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    Leitartikel: Die Kirche und das Geld

    Wo man hinhört, hinsieht, hinliest: Limburg und kein Ende. Als gäbe es kein anderes Thema mehr. Längst haben die Medien den „Fall Tebartz“ weitergedreht. Inzwischen stehen die Kirchenfinanzen insgesamt zur Debatte. Zahlreiche Bischöfe haben reagiert und die Vermögensverhältnisse des sogenannten Bischöflichen Stuhls offengelegt. Die Reaktionen darauf zeigen, die Bereitschaft zur Transparenz wird keineswegs so goutiert, wie das der eine oder andere Bischof erhofft haben mag. Das liegt nicht nur daran, dass die Auskünfte seitens der Bistümer unterschiedlich detailliert ausfallen. Das hat auch andere Gründe: Selbst wenn der letzte Winkel eines Bischofshauses mit Webcam einsehbar wäre, würden interessierte Kreise Gründe finden, weiter von unzureichender Transparenz zu sprechen. Und sei es, weil man dem Bischof am Schreibtisch nicht gut genug über die Schulter schauen kann. Die Herolde eines kämpferischen Laizismus fordern „mehr Transparenz“ und meinen in Wirklichkeit nicht selten totale Kontrolle des kirchlichen Lebens.

    Wo man hinhört, hinsieht, hinliest: Limburg und kein Ende. Als gäbe es kein anderes Thema mehr. Längst haben die Medien den „Fall Tebartz“ weitergedreht. Inzwischen stehen die Kirchenfinanzen insgesamt zur Debatte. Zahlreiche Bischöfe haben reagiert und die Vermögensverhältnisse des sogenannten Bischöflichen Stuhls offengelegt. Die Reaktionen darauf zeigen, die Bereitschaft zur Transparenz wird keineswegs so goutiert, wie das der eine oder andere Bischof erhofft haben mag. Das liegt nicht nur daran, dass die Auskünfte seitens der Bistümer unterschiedlich detailliert ausfallen. Das hat auch andere Gründe: Selbst wenn der letzte Winkel eines Bischofshauses mit Webcam einsehbar wäre, würden interessierte Kreise Gründe finden, weiter von unzureichender Transparenz zu sprechen. Und sei es, weil man dem Bischof am Schreibtisch nicht gut genug über die Schulter schauen kann. Die Herolde eines kämpferischen Laizismus fordern „mehr Transparenz“ und meinen in Wirklichkeit nicht selten totale Kontrolle des kirchlichen Lebens.

    Wenn der unsägliche „Fall Limburg“ etwas Gutes haben sollte, dann die Chance zu einem überfälligen Selbstreinigungsprozess in der Kirche. Den dramatischen Entweltlichungs-Appell von Papst Benedikt XVI. hat man eilig schubladisiert, indem man rasch erklärt hat, was der Papst alles nicht gemeint hat. Auf Benedikt folgte Franziskus. Der neue Papst verschärfte nicht nur den Ton, er erweist sich als Entweltlichungs-Rede auf zwei Beinen, als permanente Anfrage an den kirchlichen „way of life“ – vor allem dort, wo die Kirche reich ist. Wie wäre es bequem gewesen, Franziskus in Rom einen guten Mann sein zu lassen und ihm freundlich zu applaudieren, hätte man hierzulande weitermachen können wie gehabt. Doch dann kam Limburg. Und jetzt wackelt das Gebälk. Endgültig. Alles hängt nun davon ab, welche Konsequenzen daraus gezogen werden. Springt die Kirche in Deutschland nur über die Stöckchen, die ihr die Medien hinhalten? In der falschen Hoffnung auf einen vermeintlichen Frieden. Schickt man den Sündenbock in die Wüste, in der irrigen Annahme, damit seien alle anderen aus der Schusslinie und der Fall erledigt? Oder beginnt ein Prozess des tief greifenden Umdenkens, an dessen Ende sichtbare Konsequenzen stehen. Die theologische Grundlegung dafür liegt seit Benedikts Freiburger Rede vor. Nimmt man die endlich ernst, wäre der Weg bereitet für eine „Revolution aus Überzeugung“, nicht aus Medienangst. Dann wäre freilich über mehr zu reden als über Transparenz beim Vermögen, nämlich über Verstrickungen in Dinge, die mit dem Verkündigungsauftrag nichts zu tun haben. Wozu um Himmelswillen muss die Kirche an der Produktion von Tatort-Krimis oder am Deutschen Fernsehballett beteiligt sein? Warum wird apostolischen Projekten der Saft abgedreht, während an anderer Stelle unsinnig Geld verbrannt wird?

    Sicher, nicht viel Geld als solches ist das Problem. Damit kann man viel Gutes tun. Das Problem entsteht, wo sich Strukturen und Haltungen breit machen, die die kirchliche DNA deformieren, weil sie die Botschaft des Evangeliums verdunkeln und den Blick auf Christus verstellen. Wenn das geschieht, werden Hirten zu Managern, Ordinariate zu Höfen, Laien zu Funktionären, der Glaube zum Politikum und die allgegenwärtige Selbstbespiegelung tritt an die Stelle der Frohbotschaft. Verweltlichung nennt man das. Aus diesem Teufelskreis gilt es auszubrechen. Dafür braucht es eine Revolution aus innerer Überzeugung. Und zwar schnell. Denn das Gebälk ist morsch. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Dachlatte herunterkracht.