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    Leitartikel: Die CDU setzt ganz auf Merkel

    Es trifft nicht zu, dass die CDU über keinen Markenkern (mehr) verfügt. Sie hat sehr wohl einen. Und der heißt Merkel. Der Parteitag in Hannover hat das demonstrativ gezeigt. Nach zwölf Jahren an der Spitze der Christdemokraten haben die Delegierten ihrer Parteivorsitzenden mit einem Rekordergebnis von fast 98 Prozent den Rücken gestärkt. So viel Merkel war nie in der CDU. Alles schart sich hinter der Vorsitzenden, von deren Beliebtheit in der Bevölkerung man sich den Sieg bei der Bundestagswahl erhofft.

    Es trifft nicht zu, dass die CDU über keinen Markenkern (mehr) verfügt. Sie hat sehr wohl einen. Und der heißt Merkel. Der Parteitag in Hannover hat das demonstrativ gezeigt. Nach zwölf Jahren an der Spitze der Christdemokraten haben die Delegierten ihrer Parteivorsitzenden mit einem Rekordergebnis von fast 98 Prozent den Rücken gestärkt. So viel Merkel war nie in der CDU. Alles schart sich hinter der Vorsitzenden, von deren Beliebtheit in der Bevölkerung man sich den Sieg bei der Bundestagswahl erhofft.

    Der Wahlkampf naht, Geschlossenheit ist Pflicht. Konkurrenten sind abgeräumt oder abgetaucht. Geblieben ist ein kleiner Kreis enger Vertrauter um das Machtzentrum Merkel, dann beginnt die große Leere. Das fällt freilich nicht auf, solange die CDU tosend ihre Vorsitzende feiert. Sollte die Merkel-Blase aber eines Tages platzen, wird man feststellen, wie ausgezehrt die CDU tatsächlich ist und wie riskant es war, alles auf eine Karte zu setzen.

    Zwar bleibt ein Grundrauschen in der Partei, ein Wehklagen über den Verlust des Konservativen und des christlichen Profils. Doch ist es den Konservativen bislang nicht gelungen, das Gefühl des Verlusts inhaltlich klarer zu konturieren, geschweige denn, damit durchzudringen. Und der nur zu berechtigte Ruf nach mehr „C“, der nicht mit mehr Konservatismus verwechselt werden sollte, verliert schon deshalb viel von seiner politischen Wirkung, weil der Protestantismus in zentralen lebensethischen Fragen den ökumenischen Konsens längst aufgekündigt hat.

    Die Entscheidung des Parteitags gegen eine steuerliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit Ehepaaren stabilisiert das angeschlagene familienpolitische Profil der CDU. Die Auseinandersetzung auf dem Parteitag zeigt aber auch, wie weit der Relativismus sich bereits in eine christliche Partei hineingefressen hat.

    In Hannover hat Angela Merkel den Willen bekräftigt, die schwarz-gelbe Koalition fortzusetzen. Mit Nachdruck hat sie die Erfolge dieser Bundesregierung betont, aber die FDP gleichzeitig auf disziplinierende Distanz gehalten. Man kennt sich, man braucht sich, aber man hilft sich nur mit Maßen. So soll verhindert werden, in den Sog des liberalen Absturzes zu geraten.

    Die Landtagswahl in Niedersachsen wird zum Lackmustest für Schwarz-Gelb werden. Scheitert dort die Neuauflage des Regierungsbündnisses unter Ministerpräsident David McAllister (CDU) an den Liberalen, wird das nicht nur FDP-Chef-Rösler den Kopf kosten. Zwangsläufig werden dann auch jene Spekulationen über andere Koalitionsmodelle wieder auflodern, die man in Hannover eben ausgetreten hat. Merkel braucht das alles nicht sonderlich zu beeindrucken. Sie kann in Ruhe zusehen, ob die Liberalen bis zur Bundestagswahl ausreichend Boden unter die Füße bekommen. Sie wird im Wahlkampf die FDP als Wunschpartner nennen, reicht es am Wahltag dann nicht für Schwarz-Gelb, bleibt bei einem starken Unionsergebnis immer noch die Große Koalition. Dass das mit Steinbrück und Steinmeier funktionieren kann, weiß Merkel aus Erfahrung. Selbst ein schwarz-grünes Bündnis – aus heutiger Sicht in der Union mehrheitlich noch ein Schreckgespenst – wäre unter Angela Merkel nicht völlig undenkbar. Ein flexibler Markenkern macht vieles möglich.