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    Leitartikel: Islamunterricht, aber wie?

    Wie steht es nun um die Religionsfreiheit der in Deutschland lebenden Muslime? An dieser Frage kommt man nicht vorbei, wenn man ernsthaft über den Islamunterricht reden möchte. Nordrhein-Westfalen hat mit Beginn dieses Schuljahres einen Modellversuch gewagt: Schrittweise bewegt man sich vom wertneutralen Fach Islamkunde zum bekenntnisorientierten Islamunterricht. Das entspricht der Logik des Grundgesetzes, das in Artikel 7 Absatz 3 vorsieht, dass der Religionsunterricht „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt“ wird. Aus katholischer Sicht soll es so sein und bleiben: Wo kämen wir auch hin, wenn in der zunehmend säkularisierten Gesellschaft kirchenferne Fachlehrer „Christentumkunde“ oder „Kirchenkunde“ unterrichten würden?

    Wie steht es nun um die Religionsfreiheit der in Deutschland lebenden Muslime? An dieser Frage kommt man nicht vorbei, wenn man ernsthaft über den Islamunterricht reden möchte. Nordrhein-Westfalen hat mit Beginn dieses Schuljahres einen Modellversuch gewagt: Schrittweise bewegt man sich vom wertneutralen Fach Islamkunde zum bekenntnisorientierten Islamunterricht. Das entspricht der Logik des Grundgesetzes, das in Artikel 7 Absatz 3 vorsieht, dass der Religionsunterricht „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt“ wird. Aus katholischer Sicht soll es so sein und bleiben: Wo kämen wir auch hin, wenn in der zunehmend säkularisierten Gesellschaft kirchenferne Fachlehrer „Christentumkunde“ oder „Kirchenkunde“ unterrichten würden?

    Mehr sachliche Information über Geschichte, Ethik und Glaubensinhalte des Christentums täte allen Schülern gut: getauften und ungetauften, atheistischen und muslimischen. Der konfessionelle Religionsunterricht für katholische Schüler aber muss in Übereinstimmung mit der Lehre der katholischen Kirche stattfinden. Parallel gilt, dass sachliche Information über Geschichte, Ethik und Inhalte des Islam heute allen Schülern guttäten: auch christlichen und bekenntnislosen. Wo aber sollen muslimische Schüler über die Glaubensinhalte ihrer Religion unterrichtet werden? Ausschließlich bei Eltern und Freunden, in Vereinen und Moscheen? Würde so nicht genau das gefördert, was Islamkritiker in Deutschland am meisten fürchten: der Trend zu Parallelgesellschaften? Wer welche Sichtweisen zum Islam und zu muslimischer Identität heute in Hinterhofmoscheen und Vereinen vertritt, entzieht sich staatlicher Aufsicht und Kontrolle. Mit Recht, denn auch die Predigten in den Kirchen sollen nicht staatlich überwacht und zensiert werden. Wer jedoch das Informationsmonopol von Moscheen und Vereinen brechen will, wer an einer Versachlichung und Verbreiterung der religiösen Bildung muslimischer Kinder interessiert ist, wer überdies zeigen will, dass muslimische Identität mit staatsbürgerlicher Loyalität vereinbar ist, sollte sich für einen schulischen Islamunterricht einsetzen. Nicht in den Moscheen und Vereinen, wohl aber in der Schule kann der Staat die Religionsfreiheit wahren und gleichzeitig auf Transparenz, Einfluss und Kontrolle bestehen.

    Doch damit ist die Frage nach dem bekenntnisorientierten Islamunterricht keineswegs ausreichend beantwortet. Denn trotz der wachsenden Zahl der Muslime in Deutschland fehlt dem Staat bis heute ein verbindlicher, den christlichen Kirchen vergleichbarer Ansprechpartner. Wer definiert nun im Islam die richtige Auslegung? Ein Blick auf Österreich könnte der Kontroverse der deutschen Bundesländer um den Islamunterricht dienlich sein: Vor genau einem Jahrhundert schuf Kaiser Franz Joseph I. mit dem „Islamgesetz“ eine rechtliche Grundlage für die Beziehungen zwischen dem Habsburger-Staat und seinen muslimischen Bürgern in Religionsfragen. Dieses Gesetz von 1912 bildete letztlich auch die Grundlage für einen schulischen Religionsunterricht, den das Schulamt der „Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich“ nicht nur prägt, sondern auch verantwortet. Was sich in Österreich bewährt hat, muss in Deutschland vielleicht nicht ganz falsch sein.