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    Leitartikel: Limburg vor der Feuerprobe

    Bischof Georg Bätzing und das Bistum Limburg stehen vor einer Bewährungsprobe. Ganz gleich, auf welche Weise der neue Bischof sein Ziel anstrebt, die Herde mit ihrem früheren Hirten Franz-Peter Tebartz-van Elst zu versöhnen (Seite 5) – Staub aufwirbeln wird er zwangsläufig. Doch ein entspanntes Verhältnis des Bistums zu Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist eine Grundvoraussetzung, damit die Diözese zur Normalität findet. Das übertriebene öffentliche Getöse um den „Fall Limburg“ hat gerade auf dem für Bischof Bätzing sehr wichtigen Feld der Ökumene Brandschäden hinterlassen. Wie Limburger Katholiken überhaupt noch das Vaterunser samt Vergebungsbitte gemeinsam beten könnten, wurden Diözesane in den vergangenen Jahren mehr als einmal gefragt.

    Regina Einig. Foto: DT

    Bischof Georg Bätzing und das Bistum Limburg stehen vor einer Bewährungsprobe. Ganz gleich, auf welche Weise der neue Bischof sein Ziel anstrebt, die Herde mit ihrem früheren Hirten Franz-Peter Tebartz-van Elst zu versöhnen (Seite 5) – Staub aufwirbeln wird er zwangsläufig. Doch ein entspanntes Verhältnis des Bistums zu Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist eine Grundvoraussetzung, damit die Diözese zur Normalität findet. Das übertriebene öffentliche Getöse um den „Fall Limburg“ hat gerade auf dem für Bischof Bätzing sehr wichtigen Feld der Ökumene Brandschäden hinterlassen. Wie Limburger Katholiken überhaupt noch das Vaterunser samt Vergebungsbitte gemeinsam beten könnten, wurden Diözesane in den vergangenen Jahren mehr als einmal gefragt.

    Auch das Gute in der Vergangenheit sehen zu wollen – etwa beim diözesanen Priesternachwuchs – wäre ein erster Schritt. Natürlich findet Bischof Bätzing auch besonnene Katholiken im Bistum vor, die einen fairen Blick auf die Amtszeit seines Vorgängers werfen und ihn nie als persona non grata betrachtet haben. Ein Hoffnungszeichen sind junge Priester und Seminaristen, die über den Tellerrand der Diözese hinausschauen, aber auch die muttersprachlichen Katholiken. Solange Rompilger aus dem Bistum Limburg, die ihren vormaligen Oberhirten in der Ewigen Stadt treffen oder dort mit ihm Eucharistie feiern, zwischen Westerwald und Taunus unter Rechtfertigungsdruck geraten, ist der Weg zur Versöhnung allerdings noch recht weit.

    Bischof Bätzing muss einen Kraftakt bewältigen und auch die Gegner von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst einbinden, ohne selbst von den medialen Mühlen zerrieben zu werden. Dabei ist sein Spielraum minimal. Dasselbe gilt für die Zukunft der in der Ära Tebartz-van Elst gewachsenen „Pfarreien neuen Typs“ – die nicht zu verwechseln sind mit der experimentierfreudigen sogenannten Pastoralwerkstatt. Zudem versteht ein Teil des Bistums die Limburger Synodalordnung als sakrosankte Quelle unerschöpflicher Kreativität. Umgekehrt bedauern nicht wenige Limburger Diözesane, dass die Teilnehmer der Pastoralwerkstatt und des Frankfurter Stadtkirchenforums schon vor Ende der Vakanz aktiv wurden. Es wäre eine faire Geste gegenüber dem neuen Bischof gewesen, seine Amtseinführung abzuwarten und gemeinsam mit ihm zu beraten, wie die Pfarreiseelsorge im Bistum in Zukunft aussehen kann.

    Auch wenn beide Foren mit harmlos klingenden „Empfehlungen“ für ihre Ideen werben, sind die daran gekoppelten Ansprüche nicht zu unterschätzen. Mit Sätzen wie: „Die Mitglieder der Perspektivgruppe sind zuversichtlich, dass sich der künftige Bischof, Monsignore Georg Bätzing, den begonnenen Prozess zu eigen macht“ zeigt man dem Neuen die Instrumente, – ob es dem Rest der Diözese passt oder nicht. Denn im Bistum Limburg gibt es durchaus einen Stamm an redlichen Priestern und Laien, die ihre Pfarreien nicht als Experimentierfeld für diffuse Formen der Gemeindeleitung betrachten und auch die Risiken von Segensfeiern für wiederverheiratete Geschiedene und gleichgeschlechtliche Paare klar erkennen. Inwieweit das Bistum an der Krise tatsächlich gereift ist, dürfte sich rasch zeigen.