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    Leitartikel: Des Schlechten zu viel

    Am Ende werden die Crash-Propheten vielleicht doch Recht behalten. Nicht nur die im Euro-Raum sich immer weiter ausbreitende Schuldenkrise, auch negative Konjunkturdaten geben Anlass zur Sorge. Denn neben den Nachrichten aus Griechenland und Spanien, die keinen Anlass zum Jubel geben, erschrecken in erster Linie die Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und das soeben bekannt gewordenen Herbstgutachten der „Wirtschaftsweisen“. Schuldenkrise und drohende Rezession – das ist des Schlechten zu viel.

    Am Ende werden die Crash-Propheten vielleicht doch Recht behalten. Nicht nur die im Euro-Raum sich immer weiter ausbreitende Schuldenkrise, auch negative Konjunkturdaten geben Anlass zur Sorge. Denn neben den Nachrichten aus Griechenland und Spanien, die keinen Anlass zum Jubel geben, erschrecken in erster Linie die Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und das soeben bekannt gewordenen Herbstgutachten der „Wirtschaftsweisen“. Schuldenkrise und drohende Rezession – das ist des Schlechten zu viel.

    Das Wachstum der immer noch als Lokomotive wirkenden deutschen Wirtschaft wird von den Wirtschaftsinstituten für dieses Jahr zwar nur um ein schmales Pünktchen von 0,9 Prozent auf 0,8 Prozent herabgestuft. Aber im nächsten Jahr rechnen die Forscher nur noch mit einem Wachstum von einem Prozent; zuvor war es noch das Doppelte. Zwar weiß man, dass solche Prognosen – gerade in Zeiten einer Krise – nur eine Momentaufnahme sein können. Doch steht im Hintergrund die wohl kaum zu bestreitende Feststellung, dass die Gefahr noch lange nicht gebannt ist: Die Bürger könnten mehr und mehr das Vertrauen in eine erfolgreiche Bewältigung der Euro-Krise und in die Führungsrolle der Politik verlieren.

    Diese Erkenntnis wird auch dadurch befeuert, dass – in den Augen der Wirtschaftsweisen – die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) auf Sicht Inflationsgefahren hervorruft. Denn das Fluten der Märkte mit neuem Geld und die darin eingeschlossene Zusage, Staatspapiere der Peripherieländer mit aller Macht zu kaufen und damit den Zins zu senken, findet ja auch bei der Bundesbank seine Kritiker. Und die Angst vor einer Inflation ist tief in die deutsche Seele gebrannt. Das alles trifft sich mit der harschen Kritik des IWF. Kein „weiter so“ ist die Devise. Die bisherigen Maßnahmen zur Krisenbewältigung werden als „unvollständig“ bezeichnet. Die vom IWF gezeichneten Aussichten für die Weltkonjunktur sind also als düster zu interpretieren. IWF-Chefin Christine Lagarde befürchtet eine Kreditklemme, weil der IWF errechnet hat, dass die europäischen Banken – wenn sich denn der Druck auf die Finanzmärkte noch vergrößert – ihre Bilanzen um astronomische 4,5 Billionen Dollar kürzen müssten. Beängstigend ist dabei, dass der IWF in den Krisenstaaten eine wahre „Kapitalflucht“ festgestellt hat. Das geht an den Nerv des Bankengeschäfts. Hinzu tritt, dass sowohl Japan als auch die USA keine Anstalten machen, ihre horrenden Staatsdefizite zu senken und die Konjunktur in China ernsthafte Zeichen der Schwäche zeigt.

    Hinter alldem verblasst die eigentliche Nachricht der Woche: Die erfolgreiche Gründung des „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ (ESM). Mit dem ESM haben die Europäer ein Instrumentarium zur Krisenbewältigung geschaffen, das neben der EZB die „Feuerkraft“ der Euro-Staaten gegen die Finanzmärkte in Stellung bringen soll. Dass dies die „Märkte“ nicht völlig unbeeindruckt lässt, kann bereits besichtigt werden: Denn obwohl die Ratingagentur „Standard & Poor's“ die Bonität Spaniens praktisch auf Ramschniveau herabgestuft hat, blieben die Zinsen für die Staatsanleihen Madrids weitgehend stabil. Doch das sind nur kleine Funken der Hoffnung. Funken, die die Crash-Propheten kalt lassen.