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    Leitartikel: Jetzt zählt nur Stärke

    Die feinnervige Börse täuscht sich selten. Sie hat irrationale Ausschläge, gewiss, aber ihr Sinn für kommende Krisen ist wie ein Frühwarnsystem. Und dieses System schlägt jetzt leise Alarmstufe eins. An einem Tag fiel der Wert des iranischen Rial um 40 Prozent gegenüber dem Dollar. Für eine Nation, die viel importieren muss, ist das ein harter Schlag. Indes, das Regime der Mullahs ist selbst schuld an der krisenhaften Situation. Es rasselt seit Tagen mit dem Säbel. Das Seemanöver an der Meerenge von Hormus am Ausgang des Persischen Golfs hat die Haltung der USA und der Europäer, insbesondere Frankreichs und Großbritanniens gegenüber Teheran nur verhärtet. Paris drängt auf schärfere Sanktionen gegen den Iran ab Ende des Monats, Washington schließt Waffenverträge in zweistelliger Milliardenhöhe mit den Golfstaaten ab, Großbritannien hat seine Einheiten in Oman und vor allem an der omanischen Enklave, die in die Straße von Hormus hineinreicht, in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Und im Hintergrund lauert Israel – bereit zuzuschlagen und die Atomanlagen Irans zu zerstören. Gründe genug also für die Mullahs, nervös zu werden.

    LEITARTIKEL: Saubere Lösung: Neuwahlen
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    Die feinnervige Börse täuscht sich selten. Sie hat irrationale Ausschläge, gewiss, aber ihr Sinn für kommende Krisen ist wie ein Frühwarnsystem. Und dieses System schlägt jetzt leise Alarmstufe eins. An einem Tag fiel der Wert des iranischen Rial um 40 Prozent gegenüber dem Dollar. Für eine Nation, die viel importieren muss, ist das ein harter Schlag. Indes, das Regime der Mullahs ist selbst schuld an der krisenhaften Situation. Es rasselt seit Tagen mit dem Säbel. Das Seemanöver an der Meerenge von Hormus am Ausgang des Persischen Golfs hat die Haltung der USA und der Europäer, insbesondere Frankreichs und Großbritanniens gegenüber Teheran nur verhärtet. Paris drängt auf schärfere Sanktionen gegen den Iran ab Ende des Monats, Washington schließt Waffenverträge in zweistelliger Milliardenhöhe mit den Golfstaaten ab, Großbritannien hat seine Einheiten in Oman und vor allem an der omanischen Enklave, die in die Straße von Hormus hineinreicht, in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Und im Hintergrund lauert Israel – bereit zuzuschlagen und die Atomanlagen Irans zu zerstören. Gründe genug also für die Mullahs, nervös zu werden.

    Akut ist die Ölversorgung jedoch nicht gefährdet. Zwar schippert ein Sechstel der weltweiten Öllieferungen durch die Meerenge von Hormus. Aber der Name täuscht. Zum einen ist die Enge 50 Kilometer und die zwei Fahrrinnen je zwei Kilometer breit. Zum anderen liegt es nicht im iranischen Interesse, die Ölversorgung zu behindern. Man würde sich selber schaden und einen Krieg provozieren. Teheran will nur die Muskeln spielen lassen, um so die Verhandlungen mit Paris, Moskau, London, Berlin, Washington und der UNO über das iranische Nuklearpotenzial zu beeinflussen und Zeit zu gewinnen. Diese Verhandlungen sind Mitte der Woche wieder aufgenommen worden. Auch wenn Russland zögert, die Westmächte sind entschlossen, jede Möglichkeit auszuschöpfen, um eine iranische Atombombe zu verhindern. Dazu gehören zunächst wirtschaftliche Sanktionen und dann, als ultima ratio, die militärische Option.

    Die Sanktionen greifen. Eine Verschärfung könnte auch das Atomprogramm zurückwerfen. Teheran braucht gerade jetzt viel Geld, weil die Anlagen zerstört wurden, die die Trägerraketen für die Bombe bauten und weil auch eine weitere Anlage in die Luft flog, in der Material und Hochtechnologie gelagert wurden, die man zur Urananreicherung braucht. Dabei handelte es sich vermutlich um Sabotageakte israelischer Elitekommandos. Israel zeigt seine Entschlossenheit mit Taten, das schafft Druck für die Europäer und für Washington. Nichts kann Obama weniger gebrauchen im Wahljahr als einen Krieg. Deshalb will auch er die iranische Krise möglichst rasch beenden. Ein Erfolg, also der Verzicht Teherans auf die Bombe, würde ihn dagegen beflügeln. Ähnliches gilt für Frankreichs bürgerliche Regierung.

    Aber das Regime der Mullahs wird so kurz vor dem Ziel – in neun Monaten hat es die Bombe, wenn nichts geschieht – nicht aufgeben. Es bleibt unberechenbar bis zu dem Punkt, da die Märtyrermystik, die den Schiiten eigen ist, selbst einen Krieg in Kauf nähme. Deshalb bleiben Stärke und Konsequenz die Haltung, die am ehesten Erfolg oder den geringsten Verlust verspricht.