sorte, die Promis durch Küche und Schlafzimmer verfolgen, weil es der Leser angeblich so will. Er wurde aber von diesen Medien so erzogen. Der bedingungslose Wille zur Sensation führte zu den Skandalen, die jetzt in England verhandelt werden.

    Alexander Riebel. Foto: DT

    Wird sich die englische Zeitungslandschaft jetzt endlich erholen? Medienzar Rupert Murdoch jedenfalls hat bei seiner Anhörung durch das britische Parlament erst mal alle Schuld von sich gewiesen und wollte nichts zu tun haben mit den Abhör- und Bestechungsmethoden seiner Zeitung „News of the World“. Hat er wirklich nicht alles im Griff und sollte abgelöst werden? Aber so einfach kann er es sich nicht machen, denen die Schuld zuzuweisen, denen er vertraut hat und denen, die diesen vertraut haben. Der Kern des Problems liegt in der Struktur der britischen Sensationspresse selbst. Und daran hat Murdoch eben wesentlichen Anteil. Die Tageszeitungen wie „The Sun“, „Mail“ oder „Mirror“, die ebenfalls zum Murdoch-Imperium gehören, sind Klatschpresse der übelsten Sorte, die Promis durch Küche und Schlafzimmer verfolgen, weil es der Leser angeblich so will. Er wurde aber von diesen Medien so erzogen. Der bedingungslose Wille zur Sensation führte zu den Skandalen, die jetzt in England verhandelt werden.

    In dem Dreieck von Medien, Macht und Politik fehlte die Ethik. Das Abhören und Bestechen rund um die „News of the World“ hat ja eine lange Vorgeschichte. Schon 2006 gab es erste Verhaftungen, weil die Mobiltelefone von Bediensteten des Königshauses abgehört wurden. Und von da an wurden die Verflechtungen zwischen Politik und Medien immer enger. 2007 hatte schon der heutige Premierminister Cameron den ehemaligen Reporter Andy Coulson als Berater engagiert, der heute zum größten Problem für den Premier werden könnte, weil ihm die Beteiligung bei der Handy-Abzapferei vorgeworfen wird. Und dass es auch in den Zeitungen anderer britischer Verlagshäuser völlig normal sei, mit Privatdetektiven an Informationen heranzukommen, meinte am Dienstagabend wie selbstverständlich Murdochs ehemalige Verlagsmanagerin Rebekah Brooks bei der Anhörung vor dem britischen Parlament. Auch sie könnte mit ihren engen Kontakten zur Downing Street noch zum Problem für die Regierung werden.

    Die britischen Medien waren schon lange zu rücksichtslos, wenn es um die Beschaffung von Themen und Details geht; in Murdoch haben sie ihr Ideal gefunden. Und die Verflechtung zwischen Medien und Politik – die vielen privaten und geheimen Treffen kommen jetzt ans Tageslicht – liegt ebenfalls im System. Journalisten beeinflussen in England maßgeblich die Debatten oder gehen in die Politik und knüpfen dann ihre Fäden. Der angelsächsische Stil ist eben der individuelle und personenzentrierte, die Sache bleibt allzu oft auf der Strecke. Die englische Presseaufsicht und die Medien, die nicht zum Murdoch-Imperium gehören, waren bisher zu schwach, um eine durchgängig seriöse Presse fordern zu können. Es gilt, künftig ein Klima zu verhindern, in dem die Handys der Angehörigen gefallener Soldaten abgehört werden, um die nächste Schlagzeile liefern zu können. Journalistenverbände und die Medien selbst müssten solche Informationsexzesse ächten und damit helfen, sie zu unterbinden. Die beginnende Empörung der Briten könnte ein Anfang sein. Schließlich geht es um die Demokratie. Es ist zu hoffen, dass die Erschütterungen der britischen Gesellschaft jetzt weit genug gehen, um das Verhältnis von Medien und Politik neu zu begründen.