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    Leitartikel: Dreiste Dummheit

    Juni vergangenen Jahres überraschten US-amerikanische Forscher aus Kalifornien die Welt mit der Nachricht, es sei ihnen erstmals gelungen, menschliche Stammzellen in Schweineembryonen zu verbringen, in welchen sie dann mehrere Wochen lang weiterreiften. Damals hagelte es heftige Kritik. Was immerhin zeigte, dass Wissenschaft und Medien sich noch nicht damit abgefunden haben, dass einige Biobastler in ihren Labors ungeniert Gattungsgrenzen überschreiten und hinter verschlossenen Türen nach eigenem Gutdünken Mensch-Tier-Mischwesen herstellen. Auch dass die sonst wenig zimperlichen US-Behörden den Forschern die Förderung versagten, war ein erfreuliches Signal. Eines, das hoffen lässt, dass Forschungspolitik nicht länger bereit ist, den in Aussicht gestellten Ertrag eines Forschungsvorhaben regelmäßig höher zu bewerten als das bioethische Porzellan, das dabei zerschlagen wird. Nun haben die Forscher erste Ergebnisse ihrer aufsehenerregenden Experimente in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Cell“ publiziert. Und siehe da: die dort dokumentierte Dreistigkeit der Forscher ist beinah dazu angetan, einem die Sprache zu rauben. Denn das Team um Juan Carlos Izpisua Belmonte und Pablo Ross injizierte menschliche Stammzellen in weit mehr als 2000 Schweineembryonen. Nur rund 50 überlebten die Prozedur so weit, dass sie einer Leihmutter-Sau implantiert werden konnten. Nach 28 Tagen wurden die Schweine geschlachtet und sämtliche noch lebenden Mensch-Tier-Embryonen getötet. Ein Großteil war erheblich zurückgeblieben. Nur wenige entwickelten sich wie gewünscht und wiesen sowohl menschliche als auch tierische Zellen auf. Nun wollen die Forscher die Organe dieser Mensch-Tier-Embryonen noch genauer untersuchen und ihre genetische Zusammensetzung feststellen.

    Stefan Rehder
    Stefan Rehder. Foto: DT

    Juni vergangenen Jahres überraschten US-amerikanische Forscher aus Kalifornien die Welt mit der Nachricht, es sei ihnen erstmals gelungen, menschliche Stammzellen in Schweineembryonen zu verbringen, in welchen sie dann mehrere Wochen lang weiterreiften. Damals hagelte es heftige Kritik. Was immerhin zeigte, dass Wissenschaft und Medien sich noch nicht damit abgefunden haben, dass einige Biobastler in ihren Labors ungeniert Gattungsgrenzen überschreiten und hinter verschlossenen Türen nach eigenem Gutdünken Mensch-Tier-Mischwesen herstellen. Auch dass die sonst wenig zimperlichen US-Behörden den Forschern die Förderung versagten, war ein erfreuliches Signal. Eines, das hoffen lässt, dass Forschungspolitik nicht länger bereit ist, den in Aussicht gestellten Ertrag eines Forschungsvorhaben regelmäßig höher zu bewerten als das bioethische Porzellan, das dabei zerschlagen wird. Nun haben die Forscher erste Ergebnisse ihrer aufsehenerregenden Experimente in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Cell“ publiziert. Und siehe da: die dort dokumentierte Dreistigkeit der Forscher ist beinah dazu angetan, einem die Sprache zu rauben. Denn das Team um Juan Carlos Izpisua Belmonte und Pablo Ross injizierte menschliche Stammzellen in weit mehr als 2000 Schweineembryonen. Nur rund 50 überlebten die Prozedur so weit, dass sie einer Leihmutter-Sau implantiert werden konnten. Nach 28 Tagen wurden die Schweine geschlachtet und sämtliche noch lebenden Mensch-Tier-Embryonen getötet. Ein Großteil war erheblich zurückgeblieben. Nur wenige entwickelten sich wie gewünscht und wiesen sowohl menschliche als auch tierische Zellen auf. Nun wollen die Forscher die Organe dieser Mensch-Tier-Embryonen noch genauer untersuchen und ihre genetische Zusammensetzung feststellen.

    Hinter den Experimenten steht die abstoßende Idee, Schweine als Inkubatoren für die Züchtung menschlicher Organe zu nutzen. Dafür müssten sich die menschlichen Stammzellen in den Schweineembryonen aber entsprechend organisieren und differenzieren lassen, was bei derart unterschiedlichen Gattungen wie der von Mensch und Schwein nicht nur abenteuerlich anmutet, sondern auch noch dadurch verkompliziert wird, dass die Tragezeit von Säuen nur rund drei Monate beträgt, die Embryonalentwicklung des Schweins also deutlich schneller voranschreitet als die des Menschen. Hinzu kommt, dass Schweine Viren besitzen, von denen einige als für Menschen hochgefährlich eingestuft werden. Was derzeit für Schweine als Bioreaktoren spricht, ist lediglich, dass viele ihrer Organe ähnlich groß wie menschliche sind und der Mensch so geübt im Schlachten von Schweinen ist, dass eine spätere Explantation der gezüchteten Organe die Aussicht böte, viele Organe solcher Mensch-Tier-Wesen unbeschädigt zu „bergen“.

    Bislang ist der Beruf des „Organfarmers“, der „in chimären Schweinen macht“, also Science-Fiction mit Gruselfaktor. Eine, die zweierlei zeigt: dass dem Menschen Würde nicht nur als Individuum, sondern auch als Gattungswesen zukommt, ist noch kein Allgemeingut. Und: Ethisch unmusikalische Forscher scheinen die „Freiheit der Wissenschaft“ für eine Art Freibrief zu halten, die ihnen erlaube, sinnfreie Materialschlachten zu veranstalten.