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    Leitartikel: Kein Herz für Kinder

    Irgendetwas ist da schiefgelaufen in den üppig ausgestatteten PR-und Kommunikationsabteilungen der Ministerien für Finanzen und Familie. Die Erhöhung des Kindergeldes um vier Euro in diesem Jahr reicht noch nicht einmal für eine Zigarettenpackung, geschweige denn für einen Flachbildschirm. Ein Argument wird hinfällig. Was ist da los? Meint man es in der Großen Koalition etwa ernst mit der Förderung von Familien, gar mit dem Anspruch, Familien etwas Gerechtigkeit zukommen zu lassen?

    Irgendetwas ist da schiefgelaufen in den üppig ausgestatteten PR-und Kommunikationsabteilungen der Ministerien für Finanzen und Familie. Die Erhöhung des Kindergeldes um vier Euro in diesem Jahr reicht noch nicht einmal für eine Zigarettenpackung, geschweige denn für einen Flachbildschirm. Ein Argument wird hinfällig. Was ist da los? Meint man es in der Großen Koalition etwa ernst mit der Förderung von Familien, gar mit dem Anspruch, Familien etwas Gerechtigkeit zukommen zu lassen?

    Wie immer lohnt der Blick hinter die Kulisse. Zum einen waren Skiferien, die meisten Beamten in den PR-Abteilungen waren wohl auf der Piste. Zum zweiten sind es die vier plus zwei Euro (im nächsten Jahr) schlicht nicht wert, ein großes Tamtam zu veranstalten und die einschlägig bekannten publizistischen Netzwerke (Spiegel, Süddeutsche, Welt am Sonntag, Taz, die Öffentlich-Rechtlichen, etc.) zu mobilisieren und damit auch noch darauf aufmerksam zu machen, dass man selbst mit dieser peinlich kleinlichen Maßnahme ein gutes Jahr zu spät der Aufforderung des Bundesverfassungsgerichts Folge leistet.

    Auch sonst ist der Zeitpunkt ungünstig, man diskutiert ja gerade über neue zweistellige Milliardenbeträge für Tsipras und Varoufakis, die sich zwar so benehmen, als wären sie die leibhaftige Kindergeldberechtigung für versagende griechische Eltern, aber mit Gerechtigkeit und Solidarität hat das schon längst nichts mehr zu tun und deshalb kommt unabhängig von den Beträgen – Milliarden für Athen, Milliönchen für die Familien – die Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt ungelegen. Also sagt man sich in Berlin: Ziehen wir die paar Euro jetzt mal durch. Morgen ist das Thema vergessen, Eltern wehren sich nicht.

    Vielleicht tun es aber doch. Sie gehen sicher nicht auf die Straße und veranstalten auch keine Montagsspaziergänge. Aber sie wählen und sie schauen genau hin, wer ihnen freundschaftlich gesinnt ist und zwar nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Sie registrieren das lächerliche Getue um die Frauenquote, den mit publizistischem Getöse begleiteten Einsatz, wenn es um die Arbeit von Frauen in Betrieben und Büros geht und das nachhaltige verachtungsvolle Schweigen in Politik und Medien, wenn man über die Arbeit der Familienmanagerinnen (vulgo Mütter) reden sollte. Kinder- und Betreuungsgeld sind ja nur eine allzu magere Anerkennung für diese Arbeit.

    Nein, Familien sollten sich nichts vormachen. Diese Politik hat kein Herz für Kinder. Hätte sie es, würde sie die Familien gerecht behandeln. Dazu würde die Erhöhung des Freibetrags und die damit zusammenhängende Erhöhung des Kindergeldes auf das Existenzminimum gehören, so wie es das Bundesverfassungsgericht angemahnt hat. Dazu würde die Anrechnung der Erziehungsleistung bei der Rente gehören, so wie Karlsruhe das vor 15 Jahren forderte. Man sieht diese Probleme wohl in den Ministerien. Aber da es den meisten Medien egal ist und kindergeldberechtigte Eltern noch nicht einmal ein Viertel der Wähler ausmachen, kümmern wir uns erstmal um die Banken in Südeuropa und den Kollegen Varoufakis.