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    Leitartikel: Die Medien und Bischof Tebartz

    Der Papst hat entschieden. Tebartz-van Elst ist nicht mehr Bischof von Limburg. Versöhnung heißt jetzt das Gebot der Stunde. Versöhnung ist die Voraussetzung für eine Beruhigung der Lage und der Boden, auf dem ein Neubeginn wachsen muss. Versöhnung im tiefen Sinn des Wortes ist ein geistlicher Prozess, der Zeit braucht, Ehrlichkeit, den Mut zur Selbstkritik und die Bereitschaft zu einer differenzierten Sicht der Dinge. Darum ist es gut, wenn auch über die Rolle der Medien in der „Causa Limburg“ gesprochen wird.

    Der Papst hat entschieden. Tebartz-van Elst ist nicht mehr Bischof von Limburg. Versöhnung heißt jetzt das Gebot der Stunde. Versöhnung ist die Voraussetzung für eine Beruhigung der Lage und der Boden, auf dem ein Neubeginn wachsen muss. Versöhnung im tiefen Sinn des Wortes ist ein geistlicher Prozess, der Zeit braucht, Ehrlichkeit, den Mut zur Selbstkritik und die Bereitschaft zu einer differenzierten Sicht der Dinge. Darum ist es gut, wenn auch über die Rolle der Medien in der „Causa Limburg“ gesprochen wird.

    Aufklären und aufhetzen sind zwei Paar Stiefel. Das eine ist genuine Aufgabe von Journalisten. Das andere eine Fehlform, die im Zuge zunehmender Boulevardisierung der Medien leider immer weiter um sich greift. Der Trend zum „Kopf-ab-Journalismus“, bei dem sich einige Medienvertreter anmaßen, Ankläger, Richter und Vollstrecker in einer Person zu sein, war auch im „Fall Tebartz“ zu erkennen. Früher galt der nur scheinbar banale Grundsatz: Hast Du einen Vorwurf, den Du belegen kannst, dann schreib' es und nenn' die Dinge beim Namen. Im „Fall Tebartz“ erlebte man selbst in großen überregionalen Zeitungen, die man früher als seriös bezeichnet hat, einen suggestiven Stil, der aus Teilwissen, Verdachtsmomenten und böswilligen, unbelegten Gerüchten ein „Sittengemälde“ zeichnete, das in der Wucht der Anschuldigungen vernichtender wirkte als jede Tatsachenbehauptung.

    Es ist wenig hilfreich, die Diskussion über die Rolle der Medien nun an der Frage festzufahren, wann sich medienwissenschaftlich unfehlbar von „Kampagne“ sprechen lässt. Viel entscheidender ist, das Vorgehen der Medien grundsätzlich in den Blick zu nehmen. Dazu hat der Mainzer Kommunikationsforscher Hans Mathias Kepplinger Wesentliches gesagt (siehe Seite 11). Für Kepplinger steht fest, dass einige bekannte Journalisten von Anfang an die Absicht gehabt haben, den Limburger Bischof aus dem Amt zu drängen. Die große Mehrheit ihrer Kollegen sei deren Vorgaben bereitwillig gefolgt. Kepplinger verweist zudem auf den Zusammenhang zwischen Differenzen in Glaubensfragen und der Berichterstattung über den Bau des Bischofshauses.

    Was heißt das nun? Gab es im „Fall Tebartz“ brutale Maßlosigkeit, inakzeptable Entgleisungen und den gezielten Versuch, den Bischof aus dem Amt zu heben? Die Antwort ist klar „Ja“. Aber das ist eben nicht alles. Der Bericht der Prüfkommission der deutschen Bischofskonferenz zeichnet nicht nur ein aufschlussreiches Bild über Vertuschen, Versagen, Versäumnisse und Verfehlungen von mehreren Verantwortlichen im Bistum Limburg. Er lässt beim Umgang mit Finanzen auch eine Haltung des Bischofs erkennen, bei der jede Familie, die Monat für Monat schauen muss, wie sie über die Runden kommt, nur den Kopf schütteln kann.

    Unbestrittene Treue zur Lehre, sein redliches Bemühen, Missstände im Bistum Limburg zu korrigieren, haben Tebartz-van Elst zur lohnenswerten Zielscheibe für mediale Attacken wie für Angriffe aus dem Inneren der Kirche gemacht. Der Prüfebericht zeigt freilich, auch auf Seiten des Bischofs hat es beim Bau des Diözesanzentrums unbestreitbar Fehler und Versäumnisse gegeben. Tebartz-van Elst bat um Verzeihung. Seine Jäger in den Medien klopfen sich noch immer auf die Schulter.