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    Leitartikel: Die Taktik der IS-Feinde

    Die Pariser Anschläge haben Bewegung ins Spiel um Syrien und den Kampf gegen den IS gebracht. Sowohl Frankreich als auch Russland haben jetzt eigene Resolutionsentwürfe in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eingebracht. Dem „Islamischen Staat“ soll der Garaus gemacht werden. Zuvor keimte bei den Wiener Syriengesprächen ein wenig Hoffnung auf, dass erstmals seriöse Schritte in Richtung eines Waffenstillstands und eines politischen Übergangs gemacht würden. Da die Bekämpfung des IS in Syrien – und dem derzeit häufig übersehenen Irak – und eine politische Neuordnung der jeweiligen Länder zusammenhängen, sind dies zunächst ermutigende Zeichen.

    Die Pariser Anschläge haben Bewegung ins Spiel um Syrien und den Kampf gegen den IS gebracht. Sowohl Frankreich als auch Russland haben jetzt eigene Resolutionsentwürfe in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eingebracht. Dem „Islamischen Staat“ soll der Garaus gemacht werden. Zuvor keimte bei den Wiener Syriengesprächen ein wenig Hoffnung auf, dass erstmals seriöse Schritte in Richtung eines Waffenstillstands und eines politischen Übergangs gemacht würden. Da die Bekämpfung des IS in Syrien – und dem derzeit häufig übersehenen Irak – und eine politische Neuordnung der jeweiligen Länder zusammenhängen, sind dies zunächst ermutigende Zeichen.

    Dennoch bleiben Zweifel bestehen, ob dies tatsächlich realisierbar ist. Denn vor einer Einigung aller Parteien im Kampf gegen die Terrormiliz liegen gewaltige Hürden von Strategie und Interessengegensatz. Das zeigt das Beispiel Russlands. Der Kreml beherrscht das Spiel, in Syrien jede Wendung zu nutzen, um seine Interessen, die er derzeit noch mit dem Assad-Regime verbunden sieht, zu verfolgen. Der New Yorker Resolutionsentwurf will das Vorgehen gegen den IS an die Einbeziehung Assads binden. Wirklich überzeugen kann Moskau im Kampf gegen den IS bislang aber nicht. Es ist bekannt, dass die Schläge gegen den IS in Syrien bislang ein Feigenblatt für die Operation der Rettung Assads vor dem drohenden militärischen Kollaps waren. Dass es Wochen gebraucht hat, ehe Moskau den Absturz des russischen Passagierflugzeugs als Terroranschlag eingestuft hat, belegt ebenfalls, dass es Moskau mit dem Anti-IS-Kampf nicht eilig hatte.

    Das Agieren Moskaus zeigt stellvertretend für andere, wovon der IS lebt: von der Schwäche, Zerstrittenheit und dem taktischen Kalkül seiner Feinde, von denen viele auf die eine oder andere Weise – vorläufig wenigstens – mit dem IS leben können. Das Motto lautet: Der IS schadet allen, meinem Feind aber mehr als mir. Das gilt für Assad, der sich derzeit stärker von den sogenannten gemäßigten Rebellen bedroht sieht als von den Kriegern des Kalifats – und umgekehrt. Das gilt für die Kurden im Nord-Irak, die vor allem defensive Ziele verfolgen und mit einer durch den IS geschwächten Bagdader Zentralregierung ganz gut leben können. Die Schiiten dort wiederum blicken ebenfalls mit Wohlgefallen auf eine landlose Sunnitenführung. Das gilt für die Türkei, die es ganz gerne sah, dass der IS die Ambitionen syrischer Kurden in Schach hielt. Umgekehrt gefällt es ihnen gar nicht, dass von Washington ertüchtigte Kurdenverbände in Nord-Syrien gegen den IS zu erfolgreich sind. Die Liste ließe sich um die Akteure in Teheran und Riad fortsetzen.

    Der „Islamische Staat“ ist ein Symptom des zerfallenden Nahen Ostens, nicht seine Ursache, mag er stellenweise auch wie ein eschatologischer Katalysator wirken. Sowohl im Irak wie in Syrien hat die Terrormiliz mit ihrer Mischung aus ruchlosem Pragmatismus und apokalyptischem Terror den Raum erobert, den ihr korrupte Regime gelassen haben. Geholfen hat ihr dabei auch, dass die sunnitische Bevölkerung in beiden Ländern von den Vorgängerregimen vernachlässigt wurde. Und dieses Problem lässt sich weder durch Bomben noch Bodentruppen gegen den IS und seine Krieger lösen.